Martin Schläpfer verlässt Staatsballett mit Uraufführungen

von Martin Schläpfer verlässt Staatsballett mit Uraufführungen © Bild: APA/APA/ROLAND SCHLAGER/ROLAND SCHLAGER

Martin Schläpfer stellte seine letzte Saison vor

Als "Erfolgsjahr der Direktion Martin Schläpfer" bezeichnet die kaufmännische Leiterin Simone Wohinz aufgrund von Rekordzahlen die aktuell auslaufende Saison des Staatsballetts in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Bevor Alessandra Ferri 2025 als Direktorin auf Martin Schläpfer folgt, sind 2024/25 jeweils zwei Premieren an Volks- und Staatsoper geplant. Der tänzerische Beitrag für die neue Spielstätte im Französischen Saal des Künstlerhauses wird im Juni präsentiert.

Es ist die letzte Saison Schläpfers, der aus persönlichen Gründen auf eine Verlängerung seines Vertrags als Staatsballett-Direktor verzichtete. Seine Nachfolgerin Ferri halte er für eine gute Wahl, wie er im Gespräch mit der APA betonte. Er unterstütze sie, wo nur möglich. Dass Ferri "keine choreografierende Ballettdirektorin" sein werde, wie Staatsopern-Direktor Bogdan Roščić vergangenes Jahr angekündigt hatte, lässt Schläpfer in Zusammenhang mit der Kritik an seiner eigenen choreografischen Omnipräsenz unkommentiert. "Es ist immer ein Dilemma, das Künstlerische mit dem Direktorialen zu vereinen." Choreografieren will der Schweizer freilich auch nach Abgabe seiner aktuellen Funktion. Bisher ist jedoch keine weitere choreografische Zusammenarbeit mit dem Wiener Staatsballett geplant, wenngleich Schläpfer dies nicht ausschließe.

In der Staatsoper startet man aus Premierensicht am 19. November mit dem preisgekrönten Handlungsballett "The Winter's Tale" von Christopher Wheeldon, einem Kompositionsauftrag. Es folgt hier am 9. April "Pathétique", bestehend aus Balanchines "Divertimento Nr. 15", Merce Cunninghams "Summerspace" und der letzten eigenen neuen Arbeit Schläpfers, für die er eine abschließende titelgebende Uraufführung kreiert. Diese solle jedoch kein dramatischer Abschied des Choreografen sein, wie Schläpfer betonte.

Die Volksoper zeigt am 25. Jänner die Premiere des genreübergreifenden Projekts "KaiserRequiem", für das Choreograf Andreas Heise zwei letzte Werke miteinander verschränkt - Viktor Ullmanns Kammeroper "Der Kaiser von Atlantis" und Mozarts "Requiem d-Moll KV 626". Die zweite Vorstellung dieses Stücks, welches Chefdramaturgin Anne do Paço als "zeitlose Parabel auf die Wiederkehr von Krieg und Diktatur" bezeichnete, fällt mit dem 27. Jänner zugleich auf den Holocaust-Gedenktag und Mozarts Geburtstag. Es folgt abschließend, ebenfalls in der Volksoper, eine Verbindung dreier Uraufführungen der jungen Generation - darunter "Aerea" von Alessandra Corti, "High" von Louis Stiens und "M to M" von Martin Chaix. Ein Abend, der "das Fenster öffnet und zeigt, dass es weitergeht", wie Schläpfer erläuterte.

Über Sitzplatzauslastung und Einnahmen der aktuell auslaufenden Saison zeigte sich Wohinz hocherfreut. Es handle sich um Rekordzahlen, eine Steigerung der Auslastung sei bei Vorführungen des Staatsballetts in der Staatsoper kaum mehr möglich. Bisher habe man mit 46 Vorstellungen eine durchschnittliche Auslastung von 99,99 Prozent erzielt und damit über 94.000 Besucher begrüßt. 31 Ballettvorstellungen der Volksoper sorgten für eine Auslastung von 86,39 Prozent. Bis zum Ende dieser vorletzten Saison Schläpfers rechne man in beiden Häusern gemeinsam mit rund 150.000 Besuchern. Bei den Zuseherinnen und Zusehern im Kinder- und Jugendalter verzeichnete man im Vergleich zum Vorjahr einen Zuwachs von 31. Prozent.

Die Begeisterung des jungen Publikums für Ballett und Oper soll auch weiterhin gesteigert werden. Für Dezember ist daher die Eröffnung der neuen Staatsopern-Spielstätte, des Französischen Saals im Künstlerhaus, als nächster Schritt geplant. Auch das Staatsballett soll mit Ballettakademie und Jugendkompanie vertreten sein. Die Präsentation genauerer Pläne folgt am 18. Juni.