Martin-Kandidatur: Neuer Konkurrent bringt Mitbewerber nicht ins Schwitzen

'Wer Martin die Stimme gibt, wählt Rot oder Schwarz' PLUS: Sonntagsfrage und Forum - Was schafft Martin?

Betont gelassen haben Vertreter der Parlamentsparteien auf das geplante Antreten des EU-Abgeordneten Hans-Peter Martin bei der Nationalratswahl am 1. Oktober reagiert. Die APA hat in den Generalsekretariaten der Parteien erste Stellungnahmen eingeholt.

Für ÖVP-Generalsekretär Reinhold Lopatka hat sich die Kandidatur abgezeichnet. Er verwies darauf, dass Martin kein "unbeschriebenes Blatt" sei. So sei Martin im "Verband Sozialistischer Mittelschüler" sozialisiert worden, als Autor der "Globalisierungsfalle" das "Liebkind der Gewerkschaften" gewesen und 1999 als Spitzenkandidat der SPÖ in den EU-Wahlkampf gegangen. Was die Kandidatur bei den Nationalratswahlen betrifft, seien noch viele Fragen offen, etwa wer tatsächlich auf der "Liste Martin" kandidieren wird. "Wenn sich die Nebel gelichtet haben, wird man mehr sagen können", so der ÖVP-Wahlkampfleiter.

SPÖ-Bundesgeschäftsführer Norbert Darabos betonte in einer Aussendung, seine Partei respektiere die Kandidatur Martins. "Die SPÖ geht ihren Weg unbeirrt weiter", so Darabos. "Wir kämpfen für einen politischen Richtungswechsel, für Fairness und soziale Gerechtigkeit - und haben als einzige Partei ein umfassendes Konzept dafür." Ein politischer Kurswechsel sei "dringend notwendig - und nur mit der SPÖ möglich".

Die Grüne Bundesgeschäftsführerin Michaela Sburny fragt sich, ob Martin von den Wählern überhaupt noch ernst genommen wird. Martin habe vor zwei Jahren bei der EU-Wahl das Vertrauen von 14 Prozent der Wähler erhalten. "Diesen Wählern hat Martin etwas versprochen, was er offensichtlich nicht in der Lage ist, umzusetzen", so Sburny, die in diesem Zusammenhang von einer "Wählertäuschung" sprach. Offensichtlich überwiege bei Martin die "Eitelkeit, wieder im Rampenlicht zu stehen, als in Brüssel etwas in Bewegung zu setzen".

FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl meinte, der "selbst ernannte Aufdecker und Anti-Privilegien-Kämpfer Martin hat im Grunde gar nichts weitergebracht". Er erinnerte daran, dass Martin im EU-Parlament nicht gegen die EU-Verfassung gestimmt, sondern sich nur der Stimme enthalten habe. "Die Interessen Österreichs sind Martin in Wahrheit gleichgültig", so Kickl. "Die FPÖ ist und bleibt somit die einzige EU-kritische Kraft in diesem Land."

Der orange Bündnissprecher Uwe Scheuch sagte, "wer Martin die Stimme gibt, wählt Rot oder Schwarz, weil dann eine Große Koalition des Stillstandes droht".

(apa/red)