Marseillaise statt Landeshymne: Künftiger belgischer Premier blamierte sich gründlich

Leterme wusste Anlass des Nationalfeiertags nicht

Marseillaise statt Landeshymne: Künftiger belgischer Premier blamierte sich gründlich

Belgiens designierter Regierungschef, der flämische Christdemokrat Yves Leterme, hat sich am Nationalfeiertag seines Landes gründlich blamiert. Leterme konnte weder den Anlass des Feiertages nennen noch die Nationalhymne singen, als Fernsehreporter ihn danach fragten. Statt der belgischen Brabanconne stimmte der Flame gar die französische Marseillaise an.

Vor dem traditionellen Te Deum in der Brüsseler Kathedrale fragten Reporter des Fernsehsenders RTBF den Sieger der Parlamentswahl vom 10. Juni, ob er den Anlass des Nationalfeiertags kenne. "Die Proklamation des Grundgesetzes", antwortete Leterme und wurde belehrt, dass der 21. Juli tatsächlich die Vereidigung des ersten belgischen Königs Leopold I. markiere.

Auf die anschließende Frage, ob er den Text der Brabanconne kenne, antwortete Leterme: "Ein wenig." Auf die Bitte, sie einmal zu singen, hub der Christdemokrat mit der Marseillaise an: "Allons enfants de la patrie....." Auch in der Kirche habe Leterme die Brabanconne nicht mitgesungen. Stattdessen habe er während der Feier sogar telefoniert, berichtete der RTBF.

Leterme machte schon bisher keinen Hehl aus seiner Geringschätzung für den Staat Belgien, den er einmal als "historischen Zufall ohne inneren Wert" bezeichnet hat. Belgien bestehe aus "dem König, dem Fußball-Nationalteam und einigen Biermarken", ansonsten gebe es nichts mehr, was Flamen und Wallonen eine, sagte der Christdemokrat im Vorjahr. Damals löste er einen Entrüstungssturm aus, weil er den Wallonen auch vorwarf, nicht intelligent genug zum Erlernen der niederländischen Sprache zu sein.

Leterme ist von König Albert II. mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt worden. Die Regierungsbildung gestaltet sich vor allem wegen der radikalen Staatsreformpläne von Leterme schwierig. Dieser will dem reichen Flandern noch weitergehende Autonomierechte als bisher geben und insbesondere die Subventionen des Zentralstaates für den ärmeren wallonischen Landesteil eindämmen. (apa)