Marktl am Inn: "Brauhaus Benedikt" und
"Papstbier" locken viele Fans nach Bayern

Festwoche zum Jahrestag mit "Brauhaus Benedikt" Ort hat sich trotz Pilger noch kaum verändert

Vor einem Jahr machten die katholischen Kardinäle ihren deutschen Kollegen Joseph Ratzinger zum Papst und seinen Geburtsort Marktl am Inn zu einem weltweit bekannten Wallfahrtsziel. Mehr als 130.000 Menschen pilgerten seither in den oberbayerischen Ort und bescherten den einheimischen Geschäftsleuten bessere Einkünfte. Mit Papstbier, Vatikanbrot und frisch gebackenen Papstmützen bereicherten sie ihr Angebot. Langsam rollt nun auch eine Welle größerer Investitionen an.

"Derzeit ist bereits ein 'Brauhaus Benedikt' mit 20 Betten und eigener Hausbrauerei in Planung", erklärt Stephan Semmelmayer, Chef des Tourist-Büros der Gemeinde Marktl. Mehrere Anfragen für ähnliche Projekte seien in den vergangenen Monaten eingegangen. "Aber wir wollen keine Hopplahopp-Entscheidungen, sondern eine nachhaltige Entwicklung", sagt Semmelmayer.

Trotz der Touristenströme hat sich das Ortsbild der 2.700-Seelen-Gemeinde bisher nur wenig verändert. Unweit des Ratzinger-Geburtshauses wurden vier Bus- und sechzig Pkw-Stellplätze asphaltiert. Zwei Läden haben neu eröffnet. Ganze fünf neue Arbeitsplätze sind entstanden, zwei davon im neuen "Informations- und Begegnungszentrum" am Marktplatz, das im Dezember als erste Anlaufstelle für die Pilger eröffnete.

Weit rascher setzten viele einheimische Geschäftsleute ihre Ideen in die Tat um. So schenkte der Brauerei-Besitzer Fritz Weideneder bereits 19 Stunden nach der Papstwahl die ersten Flaschen Papstbier aus, damals noch mit handbemaltem Etikett. Mittlerweile hat er 30.000 Kästen des eigens für Benedikt XVI. kreierten Gerstensafts verkauft. Ein Viertel der Produktion setzt er in Marktl ab. "Die Touristen laufen im Ort herum und kaufen dann den 'Four-Pack' voller Begeisterung", schwärmt Weideneder.

Ein Renner sei auch die "Zwei-Liter-Magnum-Flasche". 2.300 Stück hat der Brauerei-Chef im vergangenen Jahr verkauft. "Wir sehen die Zukunft mit dem Papstbier sehr positiv", sagt Weideneder. Vor allem, weil man mittlerweile Kontakte zur Kirche geknüpft habe, und die sei schließlich eine weltweite Organisation. So seien bereits Dutzende Kästen Papstbier für Pfarrfeste in Ungarn und Österreich geliefert worden. Entsprechend setzt Weideneder auf Länder mit hohem Katholikenanteil wie Polen und Italien. Dennoch: "Das Papstbier funktioniert nur im Andenkenbereich", sagt er. Weil es nicht im Alltag getrunken werde, mache der Absatz bisher weniger als ein Viertel des Gesamtausstoßes seiner Brauerei aus.

"Dass wir hier steinreich geworden sind, das kann man wirklich nicht sagen", meint auch Bäckerei-Besitzerin Roswitha Leukert. Dabei buk die Geschäftsfrau, nur zwei Häuser vom Geburtshaus Ratzingers entfernt, noch in der Nacht nach der Papstwahl das erste Blech "Papstmützen" und garnierte sie mit Puderzucker. Seither sperre sie ihren Laden zwar auch sonntags auf, aber für eine neue Arbeitskraft reiche das zusätzliche Geschäft nicht. Also steht Leukert selbst länger hinter der Theke wo sie seit drei Wochen eine neue Leckerei anbietet: die "Süße Mitra". Leukert: "Nach einem Jahr muss man sich halt wieder mal was Neues einfallen lassen".

"Wir sehen diese Situation, in die wir durch einen Glücksfall gekommen sind, als etwas Historisches und als große Aufgabe", sagt Bürgermeister Hubert Gschwendtner. Deshalb wird das einjährige Jubiläum der Papstwahl in Marktl mit einer großen Feierwoche begangen: mit Gottesdiensten, Konzerten, Ausstellungen, Böllerschützen und 55-köpfiger Blaskapelle. Rechtzeitig zum Jubiläum wird auch der Taufstein, in dem Papst Benedikt XVI. vor 79 Jahren getauft wurde, wieder in Marktler Pfarrkirche zurückkehren. Der Stein wurde 1965 bei einer Kirchenrenovierung aussortiert und zunächst im Pfarrgarten, dann im Heimatmuseum aufgestellt. "Man hat hier halt lange Zeit einfach nicht gewusst, dass der Stein so bedeutsam ist", sagt Bürgermeister Gschwendtner. Am Ostersonntag soll der erste Bub in dem frisch restaurierten Becken getauft werden.

Wollte man Glück in Geld messen, so hatte in Marktl wohl eine allein erziehende Mutter mit zwei Kindern am meisten davon. Sie bewohnte das Geburtshaus Ratzingers, für das sich noch vor etwas mehr als einem Jahr kaum ein Käufer gefunden hätte. Vor einigen Wochen nun hat Claudia Dandl das Gebäude an eine kirchliche Stiftung veräußert. Über den Verkaufspreis wurde viel spekuliert fest steht, dass allein der Freistaat Bayern einen Zuschuss von einer Million Euro beitrug.

(apa/red)