Mariahilfer Strasse Neu von

"Mahü": Tempo-30 oft ignoriert

Autofahrer halten sich nicht an neue Temporegelungen in Durchzugsstraßen

AUSTRIA TRAFFIC © Bild: APA/Hochmuth

Seit fast einer Woche ist alles neu auf der Mariahilfer Straße. Dort wo einst Autokolonnen rollten, haben nun weitgehend Fußgänger und Radfahrer den Asphalt erobert. Auch in den betroffenen Bezirken Mariahilf und Neubau hat sich die Situation geändert: In manchen Straßenzügen ist das Verkehrsaufkommen größer geworden, in anderen geringer, so der erste Eindruck der beiden Bezirkschefs. An die neue Tempo-30-Regelung in den Durchzugsstraßen halten sich die Pkw-Lenker oft (noch) nicht. Darum soll es nun zum Teil zusätzliche Markierungen geben.

"In der Webgasse werden Sie glauben, Sie sind am Land", zog die Mariahilfer SPÖ-Bezirkschefin Renate Kaufmann anhand eines Beispiels im APA-Gespräch am Donnerstag eine erste Bilanz zur Verkehrssituation in ihrem Bezirk. Jedoch gebe es noch immer Autofahrer, "die zum Teil wirklich rücksichtlos gegen das Gesetz verstoßen", ärgerte sie sich. Etwa, wenn sie von der Amerlingstraße kommend in die Mariahilfer Straße einbiegen, obwohl dies nicht mehr erlaubt ist.

Auch dass in der Gumpendorfer Straße seit vergangenen Freitag Tempo 30 gilt, dürfte bei so manch einem Autofahrer noch nicht angekommen sein. Wobei - auf den ersten Blick ist dies auch nicht so einfach ersichtlich, wie ein APA-Lokalaugenschein ergab.

Schilder nur am Anfang und Ende

Denn da es sich bei Mariahilf um einen "Tempo-30-Bezirk" handelt, sind Schilder mit der Geschwindigkeitsbeschränkung laut einem Sprecher der Verkehrsstadträtin Maria Vassilakou (Grüne) nur am Anfang der Einfahrtsstraßen in den Bezirk aufgestellt. In den nächsten Tagen werden in der Gumpendorfer Straße jedoch zusätzlich entsprechende Piktogramme angebracht, wurde heute angekündigt.

Auch in der Neustiftgasse und der Burggasse im Bezirk Neubau gilt nun Tempo 30. "Ich habe den Eindruck, viele halten sich noch nicht daran", berichtete Bezirkschef Thomas Blimlinger (Grüne) der APA. Überhaupt würden die beiden Straßenzüge mehr befahren als sonst, ebenso wie die Stollgasse. Anderswo wiederum, etwa in der Schottenfeldgasse oder in der Zieglergasse gebe es weniger Verkehr.

Neue Wege gesucht

Blimlinger ist davon nicht überrascht: "Dass sich der Verkehr verlagert war klar." Die Autofahrer würden sich aufgrund der Änderungen nun neue Wege suchen bzw. noch nicht wissen, wie sie fahren sollen. Doch das werde sich einpendeln, ist er überzeugt. Mittelfristig hofft Blimlinger, dass die Verkehrssituation in seinem Bezirk "spürbar" besser wird.

Auch den Eindrücken der Polizei zufolge hat sich das Verkehrsaufkommen in den Durchzugsstraßen der beiden Bezirke etwas erhöht. Eine Gnadenfrist für Autofahrer, dies sich noch nicht an die neue Tempo-30-Regelung halten, gibt es keine, wurde versichert. "Von uns wird in diesem Bereich verstärkt kontrolliert", sagte ein Sprecher der APA. In erster Linie werde zwar informiert, aber "wenn die Übertretung nicht geringfügig ist, wird schon gestraft." Dies gilt übrigens auch für die Mariahilfer Straße: Dort wird die Geschwindigkeit der Radfahrer etwa mit der Laserpistole gemessen.

Noch kein aussagekräftiges Material

Abgesehen von den individuellen Eindrücken gibt es noch kein aussagekräftiges Zahlenmaterial zur neuen Verkehrssituation in den Bezirken. "Die Evaluierung ist am Laufen", berichtete der Sprecher der Verkehrsstadträtin. Man befinde sich gerade in der Phase, wo sich alles einspiele: "Man wird dann sehen können, wie sich die Verkehrsströme entwickeln."

Unterdessen wurden in den Begegnungszonen die neuen mobilen Halteverbotstafeln aufgestellt. Sie ergänzen die gelbe Linie, die von vielen Verkehrsteilnehmern nicht als Parkverbotshinweis erkannt worden war. Und: Inzwischen wurden auch Halte- und Parkverbotspiktogramme am Boden angebracht.

Die Kritik an der neuen "Mahü" riss jedoch auch am Donnerstag nicht ab. FP-Chef Heinz-Christian Strache ersuchte via Aussendung umgehend den Abbruch des seiner Ansicht nach "glorios gescheiterten Projekts". Wiens VP-Chef Manfred Juraczka forderte Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) auf, angesichts des "Desasters" einzuschreiten.

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