Maria Fekter im Interview von

Hart, aber schmerzlich

Finanzministerin: "Meine Tochter sagt: Mama, so grauslich bist du doch gar nicht"

Maria Fekter im Interview - Hart, aber schmerzlich © Bild: NEWS/Roman Zach-Kiesling

Die einen halten sie für die Königin der Fettnäpfchen, für andere ist sie Kult: Finanzministerin Maria Fekter. Gegenüber NEWS spricht die ÖVP-Politikerin über ihr Mundwerk, Fehler in der letzten Zeit und den Kaufpreis für ihre Politik.

NEWS: Betreiben wir Fehleranalyse: War Ihnen gleich klar, was Ihr Italien-Sager bewirkt? Oder waren Sie überrascht?
Fekter:
Ich war von der Heftigkeit überrascht. Ich habe doch klar gesagt, dass Italien eine starke Volkswirtschaft hat, aus Eigenem aus der Krise kommt und ein starker ökonomischer Faktor in der EU ist. Und ich habe mit vielen, vielen Konjunktiven auf die doch sehr hohen Zinsspreads der Italiener Bezug genommen.

NEWS: Das hätten Sie sich mit Rücksicht auf die Märkte auch sparen können.
Fekter: Das war ja die Killerfrage des Journalisten: Können Sie ausschließen, dass …? Wer kann schon etwas ausschließen? Ich kann auch nicht ausschließen, dass ich morgen tot umfall.

NEWS: Weiter in der Fehleranalyse: War es nicht sehr unklug, von der FPÖ-Causa Graf abzulenken und einen Koalitionskrach um den Faymann-Vertrauten Muhm anzuzetteln?
Fekter: Die Causa Graf ist nicht gelöst. Und den Fall Muhm habe nicht ich hochgespielt. Mir ist es um Gesetze gegangen, Blockaden zu beheben, nicht um Personalfragen.

NEWS: Wie erklären Sie sich dann die Kritik?
Fekter: Andere Politikerkolleginnen und -kollegen würden sich wünschen, nur einen Bruchteil meiner Medienpräsenz zu haben. Dabei hätte ich gar kein Bedürfnis, vorzukommen. Mich ärgert maßlos, dass man mir Dinge in den Mund legt, die ich nie gesagt habe. Ich würde mir wünschen, richtig zitiert zu werden. Aber ich kann nicht steuern, dass in den Medien die Lust am Konflikt da ist und Dinge so lange verdreht werden, bis es einen Konflikt gibt.

NEWS: Und bei Ihnen wird besonders schnell aufgejault?
Fekter: An und für sich bin ich ein sehr eloquenter und extrovertierter Typ. Das verleitet viele Medien, alles Mögliche in mich zu interpretieren. Aber wenn man mich fragt, ob mir bewusst ist, dass meine Äußerungen die Finanzmärkte beeinflussen können, frage ich zurück: Sind sich die Medien immer dessen bewusst, was sie tun? Wenn man, wie bei mir, ständig die Dinge ins Gegenteil verkehrt, führt das zu einem Politiksprech, wo keiner mehr etwas sagt und jeder nur mehr rosarote Wolken zeichnet, damit man sie ja nicht als Donnergewitter interpretieren kann. Aber ich lasse mich nicht verbiegen und will auch nicht verbogen werden. Ich habe auch ausgesprochen positive Reaktionen aus der Basis auf meine geradlinige Art.

NEWS: Der Rückhalt Ihrer Parteifreunde ist eher verhalten. Da heißt es bloß: „Die Maria ist halt ein bissl überschäumend. Man kennt sie ja …“
Fekter:
Zu mir sind immer alle enorm freundlich und klopfen mir auf die Schulter.

NEWS: Fürchten sich die alle vor Ihnen, oder sind sie nicht ganz ehrlich mit Ihnen?
Fekter:
Ich glaube, wir sind doch eine Truppe, die gut zusammenhält. Jeder hat seinen Aufgabenbereich, den jeder für sich bearbeitet. Und unser Obmann bemüht sich, dass wir gemeinsame Termine haben, damit die Gemeinschaft eine Gemeinschaft bleibt.

NEWS: Dieses „Ich lass mich nicht verbiegen“: Ist das Kalkül zur Pflege der Marke Fekter?
Fekter:
Nein, nein, nein. Ich war immer geradlinig, bin immer angeeckt. Aber ich wurde auch immer dafur geschatzt, dass ich hochkomplexe Dinge einfach erklaren kann. Schon als Justizausschuss-Vorsitzende. Doch da war ich in der vierten Reihe, fur die Medien total uninteressant. Als Innenministerin oder Finanzministerin habe ich schwierige Themen zu bearbeiten, die auch kontrovers gesehen werden konnen. Ich habe wenige Wohlfuhltermine. Da ware ich auch die falsche Person dafur. Ich gehe nicht wie ein Firmgod durch die Lande und verteile Geld, damit alle zufrieden sind.

NEWS: Was wäre denn ein Wohlfühltermin für Sie?
Fekter:
Mitarbeiterinnen auszeichnen zu konnen. Oder auch Wahlkampfen. Ich bin nicht leutscheu, ich antworte auch auf jede Frage, da bekomme ich ein enorm positives Feedback. Meistens: „Sie sind ja gar nicht so …“ Ich bin nicht unzufrieden, dass die Menschen wissen, wie ich bin: dass ich eine bin, die fur etwas steht, die gradlinig ist, die fur etwas auch wirklich kampft.

NEWS: Waren Sie immer schon so vorlaut?
Fekter:
Ja, das war das Hauptelement, das mir in der Klosterschule angekreidet wurde.

NEWS: In Ihrer Generation mussten Mädchen still sein …
Fekter:
Ich habe lauter Bruder und Cousins, und in dieser Bubenpartie war ich dabei.

NEWS: Waren Sie da auch schon der „einzige Bub“?
Fekter:
Ich war das einzige Madel, und das hat mich gelegentlich bevorzugt. Ich durfte die Wilde sein und wurde nicht gescholten. Aber ich habe oft das Sprichwort gehort: „Der Klugere gibt nach.“

NEWS: Nicht das Sprichwort: „Wenn dir ein Wort auf der Zunge brennt, lass es brennen.“ Das wäre doch jetzt ein passendes Lebensmotto?
Fekter:
(lacht) Fur eine Politikerin?

NEWS: Ihr Sager, Sie seien „der einzige Mann in der Regierung“, findet Zustimmung …
Fekter:
Mich argert, dass das so zynisch aufgespielt wurde. (Legt die Einladung zum trend/FORMAT-Dinner auf den Tisch) Eine große Einladung, da steht „Herr Fekter“ drauf, die haben aber nicht etwa meinen Mann eingeladen. Und ich bin ja als Fekter auch nicht so unbekannt. Das ist uberall verschwiegen worden. Dabei ist das ein klassisches Beispiel, das uns Frauen immer wieder passiert. Das wollte ich aufzeigen, daher hab ich mir dieses Bonmot geleistet. Ich habe sogar im Parlament klargestellt: Ein Herr Westenthaler oder ein Herr Strache werden wohl nie als Frau eingeladen werden. Sogar die SPÖ-Abgeordnete Muttonen hat gewüurdigt, dass wir uns wehren müssen.

NEWS: Sie wirken persönlich getroffen.
Fekter:
Mir raubt das nicht den Schlaf. Ich bin, seit ich vor 22 Jahren in die Spitzenpolitik katapultiert worden bin, massiven Angriffen ausgesetzt. Das ging so weit, dass man meinen Müll durchwühlt hat oder mein Altpapier. Manchmal kann ich nur den Kopf schütteln. Würde ich mir all die Gedanken, die sich andere um mich machen, selber machen, wäre ich nicht frei fur Sachlösungen. Daher ignoriere ich das.

NEWS: Zu Ihrer innenpolitischen Position – einerseits das absolute Feindbild der SPÖ …
Fekter:
Auch in der SPO gibt es viele, die meine Geradlinigkeit schätzen. Nur bei den Grünen gibt es fast niemanden, der das schätzt.

NEWS: … andererseits ein Gegenpol zu Strache, weil Sie eine klare Pro-Euro-Linie haben. Was ist nun eigentlich der Kern der Marke Fekter?
Fekter:
Das müssen Sie die Medienkollegen fragen, die diese Marke kreiert haben …

NEWS: Sie werden doch selbst ein Interesse haben, Ihre Marke zu positionieren …
Fekter:
Wenn ich mir vorstelle, welche Art von Bildern von mir veröffentlicht werden, speziell von ein paar Medien: eine böse, frustrierte, strenge Person. Ich bin nichts von alldem. Ich bin nicht frustriert und auch keine Böse. Ich bin nur hartnäckig.

NEWS: Hätten Sie gern, dass man Sie für nett hält? Oder ist das Image für Ihre Zwecke eh nicht so übel?
Fekter:
Mein Image ist fur die Arbeit gut, aber nicht fur die Seele. Natürlich mochte ich gelegentlich auch als Mensch wahrgenommen werden. Es tut mir leid, dass mir das nicht gelingt. Meine Tochter hat zu mir gesagt: Mama, so grauslich bist du doch nicht. Ich habe gesagt: Das ist der Kaufpreis fur die Politik, die ich mache. Jetzt hab ich eh schon Locken, lächle mehr, tue vieles, damit ich weicher wirke. Aber von mir gibt es keine Homestorys und schmeichelweichen G’schichteln in der Yellow Press. Mein Bild entsteht aus der Arbeit: durch sehr problematische, krisengebeutelte Negativszenarien.

NEWS: In einem Jahr ist Wahlkampf …
Fekter:
Sind wir nicht schon mittendrin?

NEWS: Wenn Sie das sagen. Und nach der Wahl?
Fekter: Dann hoffe ich, dass die OVP so stark ist, dass eine Regierung ohne sie nicht machbar ist.

NEWS: Sie sitzen dann wo?
Fekter:
Wieder genau hier.

Die ausführliche Cover-Story über Maria Fekter lesen Sie im aktuellen NEWS Nr. 25/2012!

Kommentare

Vergleich Österreich - Rußland In Rußland gibt es erst seit wenigen Jahren Putin und Medwedew oder Medwedew und Putin.
In Österreich wählen wir seit 1945 immer wieder SPÖ+ÖVP oder ÖVP +SPÖ egal wie oft sie uns noch abzocken, egal wie oft sie uns noch verars....

Wir verdienen nichts anderes!

Lt. OECD hat:
•die Republik Österreich eine der höchsten Steuerquoten der Welt (Arbeit ist unterdessen einschließlich Arbeitgeberbeiträgen mit mehr als 60 Prozent durch Steuern und Abgaben belastet); immer wieder kommen Finanzminister mit ihren Steuereinnahmen ganz dramatisch nicht aus. (Anmerkung: Grasser, Molterer, Pröll und Fekter alle ÖVP)

15.12.2011: (ORF Im Zentrum) Wir müssen Geld aufnehmen um die hohen Zinsen zu bezahlen; - Fekter (Anmerkung: Bis 2015 sind € 35.000.000.000 neue noch höhere Schulden geplant).

träum.. ...... Dann hoffe ich, dass die OVP so stark ist, dass eine Regierung ohne sie nicht machbar ist. looolllll... also die hat aber seltsame träume. und ich persön lich würde mir extrem wünschen, dass eine politik WEDER mit spö NOCH mit övp machbar ist.... denn wohin DIESE uns führt, das sieht man....
an den abrung.... und vielleicht sogar noch drüber hinaus.........

wie war das doch? ... ein nachbar .. ein fleischer... ist mit BIEGEN UND BRECHEN!!! dabei, sein geshcäft zu verlieren, weil der frau minister das nicht passt, dass sie einen fleischer als nachbarn hat. und dabei war der fleischer scho LAAAAAANGE vor ihr da.
SO ist das.... man kann immer was finden, um rechtschafene bürger zu quälen, schlechtzumachen und sie so weit zu bringen, dass sie ihre existenz verlieren !!

DAS sind unsere VOLKSVERTRETER!!! sie scheren sich einen dreck um UMS.. sie scheren sich NUR UM SICH SELBER

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maria fekter ich bewundere ihre direkte sprache, die man bei den anderen poplitikern, die der political correctness huldigen, vermisst. bravo!

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Re: maria fekter Ein altes Sprichwort lautet: Kinder und Narren sagen die Wahrheit. Man kann sich nun aussuchen, zu welcher Kategorie Fekter einzuordnen ist. Kleiner Unterschied zum Sprichwort. Fekter tut nur so, als sage sie die Wahrheit.
http://gedankenstrich-franzjosef.blogspot.com

SIE selbst sagt von sich.. daß SIE Locken hat, ds wäre ja nicht DAS Problem...sondern: BLOND ist SIE auch noch DAZU

würde der tochter dringend bei ihrer seeschwäche- raten brillen vermeiden !!! und das mit dem fettnäpfchen getreten ist auch falsch !die badet darin !!!!!.

.. obwohl Stammklientel, werden Bauernregeln durch sie ad absurdum geführt? ... denn es heisst ja "umso schiacha da Besen umso besser fekter". Aber jetzt sollten wir aufhören gemein zu sein, wenn doch schon die Tochter sagt: Mama na sooooo schlimm bist auch ned. Und das die Deutschen sagen sie wäre schon wieder ins Fektnäpfchen getreten ist auch übertrieben.

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