Margaret Thatcher von

Trauerfeiern haben begonnen

Nur theoretisch kein Staatsbegräbnis. Gesamtkosten von 10 Mio. Pfund werden erwartet.

Der Sarg mit Margaret Thatcher wird in den Westminster-Palast getragen. © Bild: Reuters/Plunkett

Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben am Dienstag die aufwändigen Trauerfeierlichkeiten für die verstorbene britische Ex-Premierministerin Margaret Thatcher begonnen. Der Sarg der "Eisernen Lady" wurde am Nachmittag für eine feierliche Zeremonie in die St.-Mary-Undercroft-Kapelle des Londoner Westminster-Palasts gebracht. Zu dem Gottesdienst im kleinen Kreis waren rund 100 Familienmitglieder und Parlamentarier geladen. Am Mittwoch werden zur religiösen Beisetzung etwa 2000 Gäste aus aller Welt erwartet.

Nach dem kurzen Gottesdienst in der gotischen Kapelle sollten alle Parlamentsmitglieder des britischen Ober- und Unterhauses die Möglichkeit bekommen, sich von der früheren Regierungschefin zu verabschieden. Anschließend wacht Pfarrerin Rose Hudson-Wilkin während der Nacht über Thatchers Sarg, bevor am Mittwochmorgen um 09.00 Uhr Ortszeit (11.00 Uhr MESZ) die eigentliche Trauerprozession zur St.-Paul's-Kathedrale beginnt.

700 Soldaten aus Zeiten des Falkland-Kriegs, einem der prägendsten Ereignisse ihrer Amtszeit, werden Thatcher auf der 1,9 Kilometer langen Prozessionsstrecke die letzte Ehre erweisen. Ihr mit dem britischen Union Jack bedeckter Sarg wird auf einem Kanonenwagen aus dem Ersten Weltkrieg ruhen und von sechs schwarzen Pferden gezogen. Eine Blaskapelle der Königlichen Marine wird den Leichenzug anführen und Trauermärsche von Chopin, Beethoven und Mendelssohn spielen. Während der Prozession donnern dann 19 Kanonenschüsse in den Himmel über London.

10 Mio. Pfund für "kein" Staatsbegräbnis
Zwar bekommt Thatcher streng genommen kein Staatsbegräbnis. Eine ähnlich prächtige Trauerfeier wurde aber zuletzt dem legendären früheren Premierminister und Nazi-Gegner Winston Churchill zuteil. Erstmals seit dessen Beisetzung im Jahr 1965 wird diesmal zudem Königin Elisabeth II. einer solch ehrenhaften Trauerfeier beiwohnen. Auch das Schweigegebot für die Glocken des Big Ben galt in dieser Form zuletzt vor 48 Jahren.

Über die auf bis zu zehn Millionen Pfund (11,72 Mio. Euro) geschätzten Begräbniskosten wird in Großbritannien heftig diskutiert. Thatcher, die am 8. April im Alter von 87 Jahren gestorben war, ist in ihrem Heimatland bis heute extrem umstritten. In ihrer Amtszeit der Jahre 1979 bis 1990 setzte die konservative Politikerin gegen den Widerstand der Gewerkschaften einen rigiden Reformkurs durch, ließ Staatsbetriebe privatisieren und die Staatsausgaben senken. Kritiker sind deshalb empört, dass ausgerechnet die Verfechterin des freien Markts ein pompöses Quasi-Staatsbegräbnis auf Kosten der Steuerzahler bekommt.

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