Marcel Hirscher von

"Erwarte nie etwas
im Profisport"

Das Bemerkenswerteste an Marcel Hirscher in Südkorea aus Sicht des Doppel-Olympiasiegers?

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Nachgefragt beim Salzburger Skirennläufer Marcel Hirscher (28), der am Sonntag den Riesentorlauf in Yongpyong und damit seine zweite Goldmedaille bei den Olympischen Spielen in Südkorea nach Kombi-Gold gewonnen hat.

Ist Ihnen jetzt noch einmal ein Stein mehr vom Herzen gefallen als nach Kombi-Gold?
Hirscher: "Ja, schon. In der Kombi war es überraschend, das jetzt war so die erhoffte und erwartete Medaille. Wenn man das dann umsetzen kann, ist das schon mega und cool. Performen im Weltcup ja, aber hier erwartet es jeder."

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War es auch die von Ihnen erwartete Medaille?
Hirscher. "Nein, ich erwarte gar nichts. Erwarte nie etwas im Profisport. Aber klar wäre ich angefressen, wenn ich mich heute selbst rausgehaut hätte."

»Es ist nur schade, dass es nicht schon damals in Vancouver gereicht hat.«

Ist diese Medaille jetzt deshalb wertvoller?
Hirscher: "Nein. Ich glaube materiell sind sie genau gleich viel wert. Das eine hat seine eigene Geschichte, das hier hat seine eigene Geschichte."

Sie hatten bei Olympia bereits zwei vierte Plätze im Riesentorlauf. Ist Gold nun eine Genugtuung?
Hirscher: "Es ist nur schade, dass es nicht schon damals in Vancouver gereicht hat. Aber mit dem Steher, da habe ich schon gescheit eingeparkt. An das denke ich oft, wie knapp ich damals schon dran war. Und jetzt haben wir acht Jahre später."

War es ein anderes Gefühl, als Halbzeit-Führender als Letzter in den zweiten Durchgang zu gehen?
Hirscher: "Nein. Ihr wisst alle, jedes Weltcuprennen ist für mich ein Endgame und ein Endspiel, ein Elfmeter, der im Fußball in einem wichtigen Derby aufliegt. Im Weltcup zählt jeder Punkt, das war heute nichts Anderes."

Wie groß haben Sie den Druck auf sich wirklich gespürt?
"Nach dem Hangfahren gestern war ich sehr erleichtert, alles hat gut funktioniert. Ich denke, wir hatten ein perfektes Set-up für heute. Nach dem ersten Lauf dachte ich mir, das Selbstvertrauen ist da, der Speed ist hoch. Ich kann das Rennen gewinnen. Geh mit hundert Prozent darauf los. Es war schon auch ein bisschen ein Psychospiel wie immer zwischen dem ersten und zweiten Durchgang. Aber das Selbstvertrauen und die Erfahrung haben mir geholfen."

Die Zuschauertribünen waren anders als in der Kombi am Sonntag voll. Auch zu Ihrer Freude?
Hirscher: "Es war schon eine andere Stimmung, ein anderes Gefühl. So ist es völlig okay."

Ihr Trainer Michael Pircher hat gesagt, das ist in dieser Saison der beste Marcel Hirscher, den er je gesehen hat. Wie fühlt es sich für Sie an?
Hirscher: "Ich jedem Fall, das kann ich bestätigen. Die Routine kommt schon dazu. Man hat mehr Erfahrung denn je und kann darauf zurückgreifen."

Was ist das Bemerkenswerteste an Ihnen, seit Sie hier sind?
Hirscher: "Dass ich abliefere."

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