ManU nach Tötung von "Bambi" im Finale:
Fergie's Team packt für den Marsch auf Rom

Alex Ferguson: "Sind derzeit so stark wie nie zuvor" Für Wenger "enttäuschendster Abend" seiner Karriere

ManU nach Tötung von "Bambi" im Finale:
Fergie's Team packt für den Marsch auf Rom © Bild: Reuters/Keogh

Manchester United hat es geschafft, steht nach dem 3:1-Triumph in London gegen Arsenal zum insgesamt fünften Mal im Finale eines Fußball-Europacups und eröffnete sich damit die große Chance, als erster Verein in der 1992/93 eingeführten Champions League den Titel erfolgreich zu verteidigen.

Dass die "Red Devils" Geschichte schreiben wollen und es dem AC Milan, der zuletzt im Meistercup 1990 in Wiener Prater der zweite Coup en suite gelungen ist, gleichtun möchten, versteht sich wohl von selbst. "Ich denke, dass wir zur Zeit so stark sind, wie nie zuvor. Wir haben die Qualität, die Energie, den Antrieb und den Ehrgeiz. Es gibt keinen Zweifel an unserem Hunger nach dem Titel", posaunte Alex Ferguson nach der tollen Vorstellung seiner Mannen, die Geschenke der Gastgeber dankend angenommen hatten.

Trostversuch für junge Gunners
"Wir hätten diese Trophäe schon öfter gewinnen sollen, nun haben wir eine weitere Chance", fügte der Erfolgstrainer hinzu, für den - und nicht nur für ihn - die zwei schnellen Tore durch individuelle Patzer der Hausherren sowie Cristiano Ronaldo, der zweimal traf und einmal assistierte, an diesem Abend den Unterschied ausgemacht haben. "Kein Team - egal auf welchem Niveau - kann sich von einem 0:2-Rückstand nach elf Minuten erholen", versuchte der Trainerfuchs den "young gunners", die danach verzweifelt gegen das Bollwerk der ManU-Abwehr angerannt waren, Trost zu spenden.

Und er weiß auch, wie sich sein Kollege Arsene Wenger jetzt fühlt. "Wenn man so hart wie er arbeitet und so lange dabei ist wie er, dann hast du den Erfolg auch einmal verdient. Ich glaube aber nicht, dass man den Europacup gewinnen muss, um ein großer Trainer zu sein. Leider sehen das aber die Medien so", meinte Ferguson über den Franzosen , der vom "enttäuschendsten Abend" seiner Laufbahn sprach und sich als fairer Verlierer erwies: "ManU ist verdient aufgestiegen, war die bessere Mannschaft. Ich wünsche für das Finale viel Glück." Für ihn war auch die mangelnde Erfahrung seiner Youngster ausschlaggebend.

"Das Schwierigste für uns ist das Gefühl, gar kein Halbfinale gespielt zu haben, weil wir schon nach zehn Minuten aus dem Rennen waren. Das Spiel war für uns vorbei, ehe es richtig angefangen hatte und das müssen wir erst verdauen", resümierte Wenger, nachdem der 19-jährige Kieran Gibbs vor dem 0:1 ausgerutscht war, Torhüter Manuel Almunia, der die "Kanoniere" in Old Trafford mit tollen Paraden im Spiel gehalten hatte, beim 0:2 ins Leere gegriffen hatte und seine Elf einem Bilderbuch-Konter, den Ronaldo abschloss, nur zugesehen hatte.

"Bambi zur Strecke gebracht"
Die Zeitung "The Mirror" brachte für Wenger weniger Verständnis auf als Ferguson. Das Blatt erklärte das "Wenger-Projekt", vor allem auf Jungstars zu setzen, nach dem "demütigenden Aus" für erledigt und schrieb: "Es war die Nacht, in der Bambi zur Strecke gebracht wurde." Von einem "Spaziergang" für ManU und "Abkürzer-Nehmen nach Rom" berichtete "The Guardian". ManU-Verteidiger Patrice Evra sah es so: "Es war ein Spiel elf Männer gegen elf Babies."

ManU hat gut lachen und jetzt den fünften Titel im Europacup nach 1968 (Landesmeister), 1991 (Cupsieger), 1999 und 2008 (Champions League) im Visier. Für Ferguson, der seit 1986 in Old Trafford erfolgreich tätig ist, wäre es der dritte Streich im wertvollsten Vereinsbewerb Europas, womit er mit Liverpool-Coach Bob Paisley gleichziehen würde. Auf die Frage, wen er sich im Finale wünscht, antwortete der Sir aus Schottland mit einem Augenzwinkern: "Gegen keinen, am liebsten wäre mir ein Freilos".

Bis zum 27. Mai könnte sein Club auf nationaler Ebene noch weiteres Selbstvertrauen tanken, um für den Showdown gerüstet zu seien. Mit dem Gewinn des 18. Titels in der Premier League würde ManU mit Rekordmeister Liverpool gleichziehen. Und dann könnte die Ferguson-Truppe das Titel-Triple von 1999 übertreffen. Nach dem bereits gewonnen Weltcup und dem englischen Liga-Cup winkt dann sogar das Quadrupel.
(apa/red)