Mann spuckt auf das Grab von Pinochet:
Großvater war der ermordete General Prats

Prats wurde '74 von Junta-Schergen im Exil ermordet Gesellschaft Chiles immer noch sehr zwiegespalten

Mann spuckt auf das Grab von Pinochet:
Großvater war der ermordete General Prats

Bei den Trauerfeierlichkeiten für den chilenischen Militärdiktator Pinochet hat es einen Zwischenfall gegeben: Ein Enkel eines Regime-Opfers spuckte auf den Sarg des Verstorbenen. Dies teilte das Heer mit. Der Mann, Francisco Cudrados Prats war der Enkel des 1974 von Junta-Schergen im Exil ermordeten Genarals Carlos Prats.

Francisco Cudrados Prats wurde von Wachsoldaten festgenommen, kurz darauf aber frei gelassen. Nach Militärangaben war es der einzige Zwischenfall bei den Trauerfeierlichkeiten, bei denen von Montag bis Dienstag 60.000 Menschen am Sarg des im Alter von 91 Jahren verstorbenen Pinochet vorbei defilierten.

Cuadrados war Enkel von General Prats
Cuadrados ist der Enkel von General Carlos Prats, der vor dem von Pinochet 1973 geführten Putsch gegen Präsident Salvador Allende Generalstabschef war. Prats wurde 1974 im argentinischen Exil ermordet. Er war Gegner der Junta und ein argentinisches Gericht hatte den chilenischen Geheimdienst für seine Ermordung verantwortlich gemacht. Ein argentinischer Auslieferungsantrag gegen Pinochet blieb erfolglos. Cuadrados sagte, er mache Pinochet für den Mord an seinem Großvater verantwortlich.

Zwiespalt in der chilenischen Gesellschaft
Die Zerrissenheit der chilenischen Gesellschaft wurde am Tag des Begräbnisses erneut deutlich, als Verteidigungsministerin Vivianne Blanlot ausgebuht wurde. Nach der Trauerfeier wurde der Sarg Pinochets mit einem Hubschrauber nach Vina del Mar übergeführt, wo der Leichnam eingeäschert werden sollte. Während die Anhänger Pinochets trauerten, feierten die Gegner und Opfer des Regimes in den Straßen der Hauptstadt.
Seine Anhänger halten ihn für einen "Revolutionär, der Chile Demokratie und Wohlstand gebracht" habe, wie einer der Trauergäste meinte. Seine Gegner bezeichnen ihn hingegen als Schlächter, der für den Tod von mindestens 3.500 Regimegegnern und Andersdenkende während seiner Herrschaft (1973-1990) verantwortlich ist. Dem Staat werfen sie vor, dass Pinochet nie vor Gericht gestellt wurde. Der Erzbischof von Santiago, Kardenal Francisco Javier Errazuriz, sagte, er bete dafür, dass Gott Pinochet vergebe und dabei auch "alle guten Taten" Pinochets berücksichtige.

Strafverfahren wegen Menschenrechtsverbrechen gefordert
Menschenrechtsgruppen hatten angesichts des Todes von Pinochet eine Beschleunigung der Strafverfahren wegen Menschenrechtsverbrechen gefordert. Dass Pinochet durch den Tod seiner Strafe entgangen sei, müsse als "Weckruf" verstanden werden, schrieb etwa die Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Chile solle auch die noch unter Pinochets Herrschaft erlassene Amnestie für Militärs und Polizisten aufheben, damit Tausende von Menschenrechtsverbrechen doch noch gerichtlich aufgearbeitet werden könnten. Das seien der Staat und die Gesellschaft den Opfern der Diktatur schuldig.

(apa/red)