Manipulierte Haltbarkeitsangaben: Neuer Lebensmittelskandal in Ungarn aufgeflogen!

Wiederholung: M.E.G.A Trade bereits 2 Mal bestraft Österreich vom Skandal offenbar nicht betroffen

Das Handelsunternehmen M.E.G.A Trade steht unter dem Verdacht, in Ungarn mehrere 100 Tonnen Lebensmittel mit abgelaufener Mindesthaltbarkeit verkauft zu haben. Die GmbH, die einem Wiener gehören soll, habe die verfallenen Lebensmittel neu etikettiert und wieder in den Handel gebracht, hieß es auf Seiten der ungarischen Behörden. Dabei sollte Spar Ungarn - so die ungarische Tageszeitung - zwischen 1. Oktober und 30. November eine Rekordmenge an Lebensmitteln im Wert von 729 Millionen Forint (2,85 Mio. Euro) von der Handelsgesellschaft bezogen haben. Tesco hätte Waren für 213 Millionen Forint erstanden (831.901 Euro).

Spar Ungarn GmbH dementierte aber die in den ungarischen Medien genannten Zahlen. Wie Zsuzsa Laber, Kommunikationschefin von Spar Ungarn, der APA gegenüber betonte, sei die veröffentlichte Zahl "falsch". Spar hätte zwischen dem 1. Oktober und 30. November lediglich Waren mit Bruttowert von 114 Millionen Forint (445.243 Euro) bezogen.

Spar strebt Strafverfahren an
Zsuzsa Laber erinnerte weiter daran, dass Spar bereits unmittelbar nach Bekanntwerden des Lebensmittelskandals und noch vor Anordnung der Fachbehörde alle Produkte der M.E.G.A Trade aus den Regalen genommen und die Lieferungen dieser Firmengruppe sofort eingestellt hätte. Unabhängig von dem Ausgang des Falles werde die Leitung von Spar "ein Strafverfahren gegen den Lieferanten anstrengen". Zugleich erwarte Spar von den ungarischen Behörden "schnelle Maßnahmen und korrekte Informationen". Man werde alles unternehmen, um ausschließlich Qualitätsware in den Geschäften zu haben.

Auch Milchprodukte und Fleisch betroffen
Der Skandal war in der ersten Dezemberwoche nach Kontrollen durch die Lebensmittelbehörden aufgeflogen. Dabei war ein Lager des Unternehmens in Törökbalint bei Budapest überprüft worden. Dort hatte es offenbar sogar eine Druckmaschine für die neuen Etiketten gegeben. Scheinbar war vor allem mit abgelaufenen Milchprodukten, Süßigkeiten, Müsli, Marmelade, Brot, tief gefrorenem Rindfleisch und Eiern gehandelt worden.

Wiederholungstäter
Laut dem Staatssekretär im ungarischen Agrarministerium, Fülöp Benedek, hatten Kontrolleure bereits im März und Mai dieses Jahres in Lagerhallen der Firmengruppe M.E.G.A Trade verfallene Lebensmittel entdeckt. Die Behörde verhängte eine Strafe von insgesamt 90,2 Millionen Forint (352.289 Euro), die bisher nicht von entrichtet wurde.

Gemäß der Tageszeitung sei weiters auffällig, dass die betroffenen Lebensmittelketten die Warenlieferungen von M.E.G.A. Trade direkt oder mit geringer Verzögerung bezahlten. Der ungarische Chefveterinär Miklos Süth forderte, anstelle einer Erhöhung der Strafen müsste in Zukunft eher die "persönliche Verantwortung" der Akteure belegt werden. Denn mangels einer persönlichen Verantwortung würden die mit einer Geldstrafe belegten Unternehmen meistens die Zahlung umgehen.

Keine Lieferungen nach Österreich
Vorerst gab es in Österreich offenbar keine Hinweise auf Lieferungen von M.E.G.A. Trade in die Alpenrepublik. "Das Unternehmen hat neben einer Reihe anderer namhafter Handelsketten auch dm-Ungarn beliefert. Es handelte sich vor allem um Cerealien wie Müsli und Marmelade. dm-Ungarn hat hat die Waren umgehend aus den Regalen genommen. Die Kunden sollen für den entstandenen Schaden entschädigt werden", sagte Stefan Ornig, Pressesprecher von dm in Österreich. Auch bei Spar sprach man von einer Angelegenheit, die ausschließlich das Tochterunternehmen Spar Magyarorszag Kft. betreffe.

Im Justizministerium in Wien ist bisher jedenfalls kein Rechtshilfeersuchen der ungarischen Justiz eingetroffen. Dafür sei es wahrscheinlich noch viel zu früh, weil die Ermittlungen bezüglich des österreichischen Miteigentümers des Handelsunternehmens offenbar erst laufen würden, hieß es dort. (apa/red)