Manipulation der Geisel-Fotos vermutet: Proportionen & Hintergrund nicht stimmig

Fotomontage um Aufenthaltsort zu verschleiern? Honorarkonsul Klein hofft auf Freilassung bis Ostern

Manipulation der Geisel-Fotos vermutet: Proportionen & Hintergrund nicht stimmig © Bild: APA/Neumayr

Jene Bilder, die die beiden österreichischen Geiseln in den Händen der "Al-Kaida im islamischen Maghreb" zeigen, könnten manipuliert sein. Verändert wurde laut einem malischen Foto-Experten nämlich nicht nur das Gesicht der Salzburgerin Andrea Kloiber, das mit einem Spinnennetz unkenntlich gemacht wurde. "Da ist zwar eindeutig Mali im Hintergrund, aber man sieht deutlich, dass es Abrisskanten bei den beiden Österreichern gibt", zitiert eine österreichische Tageszeitung den Mann. "Die Proportionen passen nicht und auch der Hintergrund auf den anderen Bildern passt nicht zu diesem Bild."

Die Fotos, die um die Welt gingen, hatte das Washingtoner SITE-Institut gemeinsam mit der Forderung der mutmaßlichen Entführer am 13. März im Internet veröffentlicht. SITE ist auf die Überwachung von islamistischen Internetseiten spezialisiert. Der Mann und die Frau würden freikommen, wenn alle in Tunesien und Algerien inhaftierten Mitglieder der Al-Kaida im islamischen Maghreb freigelassen würden, hieß es in der Erklärung. Eine Fotomontage könnte gemacht worden sein, um den Aufenthaltsort der Geiselnehmer zu verschleiern, spekuliert der "Kurier".

"Chefsache"
Im westafrikanischen Staat Mali ist die Geiselnahme zur "Chefsache"erkärt worden. "Der Präsident der Republik hat die Angelegenheit der österreichischen Geiseln zur Chefsache gemacht", erklärte der österreichische Sonderbeauftragte Anton Prohaska gegenüber des ZiB des ORF-Fernsehens aus Bamako. Dort koordiniert der Spitzendiplomat die Aktivitäten des Krisenstabes im Wiener Außenministerium mit den lokalen Behörden und weiteren Vermittlern, um eine Freilassung der Geiseln zu erreichen.

Die Geiselnehmer, die sich "Al-Kaida im islamischen Maghreb" nennen, bewegen sich laut Angaben der malischen Armee zwischen Kidal im Nordosten Malis und der Grenze zu Algerien. In derselben Region dürfte es erneut zu Auseinandersetzungen zwischen der Armee und Tuareg-Rebellen gekommen sein. Die Nachrichtenagentur Reuters beruft sich auf einen anonym bleiben wollenden Offizier, der von einem Schusswechsel und zumindest vier verletzten malischen Soldaten sprach.

Freilassung bis Ostern
Der österreichische Honorarkonsul in Mali, Peter Klein, hofft auf eine Freilassung der beiden Salzburger Sahara-Geiseln noch vor Ostern. Er habe ein "sehr gutes Gefühl", sagte Klein in einem Radio-Interview. "Wir hoffen alle, dass jeder noch vor Ostern seinen verdienten Osterurlaub antreten kann." Im TV relativierte Klein jedoch, dass sich seine Aussagen nicht auf Verhandlungsergebnisse bezögen, sondern nur auf sein persönliches "Bauchgefühl". Klein: "Konkrete Ergebnisse sind mir nicht bekannt."

"Gefühlsmäßig kommt heute oder morgen etwas in Bewegung", sagte der Honorarkonsul im Ö1-Mittagsjournal weiter. Konkret erwarte er sich ein Lebenszeichen von den Geiseln, etwa einen Anruf oder ein Paket. "Ich glaube fest daran, dass diese Sache gut abläuft und dass wir die Geiseln gesund herausbekommen."

Außenamtssprecher besorgt
Die algerische Tageszeitung "Annahar" veröffentlichte indes ein Interview mit Außenamtssprecher Peter Launsky-Tieffenthal, in dem sich dieser besorgt über Bewegungen des algerischen und tunesischen Militärs in der Region zeigte. Diese Bewegungen könnten die Verhandlungen gefährden, wurde Launsky-Tieffenthal zitiert.

Man habe die tunesischen, malischen und algerischen Militärs von Anfang an gebeten, nicht zu intervenieren, so Launsky-Tieffenthal, der zunächst für keine Stellungnahme gegenüber der APA erreichbar war. So seien auch die österreichischen Kontakte bisher ausschließlich über die Geheimdienste und nicht über die Militärs gelaufen. Die algerischen Behörden hätten von einer "Routineaktion" gesprochen. Laut Ö1 könnten aber die Entführer, deren Vertrauen man nun gewonnen habe, diese militärischen Bewegungen falsch verstehen. Die Entführer hatten mehrmals vor einer Militäraktion zur Befreiung der beiden Salzburger Touristen gewarnt. (apa/red)