"Manifest gegen Gewalt an Schulen": Jeder zehnte Schüler von Gewalt direkt betroffen

Schülerunion fordert jetzt vehement "keine Toleranz" Molterer:"Thema Gewalt wurde zu lang verschwiegen"

 "Manifest gegen Gewalt an Schulen": Jeder zehnte Schüler von Gewalt direkt betroffen

Mit einem "Manifest gegen Gewalt an Schulen" will die Schülerunion "die Schule zu einem gewaltfreien Ort machen". Das erklärte die Bundesobfrau der ÖVP-nahen Schülerorganisation, Martina Kaufmann, bei einer Pressekonferenz in Wien, bei der neben ihr als Schülerin auch Eltern- und Lehrer-Vertreter dieses Manifest unterzeichneten. Als prominenter Unterstützer der Aktion stellte sich Vizekanzler und VP-Chef Wilhelm Molterer ein, der rechnet, dass die Initiative "Wellen schlägt und alle Schulen in Österreich erfasst".

Jeder zehnte Schüler sei im vergangenen Jahr von Gewalt direkt betroffen gewesen, entweder als ausübender oder als Opfer, betonte Kaufmann im Gymnasium Marchettigasse im Bezirk Mariahilf und kritisierte, dass dies ein Thema sei, an dem alle "darüber hinwegschauen". Doch "Leben und Lernen an der Schule können nur gelingen, wenn Angst, physische und psychische Gewalt keinen Platz haben", heißt es im "Manifest". Darin sprechen sich die Unterzeichner u. a. dafür aus, dass es "bei Gewalt an der Schule keine Toleranz geben darf" und "Lehrern die Möglichkeit gegeben wird, bei Gewalt an der Schule eingreifen zu können". In ihrer begleitenden Kampagne "Blauäugig" fordert die Schülerunion deshalb u.a. Schulsozialarbeiter, Klassen- und Einzel-Coaching, Mediationsangebote und verbesserte Lehrerfortbildung.

Molterer: Thema Gewalt wurde zu lange verschwiegen
Molterer verwies auf aktuelle Umfragen (Bildungsmonitoring 2007), wonach die Schule vor allem bei der Aufklärung über Suchtmittel und Drogen sowie bei Maßnahmen gegen Gewalt zwischen Schulkindern mehr tun sollte. "Es ist erschütternd, dass das Thema Gewalt so lange verschwiegen wurde", sagte der VP-Chef, der von einem "Hilfeschrei" sprach. So forderte er, so wie mehr als 80 Prozent der Eltern in einer anderen Umfrage, den Lehrern mehr Möglichkeiten zur Verfügung zu stellen, um mit dem Thema Gewalt umzugehen. Dabei gehe es nicht um das "Rohrstaberl" oder Sanktionen, sondern "welche Hilfe gegeben wird", etwa psychologische Hilfe oder Mediation, so Molterer, der auch eine bessere pädagogische Ausbildung der Lehrer forderte.

"Jede Initiative ist zu begrüßen", meinte Molterer zu der Präsentation einer "Strategie zum Thema Gewaltprävention an der Schule" von Unterrichtsministerin Claudia Schmied und der Bildungspsychologin Christiane Spiel. Er hofft, dass man bei diesem Thema "möglichst viele Nachahmer findet".

Seitens der Eltern hat Maria Smahel vom Katholischen Familienverband das "Manifest" unterzeichnet, seitens der Lehrer Eckehard Quin vom Gymnasium Perchtoldsdorf. Molterer wollte unter Hinweis darauf, dass dies eine Initiative der Schulpartner sei, das Papier nicht unterzeichnen.

(apa/red)