Mangelnde Diagnose bei Asthma-Kindern: Ärzte greifen immer noch viel zu selten ein

Babys zum Teil schon im Bauch der Mutter geschädigt Rauchen der Eltern größter vermeidbarer Risikofaktor

Mangelnde Diagnose bei Asthma-Kindern: Ärzte greifen immer noch viel zu selten ein

Zum Teil werden sie schon im Bauch der Mutter durch deren Rauchen geschädigt. Im Kindesalter schildern dann die Eltern typische Symptome. Doch eine Diagnose der Asthma-Krankheit fehlt. Und selbst wenn das erfolgt - Symptome und Krankheit bleiben in zwei Drittel der Fälle mangelhaft kontrolliert. "Insgesamt ist das eine völlig inakzeptable Situation", warnt der Grazer Spezialist Maximilian Zach.

"Asthma bronchiale ist der klinische Ausdruck einer chronischen Entzündung der Bronchialschleimhaut. Bei der hohen Qualität der Therapie-Leitlinien und der Verfügbarkeit der entsprechenden Medikamente müsste die Kontrolle von Asthma im Kindes- und Jugendalter ausgezeichnet sein", sagte der Fachmann.

Stärkerer Handlungsbedarf
Das Gegenteil ist offenbar der Fall: Etwa zehn Prozent der Eltern von Kindern berichteten in Österreich in riesigen internationalen Studien von Asthma-typischen Symptomen des Nachwuchses. Doch nur bei fünf Prozent der Kinder gibt es dazu eine ärztliche Diagnose. Auch "Verniedlichungs-Diagnosen" werden von den Ärzten angegeben, was die optimale Therapie erst recht verhindert.

Doch selbst wenn eine Diagnose gestellt worden ist, muss die Behandlung - zum überwiegenden Teil tägliche Kontrolle der Atemfunktion, inhalatives Cortison, vor allem im Bedarfsfall bronchienerweiternde Substanzen zum Inhalieren - nicht optimal sein. Zach: "In einer riesigen Studie mit 33.501 Kindern in den USA waren 68 Prozent der Kinder im Alltag eingeschränkt. 62 Prozent hatten pro Woche zumindest zwei Tage mit Symptomen." In der Schweiz zeigte sich, dass zwischen 20 und 30 Prozent der Asthma-Kinder schlecht eingestellt waren, insgesamt rund 50 Prozent schlecht oder nicht zufriedenstellend.

Ärzte-Nachschulung zeigt positive Folgen
Wurden Kinderarzt-Praxen in der Betreuung von Kindern mit Asthma nachgeschult, stieg die Rate der Verwendung der antientzündlichen Medikamente (Cortison-Sprays) um 47 Prozent. Gleichzeitig verringerte sich die Zahl der Besuche von Notfallambulanzen in Spitälern um 91 Prozent. An der Grazer Kinderklinik zeigte sich zwischen 1991 und 2007 ein Rückgang der Asthma-Notfälle bei Kindern von jährlich rund 250 auf jährlich 150. Zach: "Wenn das System funktioniert, ist eine gute Asthma-Kontrolle bei Kindern durchaus möglich."

Vermeidbar allerdings wären Risikofaktoren von der Schwangerschaft an. Hier ist das Rauchen der Eltern das größte Problem. Der Wiener Umwelthygieniker Manfred Neuberger: "Das kleinste Raucherzimmer ist der Uterus." Rauchen der Mutter vor der Geburt hat einen Anteil an niedrigeren Lungenfunktionswerten des Kindes von bis 40 Prozent. Passivrauchen nach der Geburt einen Anteil von bis 27 Prozent. Eine Untersuchung Neubergers in Linz hat ergeben, dass noch immer 18 Prozent der Schwangeren zur Zigarette greifen und 63 Prozent der Kinder zu Hause als Passivraucher aufwachsen. (apa/red)