Manfred Mautner Markhof tot: Prominenter Industrieller verstarb im 81. Lebensjahr

Trauer um einen der letzten "Bierbarone" des Landes Mautner Markhof lange für ÖVP als Politiker im Einsatz

Manfred Mautner Markhof tot: Prominenter Industrieller verstarb im 81. Lebensjahr © Bild: APA/KS

Manfred Mautner Markhof ist tot. Der Industrielle und langjährige ÖVP-Politiker ist im 81. Lebensjahr an den Folgen einer längeren Erkrankung verstorben. Mautner Markhof war prominentes Mitglied der prominenten österreichischen Industriellenfamilie und einer der letzten "Bierbarone" des Landes.

Der am 6. Februar 1927 geborene Unternehmer und spätere ÖVP-Politiker trat 1949 in die Brauerei Schwechat ein, 1957 rückte er in den Vorstand auf, 1972 wurde er Vorstandschef. Bis zum Vorjahr war er noch Aufsichtsratschef bei Henkel, zuletzt noch Aufsichtsrat der Mautner Markhof AG. Den Großteil ihrer Feinkostaktivitäten (Essig, Senf) hat die Familie vor knapp sechs Jahren verkauft, aus dem Biergeschäft verabschiedete sie sich mit dem Verkauf der Brau Union an Heineken.

Mautner Markhof war auch wirtschaftspolitisch tätig. Unter anderem bekleidete er leitende Funktionen im Wirtschaftsbund, in der Industriellenvereinigung (Präsident der Wiener Landesgruppe von 1980 bis 1989) und in der Wirtschaftskammer Österreich (Vizepräsident). Von 1983 bis 1999 war er VP-Bundesrat.

Mit Manfred Mautner Markhof ("MMM") beklagen zu Jahresbeginn 2008 gleich zwei bekannte österreichische Unternehmerfamilien den Verlust ihrer einstigen Oberhäupter. Einen Tag zuvor hatte die Familie Meinl den Tod von Julius Meinl IV. im 78. Lebensjahr bekannt gegeben.

Schüssel: "Großer Europäer"
Eine der ersten Kondolenznachrichten für Manfred Mautner Markhof Senior kam von seinem langjährigen politischen Weggefährten Wolfgang Schüssel. Der Ex-Bundeskanzler und ÖVP-Klubobmann würdigte den verstorbenen Industriellen als "großen Europäer".

Der langjährige Unternehmer und Interessenspolitiker habe sich stets für eine friedliche Einigung Europas eingesetzt und "dabei nie die Interessen und die Stärkung der mittelgroßen europäischen Länder aus den Augen verloren". Schüssel äußerte sich über den Tod Mautner Markhofs tief betroffen. Mautner Markhofs Ableben sei "ein großer Verlust für unsere Heimat".

"Manfred Mautner Markhof hat als einer der ersten den neuen Weg Österreichs in einem größeren Europa beschritten", sagte Schüssel. Sein Anliegen sei es auch gewesen, Österreich als Drehscheibe Richtung Mittel- und Osteuropa auszubauen. "Österreich verdankt ihm außerordentlich viel", unterstrich Schüssel Mautner Markhofs jahrzehntelanges Engagement in Wirtschaft, Kultur, Wissenschaft und Politik.

Mautner Markhof galt, wie etliche seiner Verwandten aus dem Clan, als "Sir" altösterreichischer Manier und er war eine herausragende Erscheinung auch im Wiener Gesellschaftsleben. Kaum ein anderer im Land kam auf so viele nationale und internationale Orden und Auszeichnungen. Er war auch ein ausgewiesener Opernfan. Privat frönte er zudem dem Reitsport. Als 20-Jähriger war der Spross der seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien-Simmering ansässigen Unternehmerdynastie übrigens der erste österreichische Austausch-Student in den USA gewesen. Für die Wirtschaftsverbindungen Österreich-USA machte er sich auch in den Folgejahrzehnten stark. Als Gründer des WWF in Österreich setzte er sich für Naturschutzprojekte ein, unter anderem seinerzeit auch gegen das geplante Kraftwerk Hainburg.

Manfred Mautner Markhof war seit 1951 mit Margherita Mautner Markhof, geborene Gräfin Cassis-Faraone, verheiratet. Ihrer Ehe entspross auch das jetzige Oberhaupt dieser Linie der MM-Dynastie, der langjährige Banker Manfred Leo Mautner Markhof.

(apa/red)