Manchester Uniteds Höhenflug am Boden zerschellt: 50 Jahre nach "Munich Air Crash"

Halbe Mannschaft bei Flugzeugabsturz umgekommen "Hebt ManU von entseelten Titelfressmaschinen ab"

Manchester Uniteds Höhenflug am Boden zerschellt: 50 Jahre nach "Munich Air Crash"

Es jährt sich der "Munich Air Crash", bei dem auch acht Spieler von Manchester United tragisch ums Leben kamen, zum 50. Mal. Am 6. Februar 1958 raste auf dem Flughafen München-Riem im dichten Schneetreiben eine Propellermaschine der Fluggesellschaft British European Airlines bei ihrem dritten Startversuch in einen Maschendrahtzaun am Ende der Rollbahn, prallte gegen mehrere Bäume und ein Gebäude, zerbrach und fing Feuer. 23 Menschen fanden den Tod, darunter acht Spieler von ManU, einer der hoffnungsvollsten Mannschaften der damaligen Zeit, der man zutraute, die damalige Vorherrschaft von Real Madrid zu brechen.

Die "Busby Babes", wie die Mannschaft von Trainer Matt Busby wegen ihrer vielen jungen Spieler genannt wurde, befanden sich auf dem Rückflug aus Belgrad, wo sie mit einem 3:3 gegen das Team von Roter Stern das Halbfinale des Europapokals erreichte. In München war lediglich ein Tankstopp geplant, der wegen des Schneefalls ohnehin schon länger als geplant ausgefallen war. Zwei Startversuche scheiterten, der dritte hätte niemals gewagt werden dürfen. Doch der enge Terminplan der englischen Liga duldete keinen Aufschub.

Sieben Spieler starben noch am Unfallort: Eddie Colman, Tommy Taylor, Roger Byrne, David Pegg, Liam Whelan, Geoff Bent und Mark Jones. Um das Leben des 21-jährigen Duncan Edwards, der nach Ansicht vieler Experten vor einer Weltkarriere stand, kämpften die Ärzte in München 15 Tage lang vergeblich. "Ich bin überzeugt, dass er der beste Spieler gewesen ist, den ich je gesehen habe. Ich war nie so gut wie er", urteilte Bobby Charlton. Die anderen Opfer waren acht Journalisten, drei Vereinsfunktionäre, zwei Besatzungsmitglieder und zwei weitere Passagiere.

Über die Unfallursache wurde lange gestritten. Deutsche Ermittler machten zunächst vereiste Tragflächen verantwortlich, eine spätere Untersuchung sah dagegen den Schnee auf der Rollbahn als Grund dafür, dass die Maschine nicht in die Luft kam.

Dankbarkeit gegenüber Deutschen
Der Absturz war mehr als eine Tragödie für die Angehörigen der Opfer. So sorgte knapp 13 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs die medizinische Versorgung auf höchstem Niveau und die menschlichen Zuwendungen, die die Überlebenden in München erhielten, für eine Welle tiefempfundener Dankbarkeit in England gegenüber dem ehemaligen Kriegsfeind. Nicht zuletzt war der "Munich Air Crash" aber auch der Beginn einer Legende, die Manchester United noch heute von anderen europäischen Spitzenvereinen abhebt.

Coach Busby, der zweimal im Krankenhaus die Letzte Ölung erhalten hatte, erholte sich. Er baute ein neues Team um den jungen Bobby Charlton auf, der den Absturz von München als einer der wenigen Spieler überlebte. 1960 gewann man den FA Cup, 1965 und 1967 die Meisterschaft. Am 29. Mai 1968 schließlich - unter der Führung von Charlton und mit den Superstars George Best und Denis Law - gewann Manchester im Wembley-Stadion mit einem 4:1-Sieg nach Verlängerung über Benfica Lissabon den Europacup der Landesmeister.

Zehn Jahre nach dem Absturz gewann das Team damit den höchsten europäischen Titel, ein Sieg, der zur Eroberung des "Heiligen Grals" überhöht wurde, um den Münchner Opfern nachträglich so etwas wie einen tieferen Sinn abzuringen. Die Dekade zwischen Absturz und Triumph "ist das Kern- und Filetstück der Vereinschronik, sie ist das, was Manchester United für immer von entseelten Titelfressmaschinen abheben wird", wie das Fußballmagazin "11 Freunde" schreibt.

Gedenkminute und -gottesdienst
Zum 50. Jahrestag des Unglücks gab es im Stadion Old Trafford in Manchester einen Gedenkgottesdienst, an dem die aktuelle Mannschaft des Traditionsvereins, die vier heute noch lebenden Exspieler, die dem Inferno von München entkamen, sowie Angehörige der Opfer teilgenommen haben.

"Die Menschen vergessen nie, was mit den Busby Babes passierte, sie würdigen es und zollen Anerkennung", sagte Ryan Giggs, seit mehr als 17 Jahren als Mittelfeldspieler in Diensten von ManU. "Das ist etwas, worauf Manchester United immer stolz war - auf die Geschichte und das Weitertragen des Vermächtnisses. Du stehst niemals still. Es geht immer vorwärts." (apa/red)

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