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"Mama" ist böse

Mutter, Mythen, Motten: Grusel-Movie als konventioneller Horror mit missratener Titelfigur

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    Mama

    Fünf Jahre im Wald in Gesellschaft eines Geistes haben Victoria schwer zugesetzt.

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    Mama

    Auch ihre kleine Schwester Lilly findet schwer in das normale Leben zurück.

Manchmal können 3 Minuten Film zum Sprungbrett nach Hollywood werden. Star-Regisseur Guillermo del Toro war von dem spanischen Kurzfilm "Mamá" derart fasziniert, dass er zusammen mit Regisseur Andres Muschietti eine abendfüllende Version produzierte. "Mama" überzeugt durch seine gruselige Atmosphäre, verliert nach einem vielversprechenden Anfang jedoch an Spannung und verläuft sich in Ungereimtheiten.

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Ein gestresster Vater sieht rot und läuft Amok. Im Anschluss entführt er seine beiden kleinen Töchter, verschleppt sie in eine verlassene Hütte im Wald und kommt vor Ort auf mysteriöse Weise ums Leben. 5 Jahre später werden die Mädchen in der Hütte gefunden, verwarlost, unterernährt und schwerst traumatisiert. Vor allem die kleine Lilly ist verhaltensgestört, kann nicht sprechen und bewegt sich wie ein Tier auf allen Vieren. Schon bald stellt sich heraus, dass die beiden über die Jahre Gesellschaft hatten: Mama.

Who's your mama?

Lucas (Nikolaj Coster-Waldau, bekannt aus Game of Thrones), der besorgte Onkel der Mädchen, bekommt das Sorgerecht zugesprochen. Seiner Freundin Annabel (Jessica Chastain) mangelt es zwar an Muttergefühlen, dennoch gewöhnt sie sich mit der Zeit an ihre neue Rolle. Während die Kinder sich in ihrem neuen Zuhause langsam einleben, wird dem Zuschauer klar, dass Mama kein Fantasie-Produkt ist, sondern mit den Kindern mit eingezogen ist - und eindeutig nicht von dieser Welt stammt. Bis zu diesem Punkt kann der Film eine gute Grundspannung aufbauen. Klassische Schockmomente, wie flackernde Lampen, schlagende Türen und unheimliche Geräusche sorgen, da gut dosiert, für eine gruselige Atmosphäre. Die Präsenz von Mama wird geschickt angedeutet, ohne zuviel zu zeigen. Im Gegensatz zum grafischen Folter-Horror, der das Genre im letzten Jahrzehnt dominiert hat, ist diese Geistergeschichte durchaus auch einem jüngeren Publikum zumutbar.

Löcher an der Wand und in der Story

In der zweiten Hälfte lässt der Film inhaltlich aber leider stark nach. Während der Psychologe der Mädchen und auch Annabel langsam hinter das Geheimnis kommen, überschlagen sich die Ereignisse, oft ins Unglaubwürdige und Absurde. Plötzlich bilden sich dunkle Flecken an den Wänden und Löcher, aus denen Motten schlüpfen. Lucas muss nach einer Attacke ins Krankenhaus, hat dort eine wegweisene Vision und Annabel durchlebt Mamas tragische Geschichte in einem Alptraum, während der Psychologe bei seiner Recherche nachts in der Hütte im Wald auf eine übel gelaunte Mama trifft, die offensichtlich nach Belieben ihren Aufenthaltsort ändern kann. Je näher sich Annabel und die Mädchen kommen, desto eifersüchtiger wird Mama - und nimmt auch für den Zuschauer immer deutlicher an Gestalt an. Leider. Denn die Titelfigur ist ein einziger Special Effect, der vor allem in Großaufnahmen deutlich als solcher erkennbar ist, sogar noch lächerlicher wirkt als im Kurzfilm.

Auflösung und Erlösung

Nach einigen Längen und Ungereimtheiten findet der Film nach 100 Minuten dann allerdings doch noch ein halbwegs zufriedenstellendes Ende. Der Showdown überzeugt durch eine unerwartete Wendung und löst das Rätsel um Mama endgültig auf. Die Stärken des Films sind eindeutig seine handwerklich solide Umsetzung und die überzeugenden Darsteller. Die beiden Mädchen spielen ihre emotionale Entwicklung glaubhaft und das Chamäleon Jessica Chastain verwandelt sich von der Bass spielenden Rockerbraut in eine besorgte Ersatzmutter. Schade, dass da die Computer-Mama nicht mithalten kann.

Der Kurzfilm von 2008, auf dem "Mama" basiert.

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