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Vermisstes Flugzeug: Erneut
Wrackteile gesichtet

Schiffe für genauere Überprüfung am Weg. Ominöse Passagiere waren Iraner.

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    Schüler haben sich hier in China zusammengefunden um für die Passagiere des Fluges MH 370 zu beten.

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    Satellitenbilder zeigen die neu entdeckten 122 Wrackteile im südlichen indischen Ozean

Auch an Tag vier nach dem mysteriösen Verschwinden eines malaysischen Passagierflugzeugs vor Vietnam sind die Experten in ihren Ermittlungen bisher nicht vorangekommen. Vor der Küste von Vietnam wurde erneut etwas im Wasser gesichtet, was zu der Maschine gehören könnte, wie Medien berichteten. Schiffe waren am Dienstag auf dem Weg, um dies zu prüfen.

Gleichzeitig gibt es neue Hinweise darauf, dass die Maschine möglicherweise über die Straße von Malakka geflogen sein könnte. Radarbilder zeigten, dass das Flugzeug seinen Kurs geändert habe und niedriger geflogen sei, sagte ein Vertreter des malaysischen Militärs am Dienstag der Nachrichtenagentur Reuters.

Die viel befahrene Schifffahrtsstraße liegt westlich der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur in entgegengesetzter Richtung der Flugroute nach Peking. Die Fluggesellschaft Malaysia Airlines hatte dagegen am Samstag erklärt, die Maschine habe zuletzt vor der Stadt Kota Bharu an der Ostküste Malaysias Kontakt mit der zivilen Luftüberwachung gehabt.

Sollte das Flugzeug über der Straße von Malakka auf dem Radar aufgetaucht sein, spräche das für die These, dass die Piloten umgekehrt sind. Die Boeing 777-200ER war am Samstag von den Radarschirmen verschwunden. Das Flugzeug war mit 239 Menschen an Bord auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking. Die Suche nach Trümmern konzentriert sich bisher auf die Ostküste Malaysias und das dort beginnende Seegebiet.

China setzt für die Suche nun auch Satelliten ein. Wie die Zeitung der chinesischen Volksbefreiungsarmee am Dienstag berichtete, wurden zehn Satelliten neu ausgerichtet, um die Suchaktion nach der Boeing zu unterstützen. Sie sollen demnach für Navigation und Kommunikation genutzt werden und Wetterdaten liefern.

Iraner mit gestohlenen Pässen an Bord

Unterdessen hat die malaysische Polizei einen der verdächtigen Passagiere an Bord der verschwundenen Unglücksmaschine von Malaysia Airlines als 19-jährigen Iraner identifiziert. "Wir glauben nicht, dass er zu irgendeiner Terrorgruppe gehörte", sagte Polizeichef Khalid Abu Bakar. "Wir glauben, dass er nach Deutschland auswandern wollte."

Ein Iraner namens Ali hatte das Ticket für den 19-Jährigen in Pattaya in Thailand gebucht, wie die Polizei dort berichtete. Das Ticket war für einen Flug von Kuala Lumpur über Peking und Amsterdam nach Frankfurt/Main gebucht. Der Iraner buchte dort ein zweites Ticket für einen Mann über Peking und Amsterdam nach Kopenhagen. Er wurde nach Angaben des Polizeichefs noch nicht identifiziert.

"Mann namens Ali"

"Die Flugtickets wurden von einem Mann namens Ali gebucht, der aus dem Iran anrief", sagte Pattayas Polizeichef Supachai Phuikaewkhum. "Es ist uns bisher nicht gelungen, die Nummer herauszufinden." Eine nicht registrierte Agentur namens "Grand Horizon" habe den Auftrag entgegengenommen, eine zweite Agentur, "Six Stars Travel", habe die Buchung dann durchgeführt. Die Tickets seien von einem weiteren Iraner, der in Pattaya ansässig ist, bar bezahlt worden. "Wir haben diesen Mann befragt, aber wir haben nichts Verdächtiges herausgefunden", sagte Supachai.

Thailändische Medien berichteten unter Berufung auf "Grand Horizon", "Ali" sei ein Stammkunde. Er habe zunächst Plätze auf Etihad oder Qatar Airlines buchen wollen. Er habe dann China Southern gebucht, weil die Tickets billiger waren. China Southern bot den Unglücksflug im Codesharing mit Malaysia Airlines an.

Die Behörden seien dabei, jeden einzelnen Passagier an Bord zu überprüfen, sagte der Polizeichef. Es gehe etwa darum, ob jemand eine hohe Lebensversicherung abgeschlossen oder große Schulden gehabt habe. Auch eine Entführung der Boeing oder Sabotage werde nicht ausgeschlossen. "Wir prüfen jede mögliche Spur. Wir schließen keine Möglichkeiten aus", teilte Malaysia Airlines mit.

Mysteriöses Verschwinden

Die Maschine war am Samstag auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking ohne vorherigen Alarm, bei gutem Wetter und mit einem erfahrenen Piloten im Cockpit plötzlich von den Radarschirmen verschwunden. Alle Hinweise auf einen möglichen Absturzort erwiesen sich bisher als falsch, mehrere auf dem Wasser treibende Objekte waren letztlich keine Wrackteile. Daraufhin war am Montag das Suchgebiet nochmals ausgeweitet worden. Beteiligt sind Suchmannschaften aus neun Ländern, darunter Malaysia, China, Vietnam und die USA.

Die Boeing 777-200 war nach Angaben von Malaysia Airlines im Hangar in Kuala Lumpur zuletzt am 23. Februar gewartet worden. Mechaniker hätten keinerlei Probleme an der Maschine entdeckt. Der nächste Check sei erst am 19. Juni fällig gewesen. Die Maschine war 2002 ausgeliefert worden und hatte gut 53.000 Flugstunden hinter sich.

In Peking war der Ärger über die anhaltende Ratlosigkeit der malaysischen Behörden zuletzt gewachsen. Fast zwei Drittel der 227 Passagiere waren Chinesen.

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