Malaysia von

Vermisste Boeing 777:
Pilot ein politischer Fanatiker?

Rätsel um Flugkapitän, der seit einer Woche verschwundenen Maschine

Bei den Ermittlungen bei der in Südostasien vermissten Passagiermaschine stehen verstärkt die Crew und Passagiere im Fokus. Laut Daily Mail steht der Pilot in Verdacht ein politischer Fanatiker zu sein. Man spekuliert außerdem über eine mögliche "Cyber-Entführung" über ein Mobiltelefon. In China stieg unterdessen die Empörung über die malaysischen Behörden und ihre Bemühungen, das spurlose Verschwinden des Flugs MH370 vom 8. März aufzuklären.

Der 52-jährige Flugkapitän Zaharie Ahmad Shah soll Mitglied der Partei des malaysischen Oppositionsführers Anwar Ibrahim sein. Dieser wurde vor wenigen Tagen zu einer Freiheitsstrafe verurteilt. Laut einem Artikel der Daily Mail soll Shah ein "fanatischer" Anhänger Anwars gewesen sein, was der Sprecher der Partei gegenüber "The Star online" zurückwies. Im dazugehörigen Artikel erschien ein Foto des Piloten auf dem er ein T-Shirt mit der Aufschrift "Democracy is dead" ("Demokratie ist tot") trägt. Nun stellt sich die Frage, ob Zaharie Ahmad Shah die Boeing aus politischen Gründen entführt haben könnte.

Sowohl Sha als auch sein Co-Pilot Fariq Abdul Hamid waren seit Jahren bei Malaysia Airlines tätig. Shah absolvierte mehr als 18.000, Hamid erst 2800 Flugstunde. Shah ist verheiratet und hat drei erwachsene Kinder. Der Zeitung Sidney Morning Herald zufolge lebt er mit seiner Familie in einem wohlhabenden bewachten Wohnkomplex bei Kuala Lumpur.

Boeing 777
© REUTERS/Damir Sagolj

Flugsimulator des Piloten sicher gestellt

Die Ermittler durchsuchten die Häuser der beiden Piloten, außerdem wurden die Überprüfungen der 227 Passagiere des Flugs durch ihre Heimatländer erbeten. Im Haus des Piloten Zaharie Ahmad Shah hat die Polizei einen Flugsimulator sichergestellt, der nun untersucht wird. "Wir haben das Gerät in unseren Büros wieder aufgebaut und Experten untersuchen es jetzt", so der malaysische Polizeichef. Warum die Durchsuchung erst eine Woche nach dem Verschwinden des Flugzeugs stattfand, erklärte er nicht. Freunde von Pilot Zaharie Ahmad Shah sagten Lokalmedien, er habe den Simulator gehabt, um die Freude am Fliegen mit anderen zu teilen. Das Gerät war nicht versteckt: So ist es auf einem Youtube-Video zu sehen, in dem Shah sich als Heimwerker betätigt und Tipps zur Optimierung von Klimaanlagen gibt. Nachbarn und Freunde verteidigen den Kapitän gegenüber mehreren Medien vehement (Hier geht es zur Tribut-Seite des Piloten). Sie können sich nicht vorstellen, dass Shah die Maschine entführt hat.

Auch im Haus von Copilot Fariq Abdul Hamid waren Beamte auf Spurensuche. Die Polizei warnte aber davor, aus den Aktionen voreilige Schlüsse zu ziehen.

Spekulationen um verschollenes Flugzeug

Erste Cyber-Entführung?

Als Tatsache stellte der malaysische Premier Najib Razak am Samstag hin, dass die Ortungssysteme des Flugzeugs vorsätzlich manipuliert worden sind, bevor die Maschine auf ihrem Weg von Kuala Lumpur abgedreht ist. Damit liegt der Verdacht einer Entführung nahe - ob nun durch einen der Piloten, ein weiteres Besatzungsmitglied oder einen der Passagiere.

Eine britische Anti-Terror-Expertin befürchtet, dass Flug MH370 mit einem Handy entführt worden sein könnte: "Es könnte sehr wohl die erste Cyber-Entführung aller Zeiten sein", sagte Dr Sally Leivesley gegenüber dem "Sunday Express". Leivesley meint, die Entführer könnten mit Hilfe eines Handys die Sicherheitssoftware des Flugzeugs geknackt und manipuliert haben. Es wäre theoretisch möglich, mit Radiosignalen die Fluggeschwindigkeit, -höhe und -richtung der Maschine bestimmen zu können. Die Boeing hätte so gelandet oder zum Absturz gebracht werden können - per Fernbedienung. Auch ein USB-Stick würde sich Leivesley zufolge für eine solche Manipulation eignen. Wissenschaftler hätten dieses Thema vergangenes Jahr auf einer Konferenz bereits angesprochen.

Scharfe Kritik in China an Malaysia

In China stieg unterdessen die Empörung über die malaysischen Behörden und ihren Bemühungen, das spurlose Verschwinden des Flugs MH370 am 8. März aufzuklären. "Angesichts der heutigen Technologie riecht der Zeitverzug entweder nach Vernachlässigung von Pflichten oder einem Zögern, Informationen umfassend und rechtzeitig zu teilen. Das wäre unerträglich", schrieb die amtlichen Nachrichtenagentur Xinhua in einem Kommentar, den die Zeitungen am Montag verbreiteten.

Verkehrsminister Hussein wehrte sich später in Kuala Lumpur gegen Kritik. "Auch Malaysia vermisst Söhne und Töchter, 50 Malaysier waren an Bord", sagte er vor der Presse. "Aber es wäre unverantwortlich, Informationen herauszugeben, die nicht verifiziert sind." Unter den 239 Insassen an Bord der Maschine, die auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking verschwand, waren mehr als 150 Chinesen.

Chinas Ministerpräsident hat den malaysischen Premier auch am Telefon in die Pflicht genommen. Die Ermittler müssten umfassendere Details und verlässliche Daten bereitstellen, habe Li Keqiang seinem Amtskollegen Najib Razak aus Kuala Lumpur gesagt, berichteten die Abendnachrichten des Staatssenders CCTV am Montag.

Letzter Funkspruch doch vom Kopiloten?

Der letzte Funkspruch aus dem Cockpit der verschwundenen Malaysia Airlines-Maschine stammte nach neuesten Angaben wahrscheinlich nicht vom Piloten, sondern vom Kopiloten. Das berichtete Airline-Chef Ahmad Jauhari Yahya am Montag. Mit Sicherheit könnten die Experten aber bisher nicht sagen, wer ins Bordmikrofon sprach.

"Alright, good night" (etwa: Alles klar, gute Nacht), war der letzte Funkspruch von Flug MH370, sagte der Airline-Chef. Er ging um 01.19 Uhr Ortszeit, rund 40 Minuten nach dem Start, an die malaysische Bodenkontrolle. Die Kontrolleure hatten den Piloten kurz zuvor mitgeteilt, dass sie in Kürze vietnamesischen Luftraum erreichen würden. Das letzte Signal des Kommunikationssystems ACARS an Bord war um 01.07 Uhr abgesetzt worden. Es hätte eine halbe Stunde später das nächste Signal senden müssen, wurde den Ermittlungen zufolge aber zwischenzeitlich vorsätzlich abgestellt.

Suche in erheblich von den bisherigen Gebieten abweichenden Flugkorridoren

Unterdessen lief die Suche nach der Boeing 777-200 in den beiden Flugkorridoren an, die Ermittlern als mögliche Routen errechnet hatten. 26 Länder seien beteiligt, sagte der Verkehrsminister. Regierungschef Najib Razak habe persönlich mit seinen Amtskollegen in China und Australien gesprochen. Sämtliche Länder entlang der beiden Flugrouten seien ebenfalls kontaktiert worden

Spurlos verschwunden

Die Boeing war auf dem Weg von Kuala Lumpur nach Peking eine Stunde nach dem Start vom Radar der zivilen Luftfahrtbehörde verschwunden und ist seitdem spurlos verschwunden. Die malaysische Polizei ermittelt wegen Entführung, Sabotage und Terroranschlägen. Sie geht davon aus, dass jemand an Bord absichtlich die Kommunikationssysteme abstellte. Das Flugzeug flog nach den Ermittlungen noch stundenlang weiter.

Kommentare