Magna steigt bei Wiener Neustadt aus:
Zukunft der Profi-Sparte ungewisser denn je

Frank Stronach bleibt als Privatsponsor erhalten "Keine Vereinsauflösung, keine Lizenzweitergabe"

Magna steigt bei Wiener Neustadt aus:
Zukunft der Profi-Sparte ungewisser denn je © Bild: Reuters/Niesner

Die Zukunft des niederösterreichischen Bundesliga-Clubs SC Magna Wiener Neustadt ist seit Dienstagnachmittag ungewisser denn je. Hauptsponsor Magna erfüllt zwar diese Saison alle bestehenden Verträge, steigt aber mit Saisonende fix aus. Hoffnung gibt den Niederösterreichern, dass Frank Stronach dem Club als Privatsponsor erhalten bleiben möchte. "Stronach gibt nach wie vor Geld her, aber nicht in dem Ausmaß wie bisher", sagte Wiener Neustadts Bürgermeister Bernhard Müller der APA nach einem Treffen mit Stronach in Oberwaltersdorf.

Demnach bleibe der seit Montag 78-Jährige dem Verein auch als Präsident erhalten. Wie genau und in welchem Umfang das weitere Sponsoring aussehen wird, steht noch in den Sternen. Genaues war auch aus einer Aussendung von Stronach nicht herauszulesen.

"Ich möchte, dass der Fußball in Wiener Neustadt erhalten bleibt und werde, sofern dies gewünscht ist, im Jugendbereich weiter als Partner zur Verfügung stehen. Für den Profibereich wird es aber notwendig sein, dass auch andere Personen und Institutionen Verantwortung übernehmen", hieß es darin.

Auch die Wiener Neustädter tappten diesbezüglich noch im Dunkeln. "Wir werden jetzt einmal alle Beteiligten informieren, sind in Gesprächen und werden dann weiterschauen", sagte Team-Manager Alex Gruber.

Um Verbleib in der Bundesliga kämpfen
Die Niederösterreicher wollen jedenfalls nach Aussage vom Bürgermeister um einen Verbleib in der Bundesliga kämpfen. "Der Club wird um eine Lizenz ansuchen", kündigte der 37-jährige Ortschef an. Laut Gruber hänge dies vor allem von der Höhe der finanziellen Unterstützung Stronachs ab. "Da kann man nur abwarten", sagte der Wiener-Neustadt-Manager.

Durch die geringeren finanziellen Mittel soll die ohnehin schon junge Mannschaft noch weiter einer Verjüngungskur unterzogen werden. "Ziel ist es, sich mit hungrigen, jungen Spielern in der Bundesliga zu etablieren. Sollte dies nicht klappen, muss es das Ziel sein, zumindest in der Ersten Liga zu bleiben, um dem blau-weißen Nachwuchs eine sportliche Perspektive zu geben", hieß es in einer Aussendung der Stadt Wiener Neustadt.

Lizenz wird nicht weitergegeben
Ein Lizenztransfer, der innerhalb von Niederösterreich von Wiener Neustadt etwa zu den Erstligisten St. Pölten oder Admira theoretisch möglich wäre, ist kein Thema. "Alle Gerüchte um eine allfällige Lizenzweitergabe sind vom Tisch", betonte Müller.

Die Niederösterreicher haben nun bis März 2011 Zeit, um potente Sponsoren zu finden, da müssen die Lizenzunterlagen abgegeben werden. Gefordert ist nun neben Gruber vor allem der geschäftsführende Vizepräsident Manfred Rottensteiner, beide haben den Auftrag, den Verein bis Sommer in finanzieller und personeller Hinsicht auf eine breitere Basis zu stellen. Zuletzt kolportiert wurde immer wieder eine mögliche Rückkehr des ehemaligen Vizepräsidenten Peter Svetits. Das konnte Gruber aber weder bestätigen noch dementieren.

Kein Stadionneubau
Während die sportliche Zukunft also noch offen ist, ist der geplante Stadionneubau an der B54 endgültig gestorben. "Es gibt keinen Stadionneubau, die Mannschaft bleibt im alten Stadion", sagte Müller.

Das stellte auch Stronach via Aussendung klar: "Magna wollte das Stadionprojekt in Wiener Neustadt eigenständig realisieren. Nachdem uns klar signalisiert wurde, dass wir als Investor nicht erwünscht sind, werden wir dieses Projekt nicht weiter verfolgen." Die von der Stadt an Magna verkauften Flächen (rund 24 Hektar) werden von der Stadt vertragskonform zu den selben Konditionen rückgekauft.

Stronach zeigte sich in seiner Stellungnahme zudem über die seiner Meinung nach mangelnde Unterstützung der Politik enttäuscht und äußerte in diesem Zusammenhang Kritik am VPNÖ-Klubobmann Klaus Schneeberger.

"Unverschämte Äußerungen"
"Wenn ein Herr Schneeberger - als hoher Repräsentant der größten Partei des Landes und Angeordneter aus Wiener Neustadt - in der Öffentlichkeit und von anderen hochrangigen Politikern unwidersprochen höchst unsachliche Kritik am Stadionprojekt äußert und ernsthafte Überlegungen als 'Marotte' abqualifizieren kann, wird bei mir der starke Anschein erweckt, dass Frank Stronach und Magna als Investoren in Niederösterreich nicht erwünscht sind. Derartige Äußerungen, die ich als unverschämt, unbedacht und unklug bezeichne, sind schädlich für jedes Investitionsprojekt, auch für Projekte im industriellen Bereich."

Magna hatte im Zusammenhang mit dem Stadionbau nie um öffentliche Gelder angefragt, so Stronach. Das Platzen des Projekts tue ihm "für die Region und die Fans des Vereins leid", sein Engagement im Fußball sei nicht aus wirtschaftlichen Gründen erfolgt. "Fußball ist für mich kein Geschäft, sondern ein gesellschaftlicher Beitrag, um insbesondere die Jugend zu fördern und ihr durch Spitzenfußball auch einen Anreiz und eine Perspektive für die Zukunft zu bieten."

apa/red)