Mafia-Boss Provenzano festgenommen: Galt
als Nummer 1 der sizilianischen Cosa Nostra!

Bernardo Provenzano war über 40 Jahre lang flüchtig "Pate der Paten" (73) leistete keinen Widerstand

Der seit über 43 Jahren flüchtige oberste sizilianische Mafia-Boss Bernardo Provenzano ist festgenommen worden. Provenzano wurde am Dienstag zu Mittag in seinem Heimatort Corleone auf Sizilien festgenommen. Er befand sich in einer Hütte und leistete bei der Verhaftung keinen Widerstand. Der 73-Jährige war unbewaffnet, berichtete der Staatsanwalt von Palermo, Giuseppe Pignatone am Dienstag. Ein DNA-Test habe bestätigt, dass es sich tatsächlich um Provenzano handelt.

Nach Angaben der Sicherheitskräfte ähnle der Mafia-Boss den Phantombildern, die von ihm im vergangenen Jahr angefertigt worden waren. Das letzte offizielle Fahndungsfoto war über 40 Jahre alt. In den Taschen von Provenzanos Hosen fanden die Polizisten Zettel, mit denen er seinen Vertrauensmännern Aufträgen erteilte. Laut den Behörden kümmerte sich Provenzano persönlich immer noch um den Drogenhandel und um andere illegale Geschäfte der sizilianischen Cosa Nostra. An der Festnahme des Paten beteiligten sich 50 Polizisten.

Es rankten sich zahlreiche Legenden um den Boss aus dem berüchtigten "Mafiadorf" Corleone in den sizilianischen Bergen, der den Fahndern immer wieder entwischte. Unter anderem hieß es im vergangenen Jahr, Provenzano habe sich als Bischof getarnt. Seit wenigen Jahren gab es ein Phantombild, nachdem das letzte Foto des Flüchtigen über 40 Jahre alt war. Jedoch wurde das neue Bild nach den Angaben inhaftierter Mafiosi angefertigt und galt als wahrscheinlich wenig authentisch.

Auch soll Provenzano sich in Frankreich in einer Privatklinik einer Prostata-Operation unterzogen und dafür als armer Bäcker aus Sizilien ausgegeben haben. Erst vor kurzem hatte sein Anwalt Salvatore Traina bekannt gegeben, dass Provenzano schon seit Jahren tot sei. "Meine Überzeugung beruht auf sicheren Anhaltspunkten. Er ist seit Jahren, seit mehreren Jahren tot", sagte Traina.

Provenzano war ein Albtraum des italienischen Sicherheitsapparats. "Mann ohne Gesicht" nannten ihn die Beamten, oder einfach "Das Gespenst". Schließlich wussten sie nicht mehr, wie er aussah. Nach wie vor soll Provenzano den Drogenhandel der Cosa Nostra organisiert haben. Immer wieder hieß es, der Boss lebe in Palermo oder ganz in der Nähe von Corleone. Angeblich hatte er es nicht einmal nötig, sich besonders zu verstecken. Immer wieder habe er sich per Brief bei seiner Familie gemeldet. "Der Herr segne und behüte Euch", beende er mitunter seine Schreiben. Seine Ehefrau und seine beiden Söhne hatten zeitweise in Deutschland gelebt, später hatten sie in Corleone eine Wäscherei betrieben. (apa/red)