Madrid-Terror: Mutmaßliche Drahtzieher angeklagt - es drohen tausende Jahre Haft!

Bei Anschlägen am 11. März '03 starben 191 Pendler Angeklagte gehörten laut Richter nicht zu Al Kaida

Madrid-Terror: Mutmaßliche Drahtzieher angeklagt - es drohen tausende Jahre Haft!

Gut zwei Jahre nach den Anschlägen auf Madrider Pendlerzüge hat die spanische Justiz Anklage gegen 29 Verdächtige erhoben. Laut der 1.500 Seiten starken Anklageschrift, die der Untersuchungsrichter Juan del Olmo zum Abschluss der Ermittlungen in Madrid vorlegte, war eine lokale islamistische Terrorzelle für das Blutbad verantwortlich.

Die Angeklagten hatten sich nach Ansicht des Richters zwar von der Al Kaida inspirieren lassen, gehörten aber nicht direkt zu dem internationalen Terrornetzwerk. Bei den Anschlägen am 11. März 2004 waren 191 Menschen getötet und mehr als 1500 verletzt worden. Der Richter hatte insgesamt gegen 116 Verdächtige ermittelt. Es waren die blutigsten Terroranschläge in der Geschichte Spaniens.

Tausende Jahre Haft verlangt
In der Anklageschrift wird sechs Hauptverdächtigen Mord in 191 Fällen und 23 weiteren versuchter Mord in 1755 Fällen zur Last gelegt. Die Staatsanwaltschaft wird für sie wahrscheinlich Haftstrafen von Tausenden von Jahren verlangen. Unter den Hauptangeklagten sind vier Marokkaner, ein Ägypter und ein Spanier, der den Sprengstoff für die Anschläge beschafft haben soll.

Auch Spanier unter Angeklagten
Unter den Beschuldigten ist der aus Marokko stammende Geschäftsmann Jamal Zougam, der die bei den Anschlägen als Zünder verwendeten Handys bereitgestellt haben soll. Ein weiterer Verdächtiger, der ehemalige Bergarbeiter Jose Emilio Suarez Trashorras, wurde in 192 Fällen des Mordes angeklagt. Ihm wird auch der Tod eines Polizisten zur Last gelegt, der einige Wochen nach den Anschlägen bei einer Razzia getötet wurde. Suarez Trashorras soll die Bombenleger mit Plastiksprengstoff versorgt haben.

Terror-Chefs begingen Selbstmord
Sieben mutmaßliche Attentäter hatten sich drei Wochen nach den Anschlägen selbst in die Luft gesprengt, als sie in einer Wohnung in der Madrider Vorstadt Leganés von der Polizei umstellt waren. Unter ihnen waren nach Ansicht des Richters auch die mutmaßlichen Anführer der Terrorzelle. Der Polizist kam bei der Explosion ums Leben.

Von Website inspiriert
Der Prozess werde voraussichtlich im Frühling 2007 beginnen, teilte die zuständige Staatsanwältin Olga Sánchez mit. Die Extremisten "bezogen ihre Inspiration von einer Website, die örtliche Islamisten zu Anschlägen in Spanien vor den Parlamentswahlen 2004 aufrief, um Spanien zum Rückzug seiner Truppen aus dem Irak zu veranlassen", sagte eine Gerichtssprecherin. Eine Verbindung zwischen den Attentätern und der baskischen Separatistenorganisation ETA gebe es dagegen nicht.

Wähler straften Konservative ab
Unmittelbar nach den Anschlägen hatte die damals in Spanien regierende konservative Volkspartei die ETA für die Tat verantwortlich gemacht. Drei Tage nach den Anschlägen straften die Spanier die Volkspartei bei den Parlamentswahlen ab. Die seitdem regierenden Sozialisten entschieden sich kurz danach für einen Truppenrückzug aus dem Irak. (APA/red)