Madoff-Affäre: Nürnberger Versicherung beteiligt sich an US-Sammelklage

FORMAT: Primeo Fund und Pioneer als Hauptbeklagte Schadenssumme von 763.000 Euro wird verhandelt

Madoff-Affäre: Nürnberger Versicherung beteiligt sich an US-Sammelklage © Bild: APA/EPA/Justin Lane

Die Nürnberger Versicherung belangt die Bank Austria und ihre Fondsgesellschaft Pioneer in den USA. Noch im April will ein US-Bezirksgericht über den Verlauf der Sammelklage entscheiden.

Eine runde Milliarde Dollar haben die US-Ermittler auf privaten Konten von Bernard Madoff bereits sichergestellt. Viel Geld, aber nur ein Bruchteil des Schadens von 65 Milliarden Dollar, den der US-Wertpapierbetrüger Anlegern rund um den Globus verursacht hat. Madoff muss mit lebenslanger Haft rechnen. In Österreich hatte Madoff mit der Bank Medici von Sonja Kohn und der Bank Austria emsige Vertriebspartner. Rund 3,2 Milliarden Dollar wurden über die Ösi-Connection nach New York gelenkt.

Bank Austria im Visier
Den Österreichern droht nun aus den USA Ungemach. Dort formieren sich bereits Anlegergemeinschaften, die verspekuliertes Kapital rückfordern. Laut FORMAT vorliegenden Informationen hat sich nun die Nürnberger Versicherung Österreich einer Sammelklage angeschlossen und will sogar als "Lead Plaintiff", also als führender Kläger, im Angriff gegen die Bank Austria und deren Fondsgesellschaft Pioneer die Speerspitze bilden.

Bislang traten vornehmlich Hedgefondsmanager als Kläger in Erscheinung, die von Bankanwälten gerne als geldgierige Querulanten disqualifiziert wurden. Der Nürnberger-Vorstoß bringt Bank Austria und Bank Medici jedoch gehörig in Zugzwang. Bislang hatten sie jede Verantwortung für die Milliardenverluste ihrer im Primeo-Fonds investierten Kunden kategorisch abgestritten.

"Verletzte Aufsichts- und Treuepflichten"
„Da die Nürnberger Versicherung AG Österreich Geschädigte im Fall Madoff ist, haben wir uns auf Anraten unserer Anwälte der US-Sammelklage angeschlossen“, bestätigt Nürnberger-Chef Kurt Molterer gegenüber FORMAT den Gang vors US-Gericht. "Beklagte sind insbesondere der Primeo Fund, Pioneer Alternative Investment und die HSBC Holding." Die Assekuranz empört sich laut Klagsschrift etwa über die "Verletzung von Aufsichts- und Treuepflichten". Molterer: "Laut unseren Anwälten ist mit einer Verfahrensdauer von zwölf bis 24 Monaten zu rechnen." Auf Empfehlung der US-Advokaten wurde der "Antrag auf Ernennung zum ‚Lead Plaintiff‘ gestellt" (Molterer). Diese Stellung garantiert größeren Einfluss auf den Verfahrensverlauf.

Weitere Geschädigte formieren sich
Noch im April dürfte das US-Bezirksgericht über das weitere Vorgehen entscheiden. Die Nürnberger Versicherung beklagt 763.000 Euro Schaden. Die BA will die US-Sammelklage nicht kommentieren. Beim Angriff der Nürnberger wird es nicht bleiben. Im Hintergrund formieren sich prominente Primeo-Geschädigte, darunter Ex-Bank-Austria-General René Alfons Haiden, Ex-Nationalbankpräsident Adolf Wala oder Ex-GiroCredit-Boss Hans Haumer. Sie alle haben über die Fonds Primeo Executive und Primeo Select indirekt Hundertausende Euro in Madoff investiert und alles verloren. Eine Aussprache mit BA-General Erich Hampel, die Causa für rund 740 BA-Kunden außergerichtlich zu regeln, scheiterte kläglich.

Medici ohne Lizenz
Auch bei der Bank Medici beißen geprellte Investoren auf Granit. „Wir sind uns keiner Schuld bewusst“, so die offizielle Medici-Sprachregelung. Doch die Konsequenzen des Madoff-Skandals für die kleine Wiener Bank sind bereits sichtbar: Die Nationalbank verlangte die Banklizenz zurück. Eine Forderung, die erst nach langem Hin und Her erfüllt wurde.

Von Ashwien Sankholkar
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