Madln lassen die Muskeln spielen: Damen
sind derzeit das starke Geschlecht im ÖSV

Toller Saisonstart stellt Herren-Asse in den Schatten Girls wollen ihr Können nun in Speedbewerben zeigen

Madln lassen die Muskeln spielen: Damen
sind derzeit das starke Geschlecht im ÖSV

Damen sind derzeit eindeutig das "starke" Geschlecht im ÖSV. Während die Herren sieglos aus Lake Louise abreisten, komplettierten sie in Aspen eine astreine Startbilanz. Drei Rennen, drei Siege, 7 von 9 möglichen Podestplätzen, Vierfach-Führung im Gesamt-Weltcup mit Nicole Hosp an der Spitze. Daran knabbern nicht nur die ausländischen Konkurrenten, sondern auch die erfolgsverwöhnten ÖSV-Herren.

Fast doppelt so viele Punkte wie die Herren haben die Mädchen von Herbert Mandl in den ersten drei Weltcuprennen gewonnen. Speziell die noch vor zwei Jahren so kritisierte Slalomtruppe des Tirolers Bernd Brunner lässt derzeit in den technischen Bewerben keine Wünsche offen. Was Marlies Schild und Nicole Hosp auch in den Speed-Disziplinen drauf haben, kann man schon diese Woche in Lake Louise erleben.

Dabei ist gerade die bisherige Zurückhaltung in den Speedbewerben eines der Erfolgsgeheimnisse der Damenmannschaft. Zusammen mit seinen Gruppentrainern arbeitet Mandl seit Jahren an einem konsequenten Langzeitprogramm, gründete vor zwei Jahren die zusätzliche Trainingsgruppe 3, um noch individueller üben zu können. "Schnell waren die Mädchen ja immer schon. Es fehlte die Konstanz", so Mandl.

Brunner hatte 2002 nach dem Olympia-Debakel von Salt Lake City als 31-Jähriger die damals praktisch nicht existente Slalomtruppe von Mathias Berthold übernommen und einen radikalen Schnitt gemacht. Der gebürtige Osttiroler brachte nicht nur neue Trainer, er traf nach einem Intermezzo in den USA auch wieder auf einen Teil der Jungmädchen-Truppe, die er zuvor schon im Europacup trainiert und mit ihnen dort u.a. die Kurzski-Revolution angezettelt hatte.

"Wir haben uns Kaufhaus-Ski besorgt, heimlich damit trainiert. Karl Frehsner hat uns damals sicheres Scheitern prophezeit", erinnert sich Brunner heute noch gerne zurück. "Es war eine riskante Geschichte. Einige hat's bei den ersten Startversuchen mit den kurzen Brettln förmlich überschlagen."

Das ist ebenso Schnee von gestern wie das körperliche Defizit, das Brunner bei seinem Dienstantritt geortet hatte. "Ich war geschockt." Heute seien die Mädchen aber so fit, "dass sich viele andere Sportler eine Scheibe abschneiden können. Wir können mit den Umfängen sogar schon wieder etwas zurückgehen." Körperliche Fitness sei auch wegen der Verletzungsvorbeugung eines der Erfolgsgeheimnisse. Brunner: "Seit zwei Jahren sind wir diesbezüglich auffallend gesegnet."

Dazu kam eine mentale Begradigung. "Immer wenn sie jammern, sage ich ihnen, dass sie ja auch arbeiten gehen können", so Brunner schmunzelnd. Insgesamt habe man nun eine richtige Mannschaft zur Verfügung. "Damit ruht nicht mehr die ganze Verantwortung nur auf den Schultern von zwei."

Bleibt eine gelungene Einsatzpolitik, denn Schild und Hosp wurden bisher nur auf ausgewählte Speed-Bewerbe los gelassen. "Da muss man oft dem Druck der Skifirmen oder der Läuferinnen selbst widerstehen. Bis jetzt haben wir diesbezüglich aber viel richtig gemacht", weiß Brunner, dem jedoch bewusst ist: "Jetzt müssen wir halt aufpassen, dass nicht gleich der Ruf nach Hosp und Schild laut wird, wenn eine Götschl oder Meissnitzer einen schlechten Tag haben."

(apa/red)