Machtkampf von

Wrabetz weist jetzt
Wolf in die Schranken

Strukturentscheidung liegt bei ORF-Führung, nicht bei ZiB-Anchor

Alexander Wrabetz © Bild: APA/GEORG HOCHMUTH

Im Machtkampf um den ORF und dessen neue Führungsstruktur in der Fernsehinformation weist ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nun seinen stellvertretenden TV-Chefredakteur und "ZiB 2"-Anchorman Armin Wolf in die Schranken. In Interviews mit dem "Standard" und der "Kleinen Zeitung" erinnert Wrabetz Wolf an seinen Platz in der Hierarchie des Senders.

"Er hat keine Verantwortung für die Struktur und die personellen Besetzungen im Unternehmen. Da gibt es eine klare Aufgabenteilung: Ich bin Generaldirektor, und er ist ein Anchor der ZiB 2", sagte Wrabetz dem "Standard". Man könne "sich wechselseitig zwar Tipps geben, aber man sollte dem Interviewer die Interviews überlassen und die Strukturentscheidungen der Geschäftsführung", ergänzte Wrabetz in der "Kleinen Zeitung". Und der ORF-General lässt durchklingen, dass er - trotz Beteuerungen, Wolf nicht infrage stellen zu wollen - den "ZiB 2"-Journalisten offenbar lieber auf einer anderen Position sehen würde. Für eine "vielleicht größere Infoshow auf ORF eins" habe Wolf laut Wrabetz aber abgesagt.

»Ich bin Generaldirektor, und er ist ein Anchor der ZiB 2.«

Er habe in der Vergangenheit jedenfalls zu viel zugelassen, jetzt sei es dann wieder genug, so Wrabetz weiter. Die Debatte um die Fernseh-Information bezeichnete Wrabetz im "Standard" als "ORF-Folklore". Dass dabei von Boulevardmedien auch die Gehälter von ORF-Journalisten veröffentlicht wurden, sieht der ORF-Chef gelassen. "Wenn man bei uns eine solche Debatte führt, sollte man sie ohne Glaskinn führen. Wenn man austeilt, wird man pointiert etwas zurückbekommen."

Der Hintergrund des Konflikts

Hintergrund des Konflikts ist zum einen die geplante neue Channel-Struktur im ORF-Fernsehen, die eine Aufteilung der TV-Information mit eigenen Kanalchefs und Chefredakteuren für ORF eins und ORF 2 zur Folge hat. Teile der Information - darunter Wolf - laufen gegen diese Pläne Sturm und fürchten die Wiederkehr des SPÖ-ÖVP-Proporzes im ORF. Vor allem der als Channel Manager für ORF 2 kolportierte Roland Brunhofer stößt auf Widerstand. Darüber hinaus gibt es aus Politik und auch im ORF Kritik am Interviewstil Wolfs, jüngst vorgetragen von ORF-Onlinechef Thomas Prantner - Stichwort "Verhörraum".

Dass ORF-Zentralbetriebsratsobmann Gerhard Moser deshalb die Ablöse Prantners gefordert hatte, rief am Donnerstag die ÖVP auf den Plan. "Es ist unglaublich und inakzeptabel vom Betriebsrat, so zu agieren. Das erinnert an die dunkelsten Zeiten der verstaatlichten Industrie, dass er glaubt, einen leitenden Angestellten öffentlich zurechtweisen zu müssen", sagte Generalsekretär und Mediensprecher Werner Amon. Laut Amon habe Prantner sein Interview "vorher vom Generaldirektor absegnen lassen".

Der ÖVP-General bringt wegen der Vorfälle im ORF gar eine mögliche Privatisierung des öffentlich-rechtlichen Senders ins Spiel. "Man muss dieses inakzeptable Verhalten des ORF-Betriebsrates im neuen ORF-Gesetz mitbedenken. Und Anleihen bei der verstaatlichten Industrie nehmen. Dort wurden diese Unternehmen nach der Entmachtung des Betriebsrates und der Privatisierung auch erfolgreich."

SPÖ-Regierungskoordinator und Medienminister Thomas Drozda hatte sich zuvor via Twitter hinter Wolf gestellt: "Ich finde die Kritik Unbefugter an Ihrer Arbeit ebenso befremdlich und inadäquat, wie die Initiative zur Volksabstimmung aus diesem Anlasse."

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