Machtkampf von

Die Intrigen in Trumps
Weißem Haus gehen weiter

Trumps Schwiegersohn dürfte seinem bisherigen Top-Berater den Rang ablaufen

Machtkampf - Die Intrigen in Trumps
Weißem Haus gehen weiter © Bild: 2017 Getty Images

In Donald Trumps Team rumort es wieder. Der Riss zwischen Establishment-Republikanern und der Rechtsaußen-Fraktion, der schon in der Anfangszeit seiner Präsidentschaft sichtbar wurde, äußert sich nun in einem Machtkampf zwischen Trumps Schwiegersohn Jared Kushner und seinem Chefstrategen Steven Bannon.

Glaubt man den Worten, mit denen "The Daily Beast" einen Mitarbeiter der Regierung zitiert, ist die Stimmung im Weißen Haus gerade mehr als aufgeladen. Steven Bannon, Chef von Trumps Wahlkampagne und zumindest bisher sein wichtigster Berater, soll den Schwiegersohn des Präsidenten Jared Kushner einen "Globalisten" und "cuck" ("verweichlicht", "Gutmensch") genannt haben, der ihn am liebsten "abstechen und hinauswerfen" wolle. Kushner, Ehemann von Trumps Tochter Ivanka, ist in der Trump-Regierung zuletzt zum "Mann für eh alles" aufgestiegen. Er verantwortet die Beziehungen zu China, Mexiko und Kanada, soll sich um die Lösung des Nahostkonflikts kümmern und eine große Regierungsreform vorantreiben.

Kushner steigt auf, Bannon wird degradiert

Bannon hingen musste vergangene Woche eine Degradierung hinnehmen, die ihn persönlich wohl sehr schmerzt. Er verlor seinen Sitz im Lenkungskomitee des Nationalen Sicherheitsrates. Dieses Gremium, dem sonst etwa der Verteidigungs- und Außenminister angehören, entscheidet die wichtigsten Fragen der nationalen Sicherheit, die nicht direkt dem Präsidenten vorgelegt werden müssen. Das Mitspracherecht des Nicht-Amtsträgers Bannon in diesen Angelegenheiten wurde von Anfang an von vielen, auch innerhalb der Regierung, kritisiert. Jetzt dürfte Trump diesem Druck nachgegeben haben. Während Kushner also an Einfluss gewinnt, musste der ihm wenig freundlich gesinnte Bannon zurückstecken. Für Beobachter in- und außerhalb das Weißen Hauses Zeichen eines neuen Machtkampfes.

»Die Gerüchte über Bannons Macht haben Trumps Ego verletzt«

Dabei geht es um ähnliche Konfliktlinien, wie sie schon seit Beginn der Präsidentschaft für Spannungen im Trump-Team sorgen. Vertreter des politisch gemäßigteren republikanischen Partei-Establishments kämpfen mit rechten Nationalisten und Populisten um Einfluss und die Gunst des Präsidenten. Als "Sprachrohr" der zweiten Gruppe gilt Steven Bannon. Dem ehemaligen Boss der rechtsgerichteten Newsseite Breitbart wurde bisher nachgesagt, Trump wie kein anderer zu beeinflussen und im Weißen Haus quasi unumschränkte Macht zu haben. In den sozialen Medien erhielt er den Spitznamen "Präsident Bannon", in Karikaturen wurde Donald Trump als bloße Marionette des großen Puppenspielers dargestellt.

Trump ändert seinen außenpolitischen Kurs

Vielleicht war es daher auch das verletzte Ego des Präsidenten, das zu einer merkbar vorsichtigeren Haltung gegenüber Bannon führte. Gegenüber der "New York Post" bestritt Trump diese Woche gar nicht, dass es eine Auseinandersetzung zwischen Kushner und Bannon gibt, und schien eine Warnung auszusprechen: "Steve ist ein guter Typ, aber ich habe ihnen gesagt, sie müssen das klären, sonst werde ich es tun". Weiter sagte er: "Ich mag Steve, aber man muss bedenken, dass er erst sehr spät zu meiner Kampagne gekommen ist. Da hatte ich schon alle besiegt, ohne ihn zu kennen. Ich bin mein eigener Stratege". Dass sein Wahlsieg vielfach Bannon zugeschrieben wurde, stört ihn offenbar.

Kushner ist in vielerlei Hinsicht Bannons genaues Gegenstück. Wie seine Frau Ivanka Trump ist er Erbe eines New Yorker Immobilienimperiums. Er hat beste Verbindungen zur Wall Street und ist Teil genau jener elitären Zirkel an den Küsten, die Steven Bannon so verachtet. Politisch ist er deutlich gemäßigter und spendete in der Vergangenheit für die Demokraten. In einer hitzigen Diskussion soll ihm Bannon laut "New York Times" vorgeworfen haben: "Der Grund, warum wir uns nicht einigen können ist, dass du eigentlich ein Demokrat bist". Auch inhaltlich gibt es aber Anzeichen dafür, dass Trump von Bannons Kurs abrückt. Der Militärschlag in Syrien und der plötzliche Konfrontationskurs mit Russland sind eine überraschende Wende weg von der Wahlkampfrhetorik der Nichteinmischung. Ideologisch vorgegeben hatte diese, natürlich, Bannon selbst.