Machtkampf in der FPÖ entbrannt: Strache schließt Stadler-Ausschluss nicht mehr aus

Eigenes Gotcha-Spiel verteidigt er als harmlos Klärendes Gespräch mit Stadler bei Klubklausur

Machtkampf in der FPÖ entbrannt: Strache schließt Stadler-Ausschluss nicht mehr aus

FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache hat als Quelle der zuletzt aufgetauchten Skandal-Fotos Ewald Stadler ausgemacht. Es sei Tatsache, dass "Stadler schon vor Weihnachten mündlich über die Fotos gesprochen hat und diverse Personen das erzählt bekommen haben", sagte Strache im APA-Interview. Einen möglichen Parteiausschluss Stadlers schloss Strache nicht aus. Die Fotos, auf denen er nach eigener Darstellung beim Gotcha-Spiel abgelichtet ist, verteidigte Strache erneut als harmlos.

Strache erklärt die Vorgänge rund um das Auftauchen der Bilder folgendermaßen: "Tatsache ist, dass Stadler schon vor Weihnachten mündlich über die Fotos gesprochen hat und diverse Personen das erzählt bekommen haben, und dieses Material dann am 27. Dezember mittels Brief an FPÖ-Bürgeranwalt Hilmar Kabas geschickt wurde." Damit sei klar, dass das ganze "von Stadler ausging und vielen Personen gegenüber artikuliert wurde, Stadler aber zu mir nicht gekommen ist", so Strache, der sich "traurig" und "enttäuscht" zeigte.

Dass undichte Stellen im Parteivorstand - wie zuletzt kolportiert - die Sache an die Medien gespielt haben, glaubt Strache nicht: "Das BZÖ und auch der ORF und andere Journalisten wussten nachweislich schon am (letzten) Freitag vor der Vorstandssitzung gerüchteweise von diesem Material." Strache habe auch gehört, dass Stadler "angeblich Dossiers und Archive angelegt haben soll". "Er scheint so wie der Herr Neugebauer vom DÖW ein begnadeter Archivar zu sein", so der Parteichef über seinen Gegenspieler. Er sprach weiters von einem "von langer Hand geplanten gezielten Angriff gegen meine Person". "Dahinter steckt System", so Strache kryptisch.

Parteiausschluss nicht ausgeschlossen
Auf Konsequenzen angesprochen wollte Strache nichts ausschließen, auch einen Parteiausschluss nicht. Ein erstes Gespräch mit Stadler soll es bei der Klubklausur in Waidhofen an der Ybbs geben. "Wir werden das mit Sachlichkeit und Ruhe aufarbeiten." Es werde Gespräche geben und Volksanwalt und FPÖ-Bürgeranwalt Kabas werde einen Bericht anfertigen. Ein Gespräch unter Parteifreunden zwischen Strache und Stadler scheint es jedenfalls längere Zeit nicht gegeben zu haben. "In der Vergangenheit waren wir auch ein Bier trinken, aber das ist schon länger her", so Strache.

Gerüchte, wonach es bei der Causa um eine Wiedervereinigung mit dem BZÖ geht, bezeichnete Strache als "absurd" und "krause Theorien der Verschwörungstheoretiker". "Wir wollen mit dem BZÖ nichts zu tun haben, nie mehr."

Die umstrittenen Fotos, auf denen er mit anderen Männern in Uniformen nach eigenen Angaben beim "Gotcha"-Spiel zu sehen ist, sind laut FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache in Kärnten entstanden und haben absolut nichts mit Wehrsportübungen zu tun. In der Zeit, als die Bilder gemacht worden seien, "war es der Beginn des (Gotcha)Trends. Es gab damals keine Spielstätte, wie heute", so Strache im APA-Interview.

Bei den auf den Bildern unkenntlich gemachten Personen handle es sich um Mitglieder des Pennäler Rings, von denen einige heute "renommierte Persönlichkeiten sind", so Strache, der "mit dem einen oder anderen" noch Kontakt hat. Denn es handle sich um "unbescholtene Bürger", mit den meisten habe er allerdings seit 1990 keine Verbindung mehr.

Strache bestätigte weiters, dass Personen dabei gewesen sind, die "sechs oder sieben Jahre später mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sind. Aber dafür trage ich nicht die Verantwortung", so Strache. Ihn damit in Verbindung zu bringen, sei so, als würde man ihn für ein "Klassenfoto" verantwortlich machen, auf dem ein ehemaliger Schulkollege zu sehen ist, der mit dem Gesetz in Konflikt gekommen ist, argumentierte der Parteiobmann.

"Wir waren Junge Wilde", so Strache weiter. Es handle sich um gestellte "Jux-Fotos", auf denen keine "verbotenen Symbole" zu sehen seien und "beim Schlimmsten (mit einem Schlagstock, Anm.) war ich nicht einmal dabei". Heute habe er sich "weiterentwickelt und würde das anders spielen". "Dafür habe ich aber keine Zeit", sagte der FPÖ-Chef.

Die Aufregung um die Fotos sei "eine künstliche Geschichte". Er habe "nie einen Hehl daraus gemacht", dass er mit der Tochter des Chefs der damals bereits verbotenen rechtsextremen Nationaldemokratischen Partei (NDP), Norbert Burger, Jahre lang liiert war. Aufgrund seiner damaligen Beziehung habe er auch "diverse Veranstaltungen besucht, das bedeutet aber nicht, dass ich die Meinungen geteilt habe".

Es habe verschiedene menschliche Kontakte gegeben, er habe aber "seine eigene Meinung", so Strache, der auch aus seiner Mitgliedschaft in der deutschnationalen schlagenden Burschenschaft Vandalia kein Geheimnis gemacht habe.

(apa/red)