Machtkampf um CSU-Vorsitz: Stoiber soll
in bayerischem Führungsstreit vermitteln

Kampfabstimmung um Nachfolger an CSU-Spitze? Doch keine vorzeitige Ablösung von Stoiber geplant

Machtkampf um CSU-Vorsitz: Stoiber soll
in bayerischem Führungsstreit vermitteln

Im Machtkampf um den Vorsitz der bayerischen CSU ist der CSU-Vorstand ohne Entscheidung auseinander gegangen. Die Parteispitze beauftragte Noch-Parteichef Edmund Stoiber, im Streit zwischen seinen Nachfolgekandidaten, dem bayerischen Wirtschaftsminister Erwin Huber und dem deutschen Landwirtschaftsminister Horst Seehofer, eine einvernehmliche Lösung anzustreben, die alle Beteiligten integriert. Unterdessen erschien jedoch eine Kampfabstimmung um den CSU-Vorsitz immer wahrscheinlicher.

"In drei Wochen werden wir wissen, ob es klappt", sagte CSU-Generalsekretär Markus Söder über die Vermittleridee nach einer nur zwei Stunden dauernden Vorstandssitzung am Montagnachmittag in München. Wichtig sei, dass sich jeder darin wiederfinde und die CSU am Schluss geschlossen dastehe. Eine in Aussicht gestellte Pressekonferenz sagte die CSU ab.

Die für Herbst geplante Ablösung Stoibers auf dem Posten des Parteivorsitzenden und des bayerischen Ministerpräsidenten soll indes nicht vorgezogen werden. In der CSU-Vorstandssitzung entschied die Parteiführung nach Angaben von Teilnehmern in München, dass Stoiber seine Spitzenämter - wie von ihm selbst angekündigt - Ende September abgeben soll. Am Wochenende hatten mehrere Spitzenvertreter wie Wirtschaftsminister Michael Glos angeregt, die Machtübergabe vorzuziehen und der Partei damit eine "Hängepartie" zu ersparen. Das Amt des Regierungschefs will Bayerns Innenminister Günther Beckstein übernehmen.

Im Machtkampf um den CSU-Vorsitz wird eine Kampfabstimmung zwischen Seehofer und Huber unterdessen immer wahrscheinlicher. Beide bekräftigten am Montag vor einer Krisensitzung der CSU-Führung in München die Absicht, sich beim Parteitag im Herbst zur Wahl zu stellen. Beide sprachen auch von einem "großen Rückhalt" in Partei und Bevölkerung. Stoiber strebt eine Vorentscheidung möglichst in dieser Woche an, spätestens aber in drei Wochen bei der nächsten Sitzung des Parteivorstands.

Stoiber erklärte zur Entwicklung des Zweikampfes, er habe mit seinen Gesprächspartnern vereinbart, dass "alle pausenlos gut übereinander reden". Am Sonntag hatte er etwa zwei Stunden mit Seehofer geredet. Aus dem Gegeneinander der Konkurrenten wolle er ein Miteinander machen, hatte Stoiber anschließend betont. Wie eine Lösung aussehen könnte, blieb offen. Beide müssten dafür Zugeständnisse machen, sagte Stoiber.

Huber bekräftigte seine Absicht, Seehofer eng in der Parteispitze einzubinden, ihm aber nicht den Vorsitz zu überlassen: "Ich möchte, dass Horst Seehofer als herausragender Sozialpolitiker die Politik der CSU mitgestaltet", sagte er. Dass für seinen Rivalen das Amt eines ersten Stellvertreters des Parteivorsitzenden geschaffen werden könnte, schloss er nicht aus.

Seehofer wollte sich nicht konkret zu möglichen Lösungen äußern. "Man kann vernünftig miteinander umgehen, auch wenn man im Wettbewerb steht", sagte er. Dies dürfe aber nicht über Interviews geschehen. "Wir brauchen in unserer Partei eine saubere Erneuerung." Medienberichte über eine angebliche außereheliche Affäre hatten Seehofer bei vielen Parteimitgliedern zuletzt in Verruf gebracht. Am Wochenende hatte er sich mit Huber hitzige Wortgefechte über die Medien geliert. Seehofer warf Beckstein und Huber "Kungelei" vor, was diese zurückwiesen.