"Machogerülpse habe ich nicht notwendig":
ÖVP-Frontfrau Marek im NEWS.at-Interview

Mit "geiler" Politik in Richtung Vizebürgermeisteramt "Rot-Grün ist eine gefährliche Drohung für Wien"

Christine Marek, ÖVP-Spitzenkandidatin für die Wien-Wahl am kommenden Sonntag, erzählt im Interview mit NEWS.at über ihren Kampf gegen das "Deutschdefizit", wie Sie Wien zur machofreien Zone machen möchte und warum sie noch nie im "Geil-o-Mobil" mitgefahren ist.

NEWS.at: Frau Marek, wie sind Sie denn zu uns angereist?
Christine Marek: Mit dem Dienstauto.

NEWS.at: Gar nicht mit dem „Geil-o-Mobil“ der JVP?
Marek: Nein, mit dem bin ich noch gar nicht gefahren, fällt mir gerade ein. Frechheit! (lacht) Aber ich fürchte, ich werde auch keine Zeit mehr haben, einmal mitzufahren.

NEWS.at: Warum macht Schwarz „geil“?
Marek: Weil wir die echten Herausforderungen dieser Stadt angehen. Es geht darum, Wien bunter und nicht nur rot zu gestalten.

NEWS.at: Aha. Und das macht geil?
Marek: Ja, gerade im Jugendbereich ist viel möglich mit uns. Mit der Jugendkampagne der JVP, die wir gemeinsam mit Sebastian Kurz aufziehen, wollen wir Jugendliche auf unsere Politik aufmerksam machen. Ich glaube, dass uns das ganz gut gelungen ist.

NEWS.at: Die Grünen halten Ihre "Schwarz macht geil"-Kampagne für protzig und sexistisch.
Marek: Die Grünen finden vieles schlecht, was andere witzig finden. Man muss da schon die Kirche im Dorf lassen. Ich glaube, die Kampagne ist sehr gut gelungen, sie bringt Aufmerksamkeit, das war genau Sinn und Zweck der Sache. Sexistisch ist sie auf keinen Fall, weil weder Frauen noch Männer diskriminiert werden.

NEWS.at: Kommen wir auf Ihr persönliches Image zu sprechen. Vor nicht allzu langer Zeit galten Sie als liberales Aushängeschild der ÖVP, nun wirft man Ihnen vor, mit Ihren Forderungen nach Sicherheitsschleusen in der U-Bahn, einer Stadtwache und Sicherheitstüren ins Fahrwasser der FPÖ geraten zu sein.
Marek: Liberal denken und Klartext reden, wenn es um die Sorgen der Bevölkerung geht - das sehe ich nicht als Widerspruch. Wir wissen, dass das Zusammenleben, die Sicherheit, die Frage der Integration die drängenden Themen in dieser Stadt sind. Denen muss man sich stellen. Wir wollen Lösungen für diese Probleme erarbeiten und nicht wie die SPÖ alles schönreden oder wie die FPÖ alles schlechtreden – beides bringt niemandem etwas.

NEWS.at: Das heißt der Wiener Wahlkampf und die Anliegen der WienerInnen haben Sie zu dem gemacht, was Sie jetzt sind?
Marek: Es macht einen Unterschied, ob ich in einer Bundesregierung für einen bestimmten Themenbereich zuständig bin, nämlich für Familie und Gesellschaftspolitik, oder ob ich als Spitzenkandidatin für die Gemeinderats- und Landtagswahlen alle Lebensbereiche in einer Stadt berücksichtigen muss. Im gesellschaftspolitischen Bereich haben sich meine Positionen nicht verändert.

NEWS.at: Wie die FPÖ treten auch Sie für ein verpflichtendes Vorschuljahr für Kinder mit mangelnden Deutschkenntnissen ein. Reicht das 1+1-Förderkonzept, das es in Wien bereits gibt, nicht aus?
Marek: Das Problem ist, dass bei diesem Modell nicht die Deutschkenntnisse, sondern nur die Schulreife der Kinder bewertet wird. Kinder mit Deutschdefiziten werden dann einfach als außerordentliche Schüler mitgeschleppt, für den Deutschkurs aus dem Unterricht herausgeholt und versäumen dadurch alles, was im Unterricht passiert.

NEWS.at: Sie wollen die Schüler mit Deutschdefiziten also vom Rest der Klasse separieren?
Marek: Nein, wir wollen, dass sie Deutsch lernen und dann mit voller Kraft in der Schule durchstarten. So wie es jetzt läuft, hat niemand etwas davon. Kinder, die Deutschdefizite haben, können dem Unterricht nicht folgen und die Leistungsstärkeren können nicht entsprechend gefördert werden. Das Optimum in einer Klasse, eine "Mischung" aus schwachen und starken Schülern, die sich gegenseitig motivieren, funktioniert nur, wenn das Verhältnis ausgewogen bleibt. Wenn 70 bis 90 Prozent der Schüler in einer Klasse Deutschdefizite haben, dann kann es nicht funktionieren.

NEWS.at: Wie sieht es zum Beispiel bei Erwachsenen aus? In gewissen Zuwanderergruppen können vor allem die Frauen schlecht Deutsch. Sie haben angedeutet, gegebenenfalls Sanktionen zu verhängen, wenn Frauen daran gehindert werden, einen Deutschkurs zu besuchen.
Marek: Ich glaube, dass wir da durchaus intensivere Maßnahmen brauchen. Ich glaube, dass Deutschkurse nicht nur auf Freiwilligkeit beruhen sollen, sondern dass es in mancherlei Hinsicht auch Verpflichtungen braucht, damit Frauen tatsächlich die Sprache erlernen können. Bei jenen, die bereits eingebürgert sind, aber kein oder nur sehr schlecht Deutsch sprechen, wird es natürlich schwierig.

NEWS.at: Ihr dezidiertes Wahlziel ist eine Koalition mit der SPÖ. Warum sind Sie eigentlich so scharf auf eine Zusammenarbeit mit den Sozialdemokraten?
Marek: Mein Wahlziel ist, die Absolute der SPÖ zu brechen. Wenn dies geschieht, sind wir bereit, Verantwortung in dieser Stadt zu übernehmen. Verändern kann man nur etwas, wenn man man in der Regierung ist.

NEWS.at: Wenn Sie die SPÖ als „rote Übermacht, die Wien wie eine Krake mit ihrer Tinte einnebelt" beschreiben, kann man sich eine Zusammenarbeit aber eher schwer vorstellen. Oder ist das am 10. Oktober alles wieder vergessen?
Marek: Natürlich gibt es zwischen SPÖ und ÖVP große Unterschiede. Tatsache ist: Wenn die absolute Mehrheit der SPÖ gebrochen werden kann, dann gibt es die Option für eine Zusammenarbeit mit uns. Aber es liegt an der SPÖ, das zu machen. Eine rot-grüne Chaoskoalition ist eine gefährliche Drohung für Wien. Deshalb wollen wir der schwarze Pfeffer für die Roten sein.

Teil II des Interviews: "Machogerülpse habe ich nicht notwendig"

Kommentare

Wenn läßt dieses Video kalt?? http://www.youtube.com/watch?v=xt8sj-GFBV4

Denn das Thema Sicherheit läßt auch die gute Frau Marek aus!!! Aber um das geht es!!!!!! Nicht nur am Sonntag - jeden Tag!!!

Ich halte ja alle Parteien für unwählbar Aber mit diesem eindeutigen Statement sich aus den tiefsten Niederungen des Wahlkampfes heraus zu halten, hat sich die ÖVP in Wien eine Stimme verdient.

http://politik.pege.org/2010-menschenrechte/regime.htm

Für eine volle Wählbarkeit erwarte ich eine klare Einhaltung der Menschenrechte auf Zukunft und Menschenrechte auf Ehrlichkeit.

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