Lugners Wahl-Analyse von

"Kurz hat das Gehabe
eines Alleindiktators"

Lugners Wahl-Analyse - "Kurz hat das Gehabe
eines Alleindiktators" © Bild: APA/HERBERT NEUBAUER

Am Samstag feierte Richard Lugner seinen 85. Geburtstag im noblen Palais Liechtenstein mit prominenten Gratulanten. Auch am Sonntag gab es Grund zu feiern - und zwar für zahlreiche Wähler. Anderen wiederum bereitet der Ausgang der Nationalratswahl weniger Freude. Wie schon vor der Wahl haben wir Richard Lugner auch danach nach seiner profunden Analyse gefragt.

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Vor der Nationalratswahl haben wir Richard Lugner um seinen Wahl-Check gebeten. Der seit vergangener Woche 85-Jährige meinte bereits im Vorfeld, dass SPÖ-Chef Christian Kern wohl seinen Kanzlerposten abgeben werde müssen. "Der Kurz wird gewinnen", war sich Mörtel sicher. Er sollte recht behalten. "Es ist in etwa so verlaufen, wie ich es mir gedacht habe", meint der Baumeister am Tag nach der Wahl gegenüber News.at. Überrascht habe ihn nur das Ergebnis der SPÖ, er hätte nicht erwartet, dass der Kanzler doch noch so viele Stimmen erhält.

»Rot-Schwarz darf es nicht mehr geben«

Mit dem Sieg von Sebastian Kurz sieht Richard Lugner die große Koalition zwischen SPÖ und ÖVP abgewählt. "Ich bin einer, der sagt, Rot-Schwarz darf es nicht mehr geben", sagt der Baumeister. Für ihn wäre es "am vernünftigsten", eine schwarz-blaue Koalition einzugehen.

© Richard Lugner privat Richard Lugner als Sebastian Kurz in der ORF-Sendung "Wir sind Kaiser"
»Sebastian Kurz hat Angst vor Schwarz-Blau«

Dass ist wirklich dazu kommen wird, ist für Lugner aber nicht sicher. "Sebastian Kurz hat Angst vor Schwarz-Blau, denn Strache ist nicht so streichelweich", meint Mörtel. Aber gebe es überhaupt eine Alternative zu einer Koalition zwischen ÖVP und FPÖ?

Eine Neuauflage von Rot-Schwarz ist für Richard Lugner so gut wie ausgeschlossen, dafür ist in den letzten Jahren zu viel gestritten worden, auch Rot-Blau kann er sich nicht vorstellen. Seiner Meinung nach denkt der ÖVP-Chef aber über ein Minderheitenkabinett nach. "Kurz hat das Gehabe eines Alleindiktators", meint Lugner. "Verstehen Sie mich nicht falsch, er ist nicht schlecht, aber in einer Demokratie bestimmt nicht nur einer", so der Baumeister.

Gedankenexperiment Minderheitenregierung

Sollte Sebastian Kurz sich für eine Minderheitenregierung entscheiden, würden laut Richard Lugner unter anderem Matthias Strolz (Bildung) oder Irmgard Griss (Justiz) von den Neos als Minister in Frage kommen. Auch die Grünen hätten ein Wörtchen mitreden können, aber dazu wird es nach vorläufigem Ergebnis wohl eher nicht kommen. Lugner prognostizierte dies schon im Vorfeld. Für Lunacek und Co. könnte es "gefährlich werden", meinte er bereits zwei Wochen vor der Wahl. Peter Pilz hingegen könnte künftig mitmischen, SPÖ und FPÖ solle man bei einem derartigen Experiment aber "draußen lassen".

Letztlich ist besagte Minderheitenregierung für Lugner aber bloß eine theoretische Möglichkeit. Besser wäre es seiner Meinung nach, Sebastian Kurz würde dem Wählerwillen entsprechen und sich für eine Koaltion mit der FPÖ und deren "nicht streichelweichen" Parteichef Heinz-Christian Strache entscheiden.