Gewerkschaft von

Stillstand bei der Lufthansa

Erster Streiktag- doch Chaos blieb aus. Fluglinie rechnet nicht mit schneller Einigung.

Lufthansa © Bild: APA/DPA/Federico Gambarini

Die Lufthansa steht still, doch das Chaos bleibt aus. Zu Beginn des Pilotenstreiks ist es am Mittwoch an den deutschen Flughäfen ruhig geblieben, am Frankfurter Flughafen waren in der Abflughalle kaum Schlangen an den Schaltern zu sehen. Eine vorzeitige Beendigung des auf drei Tage angesetzten Streiks scheint ausgeschlossen. Für Entspannung sorgte indes eine Tarifeinigung bei den Fluglotsen.

Der Plan der Lufthansa sei es, möglichst viele Passagiere gar nicht erst zum Flughafen anreisen zu lassen, sagte eine Unternehmenssprecherin. Auch am zweiten großen Drehkreuz der Lufthansa, dem Flughafen München, war die Lage entspannt. Durch die geringere Anzahl an Starts und Landungen sei weniger los, sagte ein Sprecher. Der Flughafen habe zwar Kontakt zu Hotels aufgenommen, sollte die Lufthansa Unterstützung bei der Versorgung gestrandeter Passagiere benötigen. Doch dies sei rein "präventiv".

Nur Zehntel der Flüge normal

Laut dem Sonderflugplan will die Lufthansa bis Freitag rund 500 Verbindungen fliegen - etwas mehr als ein Zehntel des normalen Flugbetriebs. Rund 3.800 Flüge fallen während des Streiks aus, darunter 158 Österreich-Flüge. Bis Mittwochmittag sei der Sonderflugplan eingehalten worden, sagte der Leiter des Lufthansa-Flugbetriebs, Werner Knorr.

Die österreichische Lufthansa-Tochter AUA hilft dem Mutterkonzern aus. "Wir sind heute mit einer Boeing 777 nach Frankfurt geflogen", sagte eine Sprecherin auf APA-Anfrage, morgen ist der Einsatz einer Boeing 767 geplant. Mit solchen Großraumfliegern hebt die AUA normalerweise nur zu weit entfernten Zielen wie New York oder Tokio ab. Bei der AUA hat der größte Streik in der Geschichte der Lufthansa am Mittwoch bisher zu keinen Verspätungen oder Ausfällen geführt.

Einigung mit Fluglotsen

Für Entspannung sorgte am Mittwoch eine Tarifeinigung bei den Fluglotsen. Wie die Deutsche Flugsicherung (DFS) am Mittwoch mitteilte, erhalten die Fluglotsen rückwirkend mit Jahresanfang 1,8 Prozent mehr Gehalt für zwölf Monate. Damit ist ein Streik, der tausende Flugausfälle auslösen könnte, vom Tisch. Die Gewerkschaft der Flugsicherung (GdF) hat den Flughafenbetreitern und Fluglinien in der Vergangenheit mit Streiks enormen Ärger bereitet, weil ihre Mitglieder an wichtigen Schaltstellen sitzen.

Der Pilotenstreik ist für die Lufthansa eine logistische Kraftanstrengung. Über 100 Flugzeuge stehen an ausländischen Flughäfen, um am Samstag den Betrieb schnellstmöglich wieder normal aufnehmen zu können. Deshalb halten dort auch bis zu 1800 Besatzungsmitglieder auf. Rund 10.000 Mitglieder des Kabinenpersonals sind laut Lufthansa insgesamt vom Streik betroffen. Dienstpläne mussten demnach umgestellt und Flugrouten verändert werden.

Auch Konkurrenz bucht Passagiere um

Damit ein Teil der Passagiere doch noch ans Ziel kommt, spannt die Lufthansa nach eigenen Angaben nicht nur die Töchter Swiss und Austrian Airlines und die Partnerfluggesellschaften der Star Alliance ein. Auch auf die Konkurrenz würden Passagiere umgebucht, erklärte die Lufthansa. Zudem können Kunden auf Deutschland-Verbindungen ihre Tickets in Bahnfahrkarten umtauschen.

Eine Sprecherin der Deutschen Bahn sagte, es sei bisher nicht nötig gewesen, Sonderzüge einzusetzen, da es keine "größeren Anstürme" von Reisenden gegeben habe. Die Deutsche Bahn erwartet 20.000 zusätzliche Fahrgäste durch den Pilotenstreik. Der Autovermieter Sixt teilte mit, dass die Auswirkungen des Streiks schon zu spüren seien. Es gebe eine Verlagerung von den Flughäfen an Bahnhöfe.

Keine Ende in Sicht

Ein vorzeitiges Ende des Streiks ist nicht in Sicht. "Während der Streikphase wird nicht verhandelt", sagte Knorr. Selbst wenn es zu einer Einigung käme, brauche die Lufthansa 48 Stunden, um wieder zum Normalbetrieb zurückzukehren. Die Piloten haben angekündigt, sich erst bei einem verbesserten Angebot der Lufthansa wieder an den Verhandlungstisch zu setzen.

"Es ist ein Tag der Entschlossenheit", sagte Ilja Schulz, Chef der Pilotengewerkschaft. Der Beruf bringe viele Belastungen mit sich, weshalb Flugzeugführer weiter selbst entscheiden sollten, wie lange sie arbeiten. "Wir können aus Sicherheitsaspekten nicht Piloten ins Cockpit zwingen, die sich nicht fit fühlen", betonte er. 200 Lufthansa-Piloten demonstrierten am Mittwoch in Frankfurt gegen die Pläne der Fluggesellschaft, die bisherige Frühpension ab 55 Jahren abzuschaffen. Die Lufthansa will das Austrittsalter, ab dem ein 60-prozentiges Übergangsgeld bis zur Regelpension bezahlt wird, auf 60 Jahre anheben.

Kommentare

Es ist für mich nicht nachvollziehbar, dass bei diesen Gehälten und Vergünstigungen gestreikt wird, ich bin manchmal fassungslos über die Unverschämtheit. Wenn ich in der Privatwirtschaft streike war`s das für mich. Ob gerecht oder nicht ! Die Zeiten haben sich geändert und manche können das einfach nicht erkennen. Das heißt nicht, dass man sich alles gefallen lassen muss, aber man muß sich der Situation anpassen. Wie kommen wir dazu, dass wir unseren Job (nicht fliegen können) nicht machen können, nur weil einige den Kragen nicht voll kriegen !

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