Luftfahrtkonzern EADS beendet Führungs-Streit: Forgeard und Humbert treten zurück

A380-Verzögerungen: Gallois & Humbert rücken nach PLUS: Die Chronologie der Konzernkrise bei EADS

Nach dem Desaster um die Verzögerungen bei der Auslieferung des Großraumflugzeuges Airbus A380 bekommt der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS nach nur einem Jahr eine neue Führungsriege. EADS-Co-Chef Noël Forgeard sowie der deutsche Airbus-Chef Gustav Humbert sind mit sofortiger Wirkung von ihren Ämtern zurückgetreten. Nachfolger von Forgeard wird der bisherige Chef der französischen Bahngesellschaft SCNF, Louis Gallios, teilte EADS mit. Der 62-jährige Gallois werde ab sofort gemeinsam mit seinem deutschen Kollegen Tom Enders den EADS- Konzern sowie das EADS Executive Committee führen, hieß es.

Der Manager Christian Streiff wird neuer Chef der Tochter Airbus, womit nach Humbert erneut ein Franzose das Amt übernimmt. Der 51-jährige Streiff war bisher in führender Position beim französischen Mischkonzern Saint-Gobain tätig. Damit ist der wochenlange Führungsstreit bei EADS beendet. Schon seit Tagen kursierten Gerüche und Spekulationen um die Neubesetzung der beiden Ämter. Besonders der Franzose war in den vergangenen Wochen massiv wegen umstrittener Aktienverkäufe und Schuldzuweisungen in der Airbus-Krise in die Kritik geraten.

Am 13. Juni hatte EADS erstmals öffentlich Produktionsprobleme beim mit Spannung erwarteten größten Passagierflugzeug der Welt eingeräumt. Die Besteller der bisher 159 neuen Riesen-Jets wurden über die "Veränderung des Produktionsprogramms" benachrichtigt. Rund sechs Monate vor dem Ersteinsatz des A380 hat Airbus den Auslieferungszeitplan für sein Großflugzeug mit 555 Passagieren um ein gutes halbes Jahr verschoben. Angesichts dieser bereits zweiten Verzögerung bei Airbus hatten mehrere Fluggesellschaften Entschädigungen gefordert oder sogar Abbestellungen in Erwägung gezogen.

Statt wie ursprünglich geplant 20 bis 25 Exemplare könnten im nächsten Jahr "maximal neun" A380 an die Kunden gehen, ließ Airbus Mitte Juni mitteilen. Im Jahr darauf werden demnach fünf bis neun Flugzeuge weniger ausgeliefert als bisher geplant, 2009 etwa fünf Flugzeuge. Wegen dieser heftigen Gewinnwarnung verlor der Kurs der EADS-Aktie fast ein Drittel seines Wertes und erholte sich bis heute kaum.

Vor Bekanntwerden der Produktionsprobleme beim A380 hatte Forgeard Aktienoptionen mit 3,7 Millionen Euro Gewinn gezogen. Er bekräftigte zwar, er habe die Aktien bereits im März verkauft, aber erst im Mai von den A380-Problemen erfahren. Doch die französische Börsenaufsicht ermittelt wegen Insiderverdachts. Der frühere Airbus- Chef Forgeard und sein Nachfolger Humbert sahen sich nicht nur wegen der Produktionsprobleme wachsender Kritik ausgesetzt, sondern auch großer Unzufriedenheit auf Seiten der Kundschaft hinsichtlich des geplanten A 350.

Das für das Jahr 2010 angekündigte Modell stieß bei wichtigen Kunden auf Kritik und fand zuletzt weniger Zuspruch als das Konkurrenz-Modell 787 Dreamliner des US-Rivalen Boeing. Bis Mitte Juli sollte über Veränderungen bei dem Flieger entschieden werden. Forgeard hielt jedoch gegen alle Kritik an seinem Amt fest. "Ich bin kompetent und anständig", versicherte Forgeard dem Finanzausschuss der Nationalversammlung noch vor wenigen Tagen in Paris. Forgeard war einst Chiracs Berater und mit dessen Hilfe bis in die EADS-Spitze aufgerückt.

Auch Humbert (56) fiel den wachsenden Liefer- und Produktionsproblemen und dem Druck der deutschen und französischen EADS-Großaktionären zum Opfer. "Es ist wahrscheinlich, dass etwas passiert", teilten sie vor wenigen Tagen mit. Zusätzlich beschloss das EADS, den Geschäftsbereich Airbus enger in die Organisationsstruktur der EADS zu integrieren, sobald die Übernahme des von BAE Systems gehaltenen 20-Prozent-Anteils an Airbus abgeschlossen sei.

DaimlerChrysler ist auf deutscher Seite bei EADS Großaktionär mit noch rund 22,5 Prozent, auf französischer Seite wird ein Anteil des privaten Medienkonzerns Lagardère von 7,5 Prozent mit einem 15- prozentigen Anteil des Staates gebündelt, die spanische Staatsholding SEPI hielt zuletzt knapp 5,5 Prozent, der Rest liegt bei angelsächsischen Fonds und anderen privaten Anlegern. EADS hat 2005 mit Airbus-Flugzeugen, Rüstungsgütern und der Raumfahrt einen Umsatz von 34,2 Milliarden Euro erzielt und beschäftigt 113 000 Mitarbeiter. Airbus steuerte mit 22,1 Milliarden Euro den Löwenanteil zum Umsatz bei. Der Reingewinn betrug im Vorjahr knapp 1,7 Milliarden Euro.

2,75 Milliarden für Airbus-Anteil
EADS muss für den 20-prozentigen Airbus-Anteil 2,75 Milliarden Euro an den britischen Rüstungskonzern BAE Systems bezahlen. EADS werde die Summe in bar begleichen, teilte der Konzern mit. Da sich BAE und EADS nicht auf einen Preis einigen konnten, war die Investmentbank Rothschild als Schlichter berufen worden.

Diese setzte den Preis mit 2,75 Milliarden Euro fest. Der Abschluss der Transaktion bedarf der Mitteilung zufolge noch der Zustimmung der Aktionäre von BAE Systems. Damit wird EADS alleiniger Eigentümer von Airbus.

(apa/red)