Niki-Pleite von

Kern will Niki-Airline retten

Aber "keine schnelle Lösung"

Niki © Bild: APa/AFP/Kusch

Nach dem gescheiterten Übernahmedeal der Fluglinie Niki durch Lufthansa hat Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) Bemühungen um eine Rettung betont. "Wir wollen, dass die Arbeitsplätze und die Fluglinie gerettet werden", sagte Kern beim EU-Gipfel am Donnerstag in Brüssel.

An sich sei Niki "ein überlebensfähiges Unternehmen", sagte Kern. Die Bundesregierung stehe zu Beratungen auch am Wochenende zur Verfügung. Gleichzeitig betonte Kern, es werde "keine schnelle Lösung" geben. Es gehe jetzt aber einmal darum, eine Skizze zu haben, dann werde man sehen, ob es möglich sei, das Unternehmen aufzufangen.

Um die Fluggäste wolle man sich auf jeden Fall kümmern. Die Regierung sei im Gespräch mit dem Masseverwalter und der EU-Kommission

Leitl hofft auf Rettung

Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl hofft auf Niki Lauda für die Rettung von Niki. "Wenn er das in die Hand nimmt, bin ich zuversichtlich, dass auch eine gute Lösung folgen wird", sagte er am Donnerstag. Lauda kenne die Situation der von ihm gegründeten Airline und der Branche insgesamt. "Jetzt ist Herr Lauda am Zug", schließlich habe er in den Medien "eine Ansage gemacht".

Kritik gibt es von Leitl an der Entscheidung der Wettbewerbshüter der EU, schärfere Bedingungen für eine Übernahme durch Lufthansa zu verlangen. Auf die Frage, ob es gescheit gewesen wäre, Niki Lufthansa zuzuschlagen, sagte Leitl: "Aus meiner Sicht ja". Europa brauche in der Konkurrenz zu Airlines im arabischen Raum eine starke Luftfahrtwirtschaft. Wenn Europas Wettbewerbsregeln der Vereinigung von Niki und Lufthansa entgegenstünden, müsse man überlegen, "ob in diesem Fall, wenn man es aus internationaler Sicht sieht, gerechtfertigt sind. Das gehört sicher hinterfragt".

Passend dazu: Fragen und Antworten zur gescheiterten Niki-Übernahme

Zugleich unterstützt Leitl die Ankündigungen der noch amtierenden Regierung, für die Rückholung von im Ausland gestrandeten Niki-Passagieren einzuspringen. Den Menschen, die die gebuchte und bezahlte Leistung plötzlich nicht mehr erhalten "ist zu helfen. Ich würde mir wünschen, dass die Bundesregierung den Betroffenen umgehend hilft". Das gelte für die, die im Ausland sind und plötzlich nicht mehr wissen, wie sie heimkommen können, nicht aber für alle, deren künftige Tickets verfallen dürften.

Leitl gegen staatliche Unterstützung

Leitl ist aber gegen eine staatliche Unterstützung der insolventen Niki: "Nicht, dass man jetzt Steuergeld in ein Unternehmen hineinpumpt, wo man eigentlich nicht weiß, wie es weitergeht", sagte er am Rande einer Pressekonferenz. Sonst könnte bald jedes insolvente Unternehmen mit der Forderung nach Unterstützung kommen. Ohnehin hätten wohl die EU-Wettbewerbshüter Einwände gegen staatliche Hilfen für Niki.

Niki Betroffene
© APA/Hirsch

Rückholaktion angelaufen

Die Rückholaktion österreichischer Passagiere nach der Niki-Pleite ist angelaufen. Das sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums am Donnerstag zur APA. Entgegen erster Schätzungen sind knapp über 5.000 Passagiere betroffen, die nach Österreich zurück geholt werden sollen. Am Flughafen Wien fand eine Mitarbeiterveranstaltung statt. 1.000 Mitarbeiter sind betroffen. Soforthilfe hat am Donnerstag ausgerechnet der erbitterte Konkurrent am Airport Wien, die AUA (Austrian Airlines) angeboten.

Im ersten Schritt werde versucht Niki-Passagiere auf bestehenden Flügen anderer Airlines unter zu bringen. Damit sei bereits begonnen worden. Sollten diese Kapazitäten nicht reichen, werde man zusätzliche Charterflüge bei der AUA (Austrian Airlines) in Auftrag geben, so Sprecher Andreas Strobl.

AUA holt Ersatzflugzeuge aus Werkstätten

Auch die AUA (Austrian Airlines) stellt kurzfristig neue Kapazitäten auf. Dazu werden Flugzeuge aus den Hangars geholt.

Im Winter werden bei den Fluggesellschaften viele Flugzeuge technischen Checks und Wartungen unterzogen. In den reise-aufkommensschwachen Wintermonaten ist es deshalb leichter, für andere Airlines einzuspringen, sagte ein AUA-Sprecher am Donnerstag zur APA. "Im Sommer wäre so etwas nicht möglich gewesen."

Die AUA als mit Abstand größte Airline mit Heimatflughafen Wien ist dazu seit gestern schon mit dem Verkehrsministerium in Kontakt. "Wir stehen für Rückholaktionen soweit wie irgendmöglich parat", teilte AUA-Chef Kay Kratky heute mit.

Details über erste Flüge werden in Kürze erwartet.

350.000 Tickets verlieren Gültigkeit

Mit Einstellung des Flugbetriebs verlieren nach Angaben des Masseverwalters rund 350.000 ausgestellte und bezahlte Einzeltickets ihre Gültigkeit. Dazu kommen 410.000 über Reisebüros und -veranstalter gebuchte - aber in der Regel noch nicht ausgestellte - Tickets. Dem Insolvenzverwalter zufolge hatten in den nächsten 14 Tagen knapp 40.000 Passagiere ihren Heimflug mit Niki geplant, von diesen hatten 15.500 selbst gebucht, die restlichen 25.500 über Reisebüros. Das Niki-Grounding kam genau zur Weihnachtsreisezeit. GPA-Chef Wolfgang Katzian hofft auf eine Rettung. Er sagte im "Ö1-Morgenjournal", es gebe nach der Insolvenz drei bis vier potenzielle Interessenten für Niki.

Chaos in Berlin blieb aus

Das erwartete große Chaos am Flughafen Berlin-Tegel nach der Insolvenz heute früh ist allerdings ausgeblieben. Rund zwei Dutzend Niki-Kunden waren am frühen Morgen zum Flughafen gekommen.

"Wir haben von nichts gewusst", sagte ein zorniger Familienvater, der mit Frau und Tochter in der Nacht aus Polen angereist war.

Anderen Kunden war von ihren Reisebüros geraten worden, trotz Insolvenz zum Flughafen zu fahren, um Entschädigungsansprüche geltend zu machen. "Sie haben mir gesagt, wir sollen trotzdem zum Flughafen kommen", sagte der Kunde Wolfgang Sonne aus Rathenow im deutschen Brandenburg, der mit seiner Frau in Tegel wartete. "Ich habe keine Ahnung, wie es jetzt weitergeht."

Deutsche Airlines wollen helfen

Deutschen Airlines wollen bei dem Rücktransport von gestrandeten Passagieren aus dem Ausland helfen. Die Fluggesellschaften würden Niki-Fluggästen, die keine Pauschalreise gebucht haben, noch verfügbare Sitzplätze zu Sonderkonditionen anbieten, erklärte der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft am Donnerstag in Berlin. Dabei handelt es sich um eine Art Aufwandsentschädigung. Für Pauschalreisende seien die Reiseveranstalter verantwortlich.

Der deutsche Ferienflieger Condor will Passagiere, die direkt bei Niki gebucht haben, nach eigenen Angaben kostenfrei nach Deutschland zurückfliegen soweit Sitzplätze verfügbar sind. Condor kündigte den Aufbau zusätzlicher Kapazitäten an. Die Reisenden sollten sich direkt an die Check-in Schalter am dem jeweiligen Flughafen wenden. Nach Angaben des Insolvenzverwalters Nicolas Flöther wollten in den kommenden 14 Tagen rund 40.000 Flugreisende mit Niki ihre Heimreise antreten. Davon hatten rund 15.500 ihre Reise selbst gebucht.

Berliner Gericht bestellt Insolvenzverwalter

Das Amtsgericht Charlottenburg in Berlin hat den Insolvenzantrag der Air-Berlin-Tochterfirma Niki angenommen. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde Lucas Flöther bestellt, wie das Gericht am Donnerstag mitteilte. Flöther ist bereits bei der Mutter Air Berlin als Insolvenzverwalter tätig.

Im vorläufigen Gläubigerausschuss sitzen Vertreter von TUIfly, der Leasinggesellschaft Falcon Aero Space und der Bundesagentur für Arbeit.

Vor der Annahme des Antrags habe das Gericht geprüft, ob es international zuständig sei und dies bejaht, heißt es in der Mitteilung. Niki sei zwar nach österreichischem Recht gegründet und habe nach ihren Statuten ihren Sitz in Wien.

Maßgeblich sei jedoch der "Mittelpunkt der hauptsächlichen Interessen der Schuldnerin". Dieser liege in Berlin, unter anderem weil Niki gesellschaftsrechtlich mittelbar in die Air-Berlin-Unternehmensgruppe eingegliedert sei. Auch sei die Mehrheit der von Niki geleasten Flugzeuge in Deutschland stationiert, von Deutschland aus werde der ganz überwiegende Teil der Flüge abgewickelt.

Bedrückte Gesichter bei Mitarbeiterveranstaltung

Die Mitarbeiterveranstaltung am Donnerstagvormittag am Flughafen Wien musste aus Platzgründen in einem unterirdischen Gang am Airport stattfinden. Erschienen waren mehrere Hundert Mitarbeiter, die meisten bis auf ein paar Techniker ohne Uniform. Den Beschäftigten waren die Unsicherheit und Sorge nach der Pleite kurz vor Weihnachten ins Gesicht geschrieben.

Gegenüber den Journalisten wollten sich die Mitarbeiter nicht äußern. Dem Vernehmen nach ist eine Erklärung des Geschäftsführers Oliver Lackmann geplant, laut deutschen Medienberichten soll auch der Insolvenzberater Lucas Flöther in Wien sein.

Die Veranstaltung musste nach Problemen mit den Räumlichkeiten in einen unterirdischen, öffentlichen Verbindungsgang verlegt werden, da die Büroräumlichkeiten von Niki aufgrund des Andrangs überfüllt waren. Wie ein Flughafensprecher erklärte, sei der Gang für den Zeitraum der Informationsveranstaltung von Security-Mitarbeitern gesperrt worden.

Niki-Leute können sich sofort bei AUA bewerben

An Piloten, Flugbegleiter und Techniker von Niki erging der Aufruf, sich bei der AUA zu bewerben. Von AUA-Chef Kay Kratky wurde ein beschleunigtes Bewerbungsverfahren zugesagt, Niki-Leute können sich sofort melden.
Die zur Lufthansa gehörende österreichische AUA sucht derzeit mehrere hundert Mitarbeiter - vor allem bis zu 200 fertig ausgebildete Piloten und rund 300 Flugbegleiter. Auch 50 bis 100 Techniker werden gesucht, in der Verwaltung sind rund 20 Stellen frei.
Laut Kratky bietet die AUA für Piloten und Pilotinnen von Niki unter www.austrianpilots.at eine spezielle, auf diese erfahrene Personengruppe ausgerichtete, so genannte "Fast Track Selection" an. Für Flugbegleiterinnen gibt es am 21. Dezember um 8:30 ein Casting im AUA-Trainingscenter. Das richtet sich speziell auch an Mitarbeiter von Niki. Laut AUA reicht es dafür, einen kurzen Lebenslauf mitzubringen. Ein zweiter Vorsprachetermin wird gerade noch gesucht.
Hinzugefügt wurde aber, dass nicht alle in Frage kommenden Leute sofort aufgenommen werden können, und dass auch der Bewerbungsprozess selbst Zeit in Anspruch nehmen wird.
Für die per heute stillgelegte Niki Luftfahrt gab es von Kratky Komplimente: "Niki ist ein respektabler Mitbewerber mit guten Mitarbeitern, die sich in den vergangenen Jahren einen guten Ruf im Ferienflugbereich erarbeitet haben", so Kratky in einem der APA übermittelten Statement. "Wir bedauern die schwierige Situation und fühlen uns kollegial verbunden."

Konsumentenschützer fordern Insolvenzabsicherung

Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Oberösterreich fordern eine Insolvenzabsicherung auch für Fluglinien und nicht wie bisher nur für Reiseveranstalter. Denn ansonsten bestehe eine Ungleichbehandlung der Reisenden, argumentierten sie in einer Presseaussendung am Donnerstag. Sie wollen eine Lösung auf europäischer Ebene, damit für die Fluglinien einheitliche Bestimmungen herrschen.

Die aktuelle Situation bei Niki und zuvor schon bei Air Berlin im heurigen Sommer zeige die Ungleichbehandlung bei Reisenden auf: Konsumenten, die einen Flug im Rahmen einer Pauschalreise über einen Reiseveranstalter buchen, sind über dessen Insolvenzabsicherung geschützt. Er muss im Fall einer Pleite der Airline für Ersatzflüge sorgen.

Doch Internetbuchungen und damit der Kauf einzelner Reisebausteine werden immer beliebter. Bei direkt bei den Airlines oder über Online-Plattformen gebuchten Flügen müssen die Konsumenten im Fall der Insolvenz selbst einen alternativen Flug organisieren und bezahlen, was wegen der Kurzfristigkeit wohl teuer wird. Beim Rückflug sind sie dazu gezwungen, beim Hinflug drohen hohe Stornokosten der Ferienunterkunft. Im Insolvenzverfahren ist nur eine geringe Quote des Ticketpreises oder gar kein Ersatz zu befürchten. Zur Anmeldung der Forderungen muss auch noch investiert werden: Die Gebühr in Österreich beträgt derzeit 22 Euro.

Lauda will schnell Termin beim Insolvenzverwalter

Der ehemalige Rennfahrer und Unternehmer Niki Lauda will die Möglichkeiten einer etwaigen Übernahme der insolventen Fluglinie Niki in Kürze ausloten. "Ich versuche, so schnell wie möglich einen Termin beim Insolvenzverwalter zu bekommen, um weitere Schritte zu besprechen", sagte der 68-Jährige am Donnerstag in Wien.

Lauda hatte bereits sein anhaltendes Interesse am Kauf der Airline signalisiert und gestern gegenüber der APA bekräftigt. Er hatte Niki 2003 gegründet und war 2011 ausgestiegen. Die Air-Berlin-Tochter hat in der Nacht zum Donnerstag den Flugbetrieb mit ihren 21 Maschinen eingestellt.

Zehntausende Reisende sitzen fest, viele auf Mallorca

Nach dem Aus für die österreichische Air-Berlin-Tochter Niki wollen die deutschen Airlines bei dem Rücktransport von gestrandeten Passagieren aus dem Ausland helfen. Nach Angaben von Masseverwalter Lucas Flöther wollten in den nächsten 14 Tagen 40.000 Menschen mit Niki ihre Heimreise antreten. Davon hatten 15.500 selbst gebucht. Tausende Urlauber warten auf Mallorca auf alternative Heimflüge.

Besonders viele Flüge hatte Niki nach Mallorca, seit die österreichische Airline im heurigen März für Air Berlin den gesamten Mallorca-Verkehr aus dem deutschsprachigen Raum übernahm. Nicht nur aus Österreich, sondern vor allem auch aus Deutschland und der Schweiz. Von Österreich hatte Niki im Winterflugplan 12 wöchentliche Verbindungen nach Mallorca, samt Abflügen aus deutschen und Schweizer Städten standen nicht weniger als 145 Flüge pro Woche auf dem Flugplan. Beworben wurde Niki auch den heurigen Sommer über schon als neuer Mallorca-Shuttle.

Nach Angaben der spanischen Flughafengesellschaft Aena zufolge sind es allein an den ersten vier Tagen 72 Flüge von und nach Palma de Mallorca, die ausfallen. Vor allem am Wochenende hatte es starke Frequenz gegeben: Am Freitag hätten 18 Niki-Maschinen starten und landen sollen, am Samstag 32 und am Sonntag 16, hieß es. Die insgesamt 66 Flüge hätten rund 10.000 Passagiere befördern sollen.

Wütend zeigten sich demnach am Donnerstag Touristen, die über die Weihnachtstage nach Mallorca wollten oder ihren Urlaub für das nächste Jahr bereits gebucht hatten. Es herrsche "Wut und Ratlosigkeit", schrieb die "Mallorca Zeitung" (online).

Betriebsrat mahnt Mitarbeiter zur Ruhe

Der Betriebsratsvorsitzende der insolventen Fluglinie Niki, Stefan Tankovits, mahnte die Mitarbeiter am Donnerstag in einem Statement gegenüber der APA zur Ruhe, die Arbeitsverträge seien weiter aufrecht und nur die Piloten und Flugbegleiter durch das Grounding quasi freigestellt.

Betriebsrat und Arbeiterkammer werden die Mitarbeiter in den nächsten Tagen informieren. Wann eine Betriebsversammlung stattfindet, steht noch nicht fest. Tankovits geht davon aus, dass sich die Zukunft von Niki in den nächsten Tagen entscheidet. Nach einem Gespräch mit dem Insolvenzverwalter sei sein Informationsstand, dass es Interessenten und damit Hoffnung gebe.

Die heutige Informationsveranstaltung war "emotionsgeladen", die Mitarbeiter seien vor allem auf das Air-Berlin-Mangement wütend, da Niki noch vor drei Jahren ein gesundes Unternehmen gewesen sei. Die Bedenken der EU-Kommission kann Tankovits im Grunde nachvollziehen, wobei er die Härte gegenüber der Lufthansa nicht einsieht.

Kommentare

Vor 2 Tagen hat mir NIKI noch Flüge nach Mallorca um Euro 49,00 angeboten. Ermittelt da keine Staatsanwaltschaft ???
Die ganze Causa ist mehr als kriminell.

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