Luftfahrt fliegt nur langsam aus der Krise: Fluglinen kämpfen mit niedrigen Erträgen

Erholung nach Katastrophenjahr wird länger andauern Billig-Airlines besser durch Wirtschaftskrise geflogen

Luftfahrt fliegt nur langsam aus der Krise: Fluglinen kämpfen mit niedrigen Erträgen © Bild: APA/DPA/Stratebschulte

Nach einem dramatisch schlechten Jahr steuert die Luftfahrtbranche nur langsam aus der Zone der schweren Turbulenzen heraus. Der Branchenverband IATA erwartet für 2010 weltweit Verluste von weiteren 5,6 Milliarden Dollar (3,89 Mrd. Euro), das wären noch einmal halb so viel wie im "annus horribilis" (IATA) 2009. Besonders gebeutelt werden demnach die Fluggesellschaften in Europa, wo sich die erfolgsverwöhnte AUA-Mutter Lufthansa mit einem Sparprogramm und Anleihen bei den Billigfliegern zum Gewinner der Krise aufschwingen will.

Die größte deutsche Airline sei bestens vorbereitet für eine Erholung des Marktes, sagt Commerzbank-Analyst Frank Skodzik der Nachrichtenagentur DAPD. Mit dem Kauf der österreichischen AUA, Brussels Airlines und British Midland habe die Lufthansa ihre Marktstellung deutlich gestärkt. Noch hängen die neuen Töchter dem Kranich als Verlustbringer an den Flügeln. Dennoch dürfte der Konzern im operativen Geschäft eine schwarze Null schaffen, während die Konkurrenten British Airways und Air France tiefrote Zahlen schreiben.

Billigflieger besser durch Krise
Besser als die etablierten Riesen seien die Billig-Airlines durch die Krise geflogen, sagt Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler. Die Discounter der Lüfte profitierten davon, dass die Passagiere eher in der Economy- als in der Business-Klasse Platz nehmen und immer öfter Schnäppchen-Tickets im Internet buchen. Die deutsche Nummer zwei, Air Berlin, habe zudem früh angefangen, Kosten zu senken, und ihre Schulden in den Griff bekommen, lobt Pieper: "Im Moment sehe ich sie auf besserem Kurs als die Lufthansa."

Doch wäre der Branchenprimus jetzt schlecht beraten, den Billigfliegern hinterherzulaufen, die bei einem Aufschwung nicht zwangsläufig weiter die Nase vorn hätten. Die Lufthansa tritt derzeit voll auf die Kostenbremse und will im Kerngeschäft Passage bis Ende 2011 eine Milliarde Euro einsparen. In der Verwaltung werden Hunderte Arbeitsplätze abgebaut, betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen. Der Lufthansa steht ein Spagat zwischen Kostensenkung und Premium-Image bevor.

Branche verändert
Die konjunkturelle Krise verändert dauerhaft die Strukturen der Branche. Die IATA schätzt, dass die Zahl der Flugreisenden weltweit 2010 zwar den Spitzenwert von 2007 erreicht, die Airlines aber 30 Milliarden Dollar weniger kassieren. "Die Erträge werden sich vermutlich nie ganz erholen", glaubt IATA-Chef Giovanni Bisignani. Analyst Skodzik vermutet, dass die Airlines erst im Sommer wieder etwas höhere Preise am Markt durchsetzen können.

Weitere große Zusammenschlüsse dürfte die Branche in Europa 2010 wohl nicht erleben. Der Kranich muss erst mal die Brocken AUA und BMI verdauen. Air France/KLM, die bei Alitalia einstieg, kämpft mit mangelnder Rentabilität und Flexibilität; 1.700 Stellen sollen wegfallen. British Airways muss sich am Zusammenschluss mit der spanischen Iberia abarbeiten.

2010 werde eine "sehr, sehr langsame Erholung" bringen, sagt Skodzik. "Aber es wird noch lange dauern, bis die Fluggesellschaften wieder aufatmen können." Der Jahresbeginn sieht unerfreulich aus: Die Lufthansa-Piloten wollen in einer Urabstimmung über einen Streik entscheiden und bei British Airways droht schon im Jänner ein Arbeitskampf.

(apa/red)