Lügner, Horrorfigur, Betrüger oder Held? Thierry Henry spaltet die "Grande Nation"

Sogar Sarkozys Regierung redet ein Wörtchen mit "Barca"-Stürmer bei Match in Bilbao ausgepfiffen

Lügner, Horrorfigur, Betrüger oder Held? Thierry Henry spaltet die "Grande Nation" © Bild: Reuters

Eine Hand spaltet ein ganzes Land: Das irreguläre Tor, das Frankreich nach dem Handspiel von Thierry Henry beim 1:1 am Mittwochabend gegen Irland den Weg zur Fußball-WM 2010 geebnet hat, löst in der "Grande Nation" weiterhin hitzige Diskussionen aus. Während der frühere Teamstürmer Eric Cantona sich des Tors "schämt" und Onlinekommentatoren Henry sogar als "Horrorfigur" anprangern, sieht Patrice Evra seinen Teamkollegen als "Helden" und fordert gar eine Statue für den Stürmer.

"Es gibt viel Heuchelei, da auf den Plätzen ständig Ungerechtigkeiten passieren", meinte der Verteidiger von Manchester United. Hätte Henry sein Handspiel auf dem Platz zugegeben und das Tor annullieren lassen, "wäre er von den selben Leuten kritisiert worden, die ihn jetzt angreifen". Evra ging aber sogar noch weiter: "Und ich hätte ihm gesagt: 'Titi, du hast uns verraten.'"

Die zweite "Hand Gottes" der Fußballgeschichte bringt sogar Unruhe in die Reihen der Pariser Regierung. Staatspräsident Nicolas Sarkozy weigerte sich, "aus der Sache eine Staatsaffäre zu machen" und Premierminister Francois Fillon sagte in Richtung der empörten irischen Regierung, die Politik dürfe sich nicht in den Fußball einmischen.

"Es ist sehr traurig"
Ganz anders denkt Wirtschaftsministerin Christine Lagarde. Sie sprach sich für ein Wiederholungsspiel aus. "Es ist sehr traurig, dass wir uns mit Betrug qualifiziert haben." Der Sprecher der Regierungspartei UMP, Frederic Lefebvre forderte unterdessen in einem Brief an den Präsidenten des europäischen Verbandes UEFA, den Franzosen Michel Platini, die Einführung des Videobeweises. "Die Schiedsrichter werden jeden Sonntag lächerlich gemacht", schrieb Lefebvre.

Aber nicht nur Evra, auch Ex-Weltstar Zinedine Zidane und viele wichtige Persönlichkeiten des französischen Fußballs schlagen sich zunehmend auf die Seite Henrys. "Er ist kein Betrüger", betonte Zidane. Und Antoine Kombouare, Trainer von Paris St. Germain, meinte verärgert: "Hört mit der Heuchelei auf. Wir sind doch alle sehr glücklich, dass Frankreich sich qualifiziert hat".

Ausgepfiffen in Spanien
Weniger Verständnis zeigten die Fans von Athletic Bilbao, die Henry am Samstagabend bei einem sechsminütigen Einsatz für den FC Barcelona gnadenlos auspfiffen. Während der einsichtige Sünder schwieg, sprang Barcelona-Coach Pep Guardiola in die Bresche: "Er ist nicht stolz (auf das Handspiel), aber er hat das nicht mit Absicht gemacht."

Für den Weltverband FIFA ist die Qualifikation des Weltmeisters von 1998 auf jeden Fall eine Tatsache. Irland habe die Hoffnung auf ein Wiederholungsspiel aufgegeben, sagte Verbands-Chef John Delaney am Samstag. Auf der grünen Insel sieht man aber weiter "rot", wenn man an das Ausgleichstor in Paris denkt. "Der Fußball ist der wahre Verlierer", klagte Irlands Ex-Teamchef Mick McCarthy. Verteidiger Sean St Ledger bezeichnete Henry indirekt als "Lügner": "Ich kann nicht glauben, dass er den Ball ohne Absicht berührt hat. Man hat mich eines Kindheitstraums beraubt!"

(apa/red)