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Luciano Benetton übernimmt wieder das Steuer seines Modekonzerns

Mit 82 Jahren will der Industriekapitän das Unternehmen aus der Krise retten

Mit 82 Jahren will der italienische Großunternehmer Luciano Benetton wieder das Ruder seiner Modegruppe übernehmen. Damit hofft Benetton sein Unternehmen zu retten, das eine schwere Krise erlebt.

"2008 hatte ich das Unternehmen mit 155 Mio. Euro Aktiva verlassen. 2016 meldete es Verluste von 81 Mio. Euro. Und dieses Jahr wird es noch schlimmer sein. Für mich ist dies ein unerträglicher Schmerz. Daher kehre ich zusammen mit meiner Schwester Giuliana zurück, die mit 80 Jahren wieder begonnen hat, Pullover zu machen", so der Unternehmer im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" (Donnerstagsausgabe).

"Während andere uns nachahmten, hat United Colors of Benetton seine Farben ausgeschaltet. Wir haben uns selber vernichtet. Unsere strahlenden Shops sind dunkel und traurig wie jene im kommunistischen Polen geworden. Wir haben in Südamerika und in den USA geschlossen. Der Fehler war, dass wir nicht mehr Pullover herstellen. Es ist, als würde man einem Aquädukt das Wasser zudrehen", so Benetton.

"Ich habe mich vom Konzern zurückgezogen, als alles noch gut ging. Ich wollte den Weg für neue Strategien und jüngere Energien freimachen. Doch es hat nicht funktioniert. Ich habe das Unternehmen meinem Sohn Alessandro anvertraut, der vor einem Jahr zurückgetreten ist. Das Unternehmen ist Managern überlassen worden. Einige haben wir inzwischen weggeschickt, andere sind selber gegangen", so Benetton.

Er sei nicht früher in den Konzern zurückgekehrt, weil ihm nicht klar gewesen sei, wie gravierend die Situation war und weil er nicht zur Arbeit zurückwollte. Jetzt sei er dazu gezwungen. "Ich fühle mich nicht schuldig, sondern wütend. Ich denke, dass auch der gesunde Teil des Unternehmens wütend ist. Wut wird uns gut tun", sagte der Unternehmer. Die Zahl der Benetton-Mitarbeiter sei seit 2008 von 9.766 auf 7.328 geschrumpft. Er wolle mit neuen Produkten, mit neuen Shops voller Farben beginnen. Außerdem plane er eine Werbekampagne mit dem Starfotografen Olivero Toscani, der von 1986 bis 2000 mit Benetton zusammengearbeitet hatte.

Der Modekonzern Benetton hat zuletzt schwierige Zeiten erlebt. Vor einem Jahr war Alessandro Benetton, Sohn von Luciano Benetton, aus dem Board des Unternehmens ausgestiegen, weil er mit den Umstrukturierungsplänen für den Modekonzern, die sein Onkel Gilberto vorantreibt, nicht einverstanden war. Mehrere Hundert Jobs wurden im Unternehmen, das die Konkurrenz von Kolossen wie Zara und H&M stark zu spüren bekommen hat, gekürzt.

Zuletzt startete die Modegruppe mit einer Umstrukturierung des Europa-Geschäfts mit Schwerpunkt Straffung des internationalen Retail-Netzes. Die Familie Benetton mischt auch mit der Infrastrukturgesellschaft Atlantia und der Raststättengesellschaft Autogrill mit.

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