Love-Parade-Drama weckt Rachegelüste:
Duisburgs Stadtchef bekam Morddrohungen

Heftig kritisierter Politiker sagt für Trauerfeier ab Schlinge um Veranstalter zieht sich indes weiter zu

Love-Parade-Drama weckt Rachegelüste:
Duisburgs Stadtchef bekam Morddrohungen © Bild: APA/dpa/Scheidemann

Die Kritik am Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland (CDU), reißt nicht ab. Nach der Tragödie auf der Love Parade, in Zuge derer es zu einer Massenpanik mit tödlicher Folge für 20 Menschen kam, soll der Politiker laut Polizeikreisen zuletzt sogar Morddrohungen erhalten haben. An der Trauerfeier für die Verstorbenen in der Duisburger Salvatorkirche wird er jedenfalls nicht teilnehmen. Er wolle "die Gefühle der Angehörigen nicht verletzen und mit seiner Anwesenheit nicht provozieren", hieß es seitens der Stadtverwaltung. Nach dem Drama im Ruhrgebiet geraten auch die Veranstalter des Techno-Events wegen angeblich gravierender Sicherheitsmängel immer weiter unter Druck.

An der Trauerfeier teilnehmen werden der deutsche Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel. In Polizeikreisen hieß es dem Bericht zufolge, auch Sicherheitsbedenken hätten zu der Entscheidung geführt. Gegen Sauerland seien Morddrohungen ausgesprochen worden. Für den morgigen Donnerstag um 09.30 Uhr rufen Technofans laut WDR zu einer Demonstration gegen Sauerland auf.

Den ökumenischen Gottesdienst am Samstag werden der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck und der Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Nikolaus Schneider, halten. Die ARD plant eine Live-Übertragung. In der Stadt sollen Großbildleinwände aufgestellt werden.

Druck auf Verantwortliche wächst
Unterdessen wächst der Druck auf die Verantwortlichen, Konsequenzen zu ziehen. Der Vorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, forderte den Oberbürgermeister in der Onlineausgabe des "Handelsblatts" zum Rücktritt auf.

Die "WAZ - Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet, dass Sauerland spätestens vier Wochen vor dem Unglück über das Sicherheitskonzept informiert war. Das gehe aus einem Sitzungsprotokoll hervor, auf dem handschriftlich das Kürzel Sauerlands vermerkt sei. Das Bauordnungsamt habe massive Bedenken gegen das Sicherheitskonzept erhoben, sich aber nicht durchsetzen können.

"Mir sind keine Warnungen bekannt", hatte Sauerland der "Rheinischen Post" gesagt. Laut "Kner Stadt-Anzeiger" hatte der Direktor der Duisburger Berufsfeuerwehr bereits im Oktober 2009 Sauerland schriftlich gewarnt, der alte Güterbahnhof sei für die zu erwartenden Besuchermassen zu klein.

"Muss das durchhalten"
Sauerland will nicht zurücktreten. Wenn er für die Tragödie die Verantwortung übernähme, würde er für den Rest seines Lebens für 20 Todesopfer verantwortlich gemacht, sagte Sauerland. Das käme einem Eingeständnis gleich, den Tod der 20 Menschen verursacht zu haben, meinte Sauerland. "Ich muss das durchhalten." Er werde nachweisen, keine Fehler begangen zu haben. Die "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" berichtet weiter, der Duisburger Verwaltungschef mache ebenso wie der Loveparade-Veranstalter Lopavent die Polizei für die Katastrophe am Tunnel verantwortlich.

Zu wenige Ordner eingesetzt
Das nordrhein-westfälische Innenministerium macht dem Veranstalter den Vorwurf, weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt zu haben als angekündigt. Das berichtet die "Süddeutsche Zeitung". Demnach hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) dem Kabinett mitgeteilt, der Veranstalter habe in seinem Sicherheitskonzept 150 Ordner für den Bereich der Rampe und der Zugangstunnel versprochen. Tatsächlich seien dann aber offenbar viel weniger Ordner eingesetzt worden. Außerdem habe der Veranstalter Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren.

Polizei wehrt sich: "Frechheit"
Der Loveparade-Organisator Rainer Schaller hatte der Polizei-Einsatzleitung vorgeworfen, die Anweisung zur Öffnung aller Schleusen vor einem der Tunneleingänge gegeben zu haben. Dadurch sei der Hauptstrom der Besucher unkontrolliert in den Tunnel gelangt. Die Deutsche Polizeigewerkschaft nannte die Anschuldigungen eine "Frechheit". Damit wolle der Veranstalter nur von der eigenen Verantwortung ablenken, sagte der Gewerkschaftsvorsitzende Wendt.

(apa/red)