Lothar Matthäus: Ein Weltmeister
verlässt Österreichs Fußball-Bühne

Misserfolg bei Rapid, aber Erfolg bei Salzburg

Ein Weltmeister und Welt-Fußballer tritt von der kleinen rot-weiß-roten Fußball-Bühne ab. Lothar Matthäus, Weltmeister von 1990, Weltfußballer 1990 und 1991 und Europas Spieler des Jahres 1990, ist seit Dienstag nicht mehr Trainer bei Red Bull Salzburg. Der 46-jährige Deutsche war einer der schillerndsten Persönlichkeiten, die der österreichischen Liga je die Ehre gegeben haben. Zweimal trat er in Österreich in Erscheinung, mit unterschiedlichem Erfolg.

Von Herzogenaurach aus hat Matthäus als Spieler die Welt erobert und fast alles erreicht, was es zu erreichen gibt. Der dynamische Mittelfeldspieler und spätere Libero spielte bei großen Klubs wie Borussia Mönchengladbach (1979-1984), Bayern München (1984-1988 und 1992-2000), Inter Mailand (1988-1992) sowie den New York MetroStars (2000), ehe er den Platz auf dem Rasen mit jenem auf der Trainer-Bank wechselte und es ihn nach Österreich verschlug.

Um ein Grundgehalt von 2.500 Mark wechselte der Mittelfeldspieler im Jahr 1979 als 18-Jähriger von Herzogenaurach zu Borussia Mönchengladbach, vier Jahre später war er den Bayern schon 2,4 Mio. Mark Ablöse wert. Beim Münchner Glamour-Klub wurde er zu einem großen Star, auch wenn es Rückschläge gab. Gleich in seinem ersten Jahr holte er mit den Bayern den Titel, 1987 gab es für Matthäus erstmals in Wien eine Enttäuschung. Im Finale des Meistercups musste er sich mit den Bayern dem FC Porto mit 1:2 geschlagen geben und wurde von Manager Uli Hoeneß zum Buhmann gestempelt.

Größte Erfolge in Italien
Im Jahr darauf wechselte Matthäus um 7,5 Mio. Mark von den Bayern zu Inter Mailand und feierte während der vier Jahre in Italien seine größten Erfolge. Er wurde mit Inter Meister (1989), als Kapitän führte er Deutschland am 8. Juli 1990 in seiner Wahlheimat durch einen 1:0-Sieg gegen Argentinien zum WM-Titel und wurde im selben Jahr zum Welt-Fußballer und Welt-Sportler gekürt. Nach dem Titel im UEFA-Cup und der neuerlichen Wahl zum besten Fußballer der Welt 1991 kehrte Matthäus 1992 zu den Bayern zurück und holte seine deutschen Meistertitel Nummer vier, fünf und sechs.

Matthäus hängte noch ein Jahr bei den New York MetroStars an (2000), ehe er als 39-Jähriger seine Karriere beendete. Lediglich der Triumph im europäischen Klub-Fußball blieb ihm verwehrt. Nachdem er mit den Bayern 1987 gegen Porto den Kürzeren zog, setzte es für für Matthäus und die Bayern im Finale der Champions League 1999 eine der wohl bittersten Niederlagen der Fußball-Geschichte, als sie in Barcelona gegen Manchester United bis zu 90. Minute mit 1:0 führten, aber doch noch mit 1:2 verloren.

Kein Erfolg bei Rapid
Im September 2001 gelang Rapid der vermeintlich große Coup. Der österreichische Rekord-Meister angelte sich den 150fachen deutschen Teamspieler als Sportdirektor. Doch die erste Trainer-Station des Weltstars und mittlerweile in dritter Ehe verheirateten "Glamour-Boys", der auch abseits des Fußballs stets für Schlagzeilen gut war, war nicht von Erfolg begleitet. Unter Matthäus landete Rapid nur auf Rang acht und erreichte damit das schlechteste Ergebnis der Klub-Geschichte. Im Mai 2002 trennte sich Rapid wieder von Matthäus, der mit dem von ihm geholten Steffen Hofmann aber immerhin auch ein positives Erbe hinterließ.

Nach weiteren Trainer-Tätigkeiten bei Partizan Belgrad, als Teamchef von Ungarn und als Kurzzeit-Coach von Atletico Paranaense in Brasilien wurde Matthäus am 19. Mai 2006 als Trainer von Red Bull Salzburg präsentiert. Gemeinsam mit Teamchef Giovanni Trapattoni und mit den Red Bull-Millionen machte "Loddar" aus dem Star-Ensemble die überragende Mannschaft in Österreich und führte das Red Bull-Team überlegen zum Meistertitel. Eine weitere Krönung in Form der angepeilten Qualifikation für die Champions League blieb Matthäus aber verwehrt.

(apa/red)