Lorde von

Kampf-Kiwi

Die 17-jährige Sängerin Lorde ist Kult. Doch sie macht sich ständig Feinde.

Lorde © Bild: 2013 AFP/Getty/VALERIE MACON

Adelig werde sie nie sein und nur in ihren Träumen einen Cadillac in Betrieb nehmen. Durchaus realistische Vorsätze, welche die Neuseeländerin Ella Maria Lani Yelich-O'Connor, 17, im Song "Royals" artikuliert: Der Erwerb eines Adelstitels ist kompliziert und kostet viel. Und ein umwelttechnisch unkorrektes Fahrzeug brächte der als "Lorde" bekannten jungen Dame womöglich noch mehr Ungemach ein, als sie schon hat. Denn zwar läuft das Berufliche vorzüglich: In den USA schoss der Titel auf Platz 1 und lukrierte vier Grammy-Nominierungen. In Österreich sind die Top-10 erreicht, und die Tendenz steigt.

Außerkünstlerisch aber steht nicht alles zum Besten, denn die Künstlerin legt sich bevorzugt mit erfolgreicheren Kollegen an. Justin Bieber, so diagnostizierte sie treffend, aber undiplomatisch, wäre ein Radaubruder, der das Show-Biz beschädige. Seine singende On-Off-Flamme Selena Gomez wiederum wäre ein antifeministisches Ärgernis, habe sie doch im Song "Come and get it" explizite Einladungen zum offenen Geschlechtsvollzug formuliert. Solche Texte, ließ Lorde altklug wissen, wären tunlichst zu entsorgen. Darüber hinaus gab sie auch der durchaus explizit agierenden Rapperin Nicki Minaj und der stets auf Niveau larmoyanten Lana del Rey Säuerliches: "Ich habe mir Songs der beiden angehört und kann nicht verstehen, warum man sich so etwas antut. Diese Songs sind einfach irrelevant." Sagt die Dame, deren Wirken an Relevanz schon zumindest die amerikanische Unabhängigkeitserklärung egalisiert hat.

Derlei Unfreundlichkeiten bleiben nicht ohne Konsequenz. Lorde stemmt sich schon beinahe routinemäßig gegen grimmige Shitstorms, die von erbosten Anhängern der brüskierten Stars entfesselt werden.

»Warum soll man sich Songs von Nicki Minaj und Lana del Rey antun?«

Gut möglich auch, dass bei den Grammy Awards am 26. Jänner im Staples Center von Los Angeles die Plätze neben der hoffnungsfrohen Anwärterin leer bleiben. Immerhin, so muss man ihr zugute halten, schont sie auch sich selbst nicht: "Wenn ich auf der Bühne performe, überlege ich nicht, wie ich aussehe. Ich fühle einfach nur die Musik, aber ich weiß, dass ich dann genauso aussehe, wie Gollum aus ,Herr der Ringe'. Vielleicht sollte es ja ,Lorde of the Rings' heißen", scherzte sie kürzlich im Interview. Gollum? Richtig, das Glatzenmonstrum aus der Tolkien-Verfilmung.

Wo sie da die optischen Gemeinsamkeiten wahrnimmt, müsste noch erforscht werden. Charakterlich allerdings ist die Sache nachvollziehbar: Auch Gollum ist eine gespaltene Persönlichkeit. So wie die Radauschwester, die auf der Bühne zur lauteren Schönheit erblüht.

Lorde
© 2013 Getty Images/Kevin Winter

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