London-Anschlag von

Täter waren amtsbekannt

Die britische Polizei sucht nach den Hintergründen der Bluttat in Woolwich

Die Kaserne in Woolwich © Bild: REUTERS/Luke MacGregor

Die britische Polizei arbeitet fieberhaft an der Aufklärung der Hintergründe der schockierenden mutmaßlichen Terrorattacke auf einen Soldaten in London. "Dies sind große und komplexe Ermittlungen, die sich schnell verändern können", hieß es von Scotland Yard. Man verfolge zahlreiche Spuren. Am Donnerstagabend wurden zwei weitere Verdächtige festgenommen, ein Mann und eine Frau, beide 29 Jahre alt. Sie wurden von der Polizei verhört. Die Frau wurde allerdings wieder frei gelassen. Mehrere Wohnungen in verschiedenen Teilen Londons und in der Grafschaft Lincolnshire wurden durchsucht.

Die beiden Hauptverdächtigen, die 22 und 28 Jahre alt sein sollen, lagen unter scharfer Bewachung weiter im Krankenhaus. Die Polizei hatte sie am Mittwoch angeschossen, nachdem sie mit den mutmaßlichen Tatwaffen in der Hand bei dem ermordeten Soldaten angetroffen worden waren. Beide Männer hätten keine lebensgefährlichen Verletzungen, hieß es. Die Männer waren der Polizei bekannt. Der Sender BBC berichtete, einer von ihnen sei 2007 bei einer islamistischen Demonstration in Luton bei London dabei gewesen.

Frauen wieder frei

Zwei weitere festgenommene Verdächtige sind wieder frei. Es habe keine Anklagen gegen die 31 und 29 Jahre alten Frauen gegeben, teilte die Londoner Polizei Scotland Yard mit.

Regierungsvertreter Eric Pickles betonte jedoch gegenüber der BBC, es sei unmögich, in einer freien Gesellschaft jede Person zu jedem Zeitpunkt zu kontrollieren. Und auch der ehemalige Anti-Terror-Chef des Geheimdienstes MI6, Richard Barrett, bestätigte die Schwierigkeiten, Attentate solcher Art vorherzusagen. "Wann wird eine Person, die radikale Ansichten vertritt, zu einem gewalttätigen Extremisten?", so die rhetorische Frage Barretts. Es sei enorm schwer, hier eine rote Linie zu ziehen, sagte er der BBC.

Wollte schon immer Soldat werden

Der 25-jährige Soldat war unter anderem mit einem Fleischerbeil zu Tode gehackt worden. Er war Vater eines zweijährigen Sohnes und nach Angaben des britischen Verteidigungsministeriums 2009 in Afghanistan und danach auch in Deutschland (Celle) stationiert. Seine Familie drückte in einer Stellungnahme ihre Trauer aus und erklärte, er habe schon immer Soldat werden wollen. Bis zum Abend legten Menschen am Tatort Blumen nieder.

Die beiden mutmaßlichen Täter hatten bei dem Mord islamistische Parolen ausgerufen. Bei den Männern soll es sich um britische Staatsbürger mit Verbindungen nach Nigeria handeln. Sie waren der Polizei bekannt.

Zusätzliche Polizeipräsenz

In den kommenden Tagen will die Polizei in London mit zusätzlichen Beamten Präsenz zeigen. Für das am Samstag anstehende Champions-League-Finale werden Zehntausende Besucher aus Deutschland erwartet. Die Finalteilnehmer Borussia Dortmund und Bayern München erklärten, sie reisten ohne Bedenken nach London.

Mehrere muslimische Gruppen in Großbritannien verurteilten den mutmaßlichen Terrorangriff scharf. Eine solche barbarische Tat habe keinerlei Basis im Islam, hieß es am Donnerstag vom britischen Muslimrat. Alle Menschen und Gruppen, egal ob muslimisch oder nicht, müssten nun zusammenhalten. Die Polizei müsse dafür sorgen, dass keine Spannungen hochkochten. Der Rat betonte zudem, dass Muslime seit langem als Soldaten in der britischen Armee arbeiteten, und dies mit Stolz täten.

Auch US-Präsident Barack Obama verurteilte den Mord. "Es kann absolut keine Rechtfertigungen für solche Taten geben", sagte der Präsident laut einer am Donnerstag in Washington veröffentlichten Mitteilung. Die USA stünden entschlossen an der Seite Großbritanniens.

Kommentare

Ist ja direkt beruhigend, dass die Täter schon der Polizei bekannt waren !

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