London-Anschläge: Knappe Geheimdienst- Mittel verhinderten Entdeckung der Täter

Aus Geldmangel wurden Täter vorab nicht verfolgt Terroristen handelten alleine: Al-Kaida half nicht

London-Anschläge: Knappe Geheimdienst- Mittel verhinderten Entdeckung der Täter

Knappe Mittel und schlechte Ausrüstung der britischen Geheimdienste haben die Ausforschung der Selbstmordattentäter von London verhindert. Zwei der vier Attentäter sind bereits vor den Anschlägen ins Visier der Sicherheitsbehörden geraten. Dies geht aus einem am Donnerstag veröffentlichten offiziellen Bericht des britischen Parlaments hervor. Eine Verbindung der Attentäter zum internationalen Terrornetzwerk Al-Kaida ist demnach "wahrscheinlich".

Am 7. Juli 2005 hatten sich in der Londoner Innenstadt vier mutmaßliche islamistische Extremisten in die Luft gesprengt, drei in der U-Bahn und einer in einem Bus. Dabei kamen einschließlich der Attentäter 56 Menschen ums Leben, 700 weitere wurden verletzt.

Mohammed Sidique Khan und Shehzad Tanweer seien vor den Terrorattacken vom britischen Geheimdienst beobachtet worden, heißt es in dem Dokument des Geheimdienstausschusses des britischen Unterhauses. Der Sicherheitsdienst MI5 sei auf die beiden Männer "am Rande anderer Überwachungs- und Ermittlungstätigkeiten" aufmerksam geworden.

Trotzdem sei nichts unternommen worden, weil die Geheimdienste zu diesem Zeitpunkt mit "dringenderen Angelegenheiten" ausgelastet gewesen seien und die beiden damals nicht als unmittelbare Bedrohung eingestuft hätten. Dass in der damaligen Bedrohungssituation angesichts knapper Personalressourcen bei der Fahndung nach internationalen Terroristen andere Prioritäten gesetzt wurden, sei aber "nachvollziehbar", zeigt der Bericht Verständnis.

Khan und Tanweer hatten nach den Erkenntnissen "wahrscheinlich" Kontakt zu Al-Kaida-Mitgliedern in Pakistan. Khan sei 2003 in dem Land gewesen. Zusammen mit Tanweer habe er sich außerdem von November 2004 bis Februar 2005 in Pakistan aufgehalten. Es sei allerdings noch unklar, wen die beiden Männer dort getroffen hätten.

Keine Verbindung zu Al-Kaida
Der ebenfalls am Donnerstag veröffentlichte Abschlussbericht des britischen Innenministeriums über die Anschläge auf das Londoner Nahverkehrssystems kommt hingegen zu dem Schluss, dass Khan und seine Mittäter auf eigene Faust und ohne Verbindung zu Al-Kaida oder anderen internationalen Terrororganisationen handelten. Bereits Anfang April war durchgesickert, dass laut diesem Bericht das Al-Kaida-Netzwerk nichts mit den Anschlägen zu tun hatte. Die "Times" berichtet in ihrer Donnerstag-Ausgabe, dass die Anschläge den Ermittlungen zufolge nicht von Hintermännern gesteuert wurden.

Die Zeitung "The Observer" veröffentlichte Anfang April zuerst Schlussfolgerungen aus dem Untersuchungsbericht der Regierung, denen zufolge es keine Anhaltspunkte für die Vermutung gab, eine international vernetzte Organisation habe die Anschlagsserie mit erheblichem logistischem Aufwand vorbereitet. Vielmehr hätten die vier Attentäter ihre "einfache und nicht kostspielige" Operation ohne Unterstützung von außen geplant - für die Behörden ein Grund zur Besorgnis, dass es Nachahmungstäter geben könnte.

Die vier Selbstmordattentäter verstanden sich dem Regierungsbericht zufolge als Märtyrer und wollten gegen die von ihnen als anti-moslemisch empfundene Außenpolitik Großbritanniens protestieren. Zu den Taten hätten sie sich darüber hinaus ermuntert gefühlt, weil sie von ihrer Unsterblichkeit überzeugt gewesen seien. Die von den Attentätern in Rucksäcken versteckten Bomben seien für wenige hundert Pfund hergestellt worden. Die vier Briten - drei von ihnen stammten aus Pakistan, der vierte war ein zum Islam übergetretener Jamaikaner - hätten ein Doppelleben geführt und ihre islamistischen Ansichten hinter einem westlichen Gewohnheiten angepassten Lebensstil verborgen.

London-Attentäter finanzierten Anschläge aus eigener Tasche
Die vier Attentäter von London haben ihre verheerenden Anschläge komplett aus eigener Tasche finanziert. Die Selbstmordattentate kosteten lediglich 11.700 Euro, teilte der britische Innenminister John Reid mit.

Das Geld sei mit Methoden gesammelt worden, die "nur schwer mit Terrorismus in Verbindung gebracht werden konnten", sagte Reid weiter. Die Bomben seien mit Teilen gebaut worden, die im freien Handel einfach zu erwerben seien und mit sehr wenig Fachkenntnis zusammengesetzt werden könnten. (apa/red)