Lohnpfändungen keine Seltenheit mehr: Stolze 762.105 Fälle im vergangenen Jahr!

Gründe: Teure Autos, Handys, Einkaufen auf Pump "Working poor": Experte sieht erschreckenden Trend

Hohe Ausgaben für teure Autos, Handys, Einkaufen auf Pump, aber auch Unfälle oder ganz einfach nur die Gründung einer Familie: Die Ursachen, warum die Schulden vielen Österreichern über den Kopf wachsen, sind vielfältig. Für das vergangene Jahr listet die Statistik des Justizministeriums nicht weniger als 762.105 Lohn- und Gehaltspfändungen auf, berichtet die Tageszeitung "Salzburger Nachrichten".

"Die Zahl der Lohn- und Gehaltspfändungen ist damit zwar im Vergleich zu 2005 sogar leicht zurückgegangen", räumt Peter Niederreiter von der Salzburger Schuldnerberatung ein. "Sie ist aber immer noch so enorm hoch, dass es viel zu viel ist." Neben der Gründung einer Familie oder dem schlechten Umgang mit Geld, nennt Niederreiter auch das Problem der "Working poor", also der Leute, die zwar arbeiten, aber deren niedrige Einkommen nicht für die laufenden Kosten ausreichen.

Besonders tragisch für die betroffenen Mitarbeiter ist, dass viele Firmen eine Gehaltspfändung zum Anlass für eine Kündigung nehmen, berichtet Rainer Kraft von der "Steuer&Service Steuerberatungs GmbH" in Wien. Ein Problem sei auch, dass seit kurzem der Arbeitgeber dem Gericht melden muss, wenn der betroffene Mitarbeiter aus dem Unternehmen ausscheidet. Damit sei auch ein potenzieller neuer Arbeitgeber sofort von der hohen Überschuldung informiert.

Den Arbeitgebern selbst bereite die Lohnpfändung jedenfalls wenig Freude, sagt Kraft. Denn die Abwicklung sei ziemlich kompliziert. Das Gericht fälle zwar den Beschluss zur Exekution, Pfändungsorgan sei dann aber mehr oder weniger der Arbeitgeber. Er muss auch die Pfändungen richtig reihen. Denn bei einem Gläubiger bleibe es meist nicht. (apa)