Löscher soll Siemens als neuer Chef aus Krise führen: 1957 in Villach geboren!

Weltenbummler, Skifahrer und Kunstsammler

Löscher soll Siemens als neuer Chef aus Krise führen: 1957 in Villach geboren!

Peter Löscher kam im österreichischen Städtchen Villach zur Welt. Als er ein Teenager war, baute Siemens dort ein Werk. Doch obwohl Löscher fulminant Karriere machte, dauerte es noch fast 30 Jahre, bis er zu dem Weltkonzern stieß: dann jedoch als Chef.

Schon Anfang Juli übernimmt der 49-Jährige das Ruder des affärengeplagten Konzerns von Klaus Kleinfeld. Ein weiter Umweg hat den Vater von drei Kindern dorthin gebracht. Von Jugend an zog es den Kärtner hinaus in die Welt. Auf seiner Welt-Tournee als Pharma-Manager kam er viel herum in Europa, Amerika und Asien. Und machte sich dabei auch einen Namen als Krisenmanager. Dieses Talent dürfte der Mann mit den graumelierten Haaren und den buschigen Augenbrauen bei Siemens brauchen.

Die Nähe seiner Geburtstadt Villach zu Italien brachte Löscher nach eigenem Bekunden erstmals auf den Geschmack anderer Kulturen. Das Wirtschaftsstudium führte ihn auch deshalb in die USA und auch nach Hongkong. "Diese neun Monate erwiesen sich als Schlüsselerlebnis", erklärte Löscher vor wenigen Jahren einmal. Sie weckten nach eigenem Bekunden nicht nur sein Faible für Asien, sondern endgültig sein Interesse an anderen Kulturen.

Doch zunächst heuerte Löscher Mitte der 80er Jahre bei der deutschen Unternehmensberatung Kienbaun und Partner an. Es folgte der Wechsel in die Pharmabranche, der er seitdem treu blieb. Von 1988 bis 1999 war er auf leitenden Posten beim Frankfurter Pharmakonzern Hoechst. Dort meisterte er die ersten heiklen Aufgaben: Anfang der 90er Jahre managte der mit einer Spanierin verheiratete Löscher in Barcelona für Hoechst eine knifflige Übernahme, später verzahnte er das Geschäft in den USA, Kanada und Mexiko.

Skifahrer und Kunstsammler
Nach einer weiteren glänzenden Karriere in der Pharmabranche, die ihn auch nach Japan führte, holte der US-Konzern Merck den begeisterten Skifahrer und Sammler von moderner Kunst vergangenes Jahr ins Boot. Beim US-Giganten sollte Löscher die Gesundheitssparte wieder auf Kurs bringen. Diese war durch den Skandal um das gesundheitsgefährende Schmerzmittel Vioxx ins Schlingern gekommen. Löscher, der nach eigenen Angaben neben Englisch auch Französisch, Italienisch, Spanisch und Japanisch spricht, war dort zuletzt auch als Konzernchef im Gespräch.

Nun aber übernimmt der großgewachsene Löscher den Chefsessel bei einer noch berühmteren Adresse der Weltwirtschaft. Es sei ihm eine "große Ehre", den Weltkonzern zu führen, sagte Löscher im strahlenden Sonnenschein vor dem Siemens-Konzernsitz in München in die Mikrofone. Dass ein Pharma-Insider den Gemischtwarenladen Siemens auf Kurs bringen soll, gilt hinter den Kulissen des Siemens-Konzern nicht als unlogisch. Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hinterlässt nämlich einen Plan als Vermächtnis, der sich "Fit for 2010" nennt. Damit soll der Konzern gestrafft und auf wenige Felder getrimmt werden, darunter Infrastruktur, Energie - und Gesundheit.

Vor Löscher liegt also viel Arbeit. Neben der neuen Strategie muss er schließlich auch das Vertrauen wieder aufbauen, das vom Schmiergeld-Skandal des Konzerns zerstört wurden. Vor allem in den USA, wo ebenfalls Ermittlungen laufen, steht der Konzern unter verschärfter Beobachtung. Das Renommee des Österreichers jenseits des Atlantiks soll bei dieser Aufgabe helfen. Löscher verfüge über "hohen internationalen Respekt" und eine "Ausbildung auf allen Kontinenten", sagte Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme, der in den vergangenen Wochen die Personalie Löscher eingefädelt haben dürfte.

Unglücklich scheint der Globetrotter Löscher nicht, dass er nach vielen Jahren im Ausland wieder in deutsche Gefilde zurückkehrt. "Mit meiner Frau und meinen Kindern komme ich gerne wieder zurück nach Europa und nach Deutschland", erklärte Löscher. Vor allem die Berge und die Skigebiete in Österreich habe er im Ausland vermisst, sagte Löscher einmal. Dorthin kann er nun vom Siemens-Sitz in München aus ohne großen Aufwand gelangen - wenn die Zeit zwischen Strategie-Anpassen und Affären-Beseitigen noch reichen sollte. (apa/red)