Lobbying von

1.427 unmoralische Angebote

Aufdecker Hans-Peter Martin zeigt den ganz normalen Wahnsinn in Brüssel auf

Lobbying - 1.427 unmoralische Angebote © Bild: News Herrgott Ricardo

Offenbar hat Brüssel nichts dazugelernt. Zwei Jahre ist es her, dass ein Skandal der Sonderklasse die Europäische Union erschütterte: Österreichs Ex-Innenminister und damaliger ÖVP-EU-Parlamentarier Ernst Strasser tauchte in einem geheim mitgeschnittenen Video britischer Journalisten, die als Lobbyisten getarnt waren, mit Sätzen auf wie: „Wenn etwas ins Parlament kommt, können wir versuchen, auf Leute einzuwirken (...), um irgendeinen kritischen Inhalt zu verändern.” Und: „Meine Kunden zahlen mir 100.000 Euro pro Jahr.“

Schlagartig wurde klar, wie leicht es für Außenstehende mit zweifelhaften Interessen sein kann, mit guten Kontakten und gutem Geld den Gesetzgebungsprozess in Brüssel zu beeinflussen. Was hat sich im – immer wichtiger werdenden – Europäischen Parlament nach dem Skandal geändert? Nicht genug, wie die minutiösen Aufzeichnungen des parteifreien österreichischen EU-Mandatars Hans-Peter Martin beweisen. Der Lobbying-Wahnsinn geht ungebremst weiter.

Drei Lobbying-Versuche pro Tag

Martin hat zwei Jahre lang sämtliche Lobbying-Versuche, mit denen er konfrontiert war, dokumentiert. Insgesamt erreichten den Abgeordneten 1.427 unmoralische Angebote – mehr als drei pro Arbeitstag. Darunter fielen 1.093 Einladungen verschiedenster Art sowie 334 Aufforderungen zu bestimmtem politischem Verhalten. Die Liste an Luxusreisen, zu denen Martin eingeladen wurde, enthält Destinationen von Edinburgh bis Süd-China. Ein Grundrezept: Unternehmensvertreter und Interessensgruppen, die auf – für sie – günstige Entscheidungen hoffen, bieten den Abgeordneten vornehmlich Verlockungen vom Feinsten. „Wenn man sich dem nicht entzieht, wird man permanent in Schokolade und Champagner gebadet”, meint Martin zu NEWS.

„In angenehmer Atmosphäre werden dann einseitige Argumente präsentiert”, erklärt der Abgeordnete: „Es erfordert viel Sachkenntnis und echtes Rückgrat, um sich dem zu entziehen.” Neben Unternehmen wollen übrigens auch manche Staaten ein Naheverhältnis zu EU-Verantwortlichen herstellen. Als besonders unverschämt hat Martin Einladungen zu mehreren Auslandsreisen in Erinnerung. Ins Auge sticht zum Beispiel eine Einladung in die südchinesische Provinz Yunnan. Angeboten wurde „VIP-Behandlung“ mit Gratisteilnahme und kostenloser Unterbringung im Fünf-Sterne-Hotel. Inhalt der Konferenz: Die Auslagerung von Dienstleistungen nach Asien. Fast hätte man den eingeladenen Europäern dazuschreiben können, sie mögen die Arbeitsplätze ihres Wahlkreises doch gleich mitbringen.

Den ganzen Artikel lesen Sie in der aktuellen Printausgabe von NEWS (14/2013)

Kommentare

bushmaster

Einer mit echtem Rückrat, der H.P.M. Ein echter EX -Sozi halt.

Der da oben ist genauso Teil des Systems wie alle anderen. Mit "AUFSCHREIBEN" allein ist es halt nicht getan. Sie hätten durch frühzeitige Veröffentlichung für die Abstellung dieser Umstände sorgen müssen Herr "Besserwisser"!

Tja und genau deswegen leben wir nicht in einer Demokratie, sondern in einer Scheindemokratie, man könnte es auch Konzerndiktatur nennen! Ich spinne? Dann macht mal eure verschlafenen Augen auf, die Realität ist nicht so kuschelig wie uns das die Profiteure vermitteln möchten. Einige Gesetze sind nun mal nicht aus purer Nächstenliebe entstanden, sondern aus Gier.
Vielleicht sollte uns endlich zu denken geben was diese verbrecherischen Dreckskonzerne mit unserer Welt anstellen!!!
Aber was sag ich da, fresst lieber eure Hamburger vor der Glotze und scheißt auf die nächste Generation solange ihr es gut habt!

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