Little Horseland for Kids von

Therapeuten mit Hufen

Glücksgefühle für beeinträchtigte Kinder auf einem Pferdehof im Pongau

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    Little Horseland for Kids

"Little Horseland for Kids" fördert den Abbau von Ängsten. Die Kinder bauen durch den Kontakt mit den Pferden Vertrauen auf und lernen Verantwortung.

Die achtjährige Sabrina sitzt auf dem Welsh-Pony "Kleiner Donner" und lacht, was sonst selten vorkommt. Das Mädchen leidet an Epilepsie und einer Entwicklungsstörung. Auf der Ranch des Vereins "Little Horseland for Kids" in St. Veit im Pongau "ist sie ein anderer Mensch", freut sich ihre Mutter Brigitte Scharfegger. "Eine Stunde sitzen und konzentrieren, das schafft Sabrina nur auf dem Pony."

Erfolgsgeschichten
21 Beeinträchtigte, hyperaktive und traumatisierte Kinder hat Vereinsobmann Heinz Aigner im Vorjahr auf der kleinen Farm betreut. "Es geht um glückliche Minuten und Stunden für die Kinder, alles andere ergibt sich von selber", lautet Aigners Philosophie.

Die Kinder dürfen unter der Obhut des Vereinsobmannes in das Leben der Ranch hinein schnuppern, die fünf Pferde bürsten, führen, reiten und füttern - ohne Zeitdruck, ohne in ein Trainingsschema gepresst zu werden, ohne Zwang. Manchmal kommen verzweifelte Eltern, deren Kinder schon viele Therapien durchlaufen haben, sich aber keine oder kaum eine Besserung eingestellt hat. Der stresslose Kontakt mit den Pferden fördert die Ausgeglichenheit der Kinder. Das sanfte Streichen mit der Hand über die Halsschlagader der Tiere gehört ebenso zum beruhigenden Ritual wie die Zeit im Rundkorral, wo die Kinder mit den vierbeinigen Therapeuten auch mal alleine miteinander "kommunizieren" dürfen.

"Pferdeflüsterer" Heinz Aigner schildert den Fall eines 15-Jährigen: Nach dem tödlichen Autounfall seines Vaters redete er drei Jahre nichts mehr. Der Schüler gab die Schuld für den Unfall der Mutter, weil die Eltern vor dem Unfall gestritten hatten. Er galt als hoffnungslos "austherapiert". Erst auf der Ranch fand er die Sprache wieder. Zuerst redete er nur mit der Haflingerstute Afra. "Ihr hat er seine Sorgen erzählt, er hat bei ihr zu weinen angefangen", erzählt Aigner. Das Vertrauen des traumatisierten Buben zum Tier ging bald auf Aigner über. Er war der erste Mensch, mit dem der Teenager nach dem Tod seines Vaters wieder gesprochen hatte. "Er holt jetzt den versäumten Gymnasium-Lernstoff nach."

Der Pongauer Westernreiter hat sich mit der Philosophie und Arbeitsweise der "Pferdeflüsterer" Monty Roberts, Mark Rashid und Pat Parelli eingehend befasst und auch Prüfungen absolviert. Aigner bezeichnet sich selbst als "Dolmetscher zwischen Kind und Pferd". Für viele herkömmliche Therapeuten gilt er als Feindbild. Die Gewissheit, dass seine Methode nicht falsch ist und sich seine tägliche Arbeit lohnt, gibt ihm allein schon das Lachen der Kinder. "Das kann man nicht mit Geld aufwiegen." Im Vorjahr erhielt er den Eirene-Preis für Menschlichkeit.

Engagement
2.100 Arbeitsstunden hat der ehemalige Pilot und Postbedienstete, der seit einem Verkehrsunfall im Jahr 1994 eine Invalidenpension bezieht, für die Ranch und die Kinder im Vorjahr aufgebracht. Aigner nahm nach dem Unfall selbst eine Reittherapie im Rehab-Zentrum Bad Hering in Anspruch. "Damals sagte ich mir: Wenn ich wieder auf den Füßen bin, gebe ich das Erlernte weiter."

Der gemeinnützige Verein "Little Horseland for Kids" finanziert sich aus der Jahresmitgliedschaft von 20 Euro pro Person, von Spenden und Sponsoren (wie zum Beispiel die Caritas). Die monatlichen Fixkosten betragen 900 Euro. Aigner selbst bringt 5.000 Euro pro Jahr als Finanzspritze ein. "Wir sind sehr an der Grenze mit dem Budget. Ich weiß nicht, ob es uns das nächste Jahr noch gibt."

Tanja Grallert von Cleverly organisiert auf der Ranch Events für Kinder. "Little Horseland ist etwas Besonderes, Heinz Aigner ist sehr charismatisch. Er schafft es ganz schnell, Kindern - egal ob gesund oder beeinträchtigt - ihre Angst zu nehmen. Ein Highlight am Schluss jeder Veranstaltung ist das Ponybemalen." Brigitte Scharfegger betont: "Ich sehe, dass es Sabrina hier gut geht. Das ist schon genug Erfolg für uns. Für meine Tochter wünsche ich mir, dass ich ihr diese Freude und das Lachen am Pferd noch lange erhalten kann."

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