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"Literat der Posaune": Jazzmusiker Erich Kleinschuster (88) gestorben

Langjähriger Lehrender an Grazer Kunstuni verstarb in der Nacht auf Mittwoch

Der Posaunist und Jazzmusiker Erich Kleinschuster ist in der Nacht auf Mittwoch im Alter von 88 Jahren gestorben. Dies teilte die Kunstuni Graz (KUG) am Mittwoch mit. Kleinschuster hatte das Jazzleben in Österreich entscheidend mitgeprägt, an der Kunstuniversität hatte er einen Lehrauftrag. Kleinschuster spielte mit den internationalen Größen Friedrich Gulda, Art Farmer oder Jimmy Heath.

Laut einem Sprecher sei der Kunstuniversität das Ableben Kleinschusters aus dessen Umfeld bestätigt worden, wie es gegenüber der APA nach steirischen Medienberichten hieß. Der langjährige Organisator des "Jazzsommer Graz" wurde am 23. Jänner 1930 geboren und in den 1970er Jahren als Leiter der ORF Big Band und der Abteilung Unterhaltungsmusik des Österreichischen Rundfunks einem breiten österreichischem Publikum bekannt. Kleinschuster hat neben dem Studium der Posaune auch noch das Studium der Rechtswissenschaften abgeschlossen. Als Jurist war er zwar nie tätig, wohl aber einst als Elektroschweißer bei Simmering-Graz-Pauker, um seine Studien in Wien zu finanzieren. Die Entscheidung, als Jazz-Musiker eine professionelle Laufbahn einzuschlagen, fiel 1958.

Die Teilnahme am berühmten Newport Jazz Festival als Mitglied der International Youth Band brachte Kleinschuster mit großen Jazz-Musikern in Kontakt, die ihn nachhaltig beeinflussten. Darunter nannte Kleinschuster einmal auch Louis Armstrong, der 1958 in Newport spielte und dessen persönliche Bekanntschaft er machte. Ebenfalls in Newport dabei war Miles Davis, "der mich stilistisch stark geprägt hat", so Kleinschuster. Vieles, was Davis vor seiner Hinwendung zum Jazzrock an Melodik hervorbrachte, war auf die Posaune übertragbar, erinnerte sich Kleinschuster. Als weitere Einflüsse nennt Kleinschuster den Altsaxofonisten Julian "Cannonball" Adderley und den Posaunisten J.J. Johnson.

Als Lehrer hat Kleinschuster die Forderung nach Perfektion am Instrument umgesetzt. 1981 begann er eine langjährige Lehrtätigkeit an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Graz in den Fächern Improvisation und Jazzposaune bis 1998, als er emeritierte. Ebenso unterrichtete er an den Jazz-Abteilungen in Klagenfurt und in Wien.

Kleinschuster - sein äußeres Markenzeichen war die Strickhaube - hatte sich schon länger als aktiver Musiker weitgehend zurückgezogen, dem Jazz-Publikum war er aber als Organisator des "Jazzsommer Graz" erhalten geblieben. Hier holte er Musiker wie George Benson, Chick Corea oder Al Jarreau oder den Son-Musiker Ibrahim Ferrer nach Graz. Der Jazz-Professor blieb stets ein scharfer Kritiker sowohl des Jazz selbst als auch der Kulturpolitik. Wer ein guter Jazz-Musiker werden wolle, solle lernen und das üben, was er nicht könne: "Musiker müssen ihr Handwerk verstehen, es ist eine unabdingbare Notwendigkeit, sein Instrument zu beherrschen, alles andere ist Lüge und auf Zufall aufgebaut."

Die Schwierigkeiten, als Jazz-Musiker sein Geld zu verdienen, ortete Kleinschuster in der Vielzahl oft auch schwacher Musiker und am Fehlen von Plattformen für den Jazz. Ein Problem sah Kleinschuster in der mangelnden Unterstützung durch Kulturpolitik und Wirtschaft. "Jazz ist nie im Geschenkregen gestanden", sprach er aus langjähriger Erfahrung.

Dem österreichischen Jazz stellte Kleinschuster in einem APA-Interview im Jahr 2000 anlässlich seines 70. Geburtstages kein gutes Zeugnis aus. Der Jazz aus Österreich könne international derzeit nicht mithalten. In Wien sei das Niveau höher, in Graz herrsche ein Monopol der Universität, was eine Enge nach sich ziehe, in der sich keine Qualität entwickeln könne. In den letzten Jahren hatte Kleinschuster eher noch zum Spaß und bei kleineren Veranstaltungen gespielt.

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