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Dienstvilla de luxe

Linz Textil - der Streit um die feudale Villa des Ex-Chefs

Wirtschaft - Dienstvilla de luxe © Bild: Andreas Bruckner / picturedesk.com

Bei der Linz Textil fliegen die Fetzen. Der Streit um die Millionenvilla für die Familie des Ex-Chefs kommt nicht zur Ruhe. Kommende Woche gibt es eine Aktionärsversammlung.

Woran man bei einer Drei-Millionen-Euro-Luxusimmobilie alles denken muss: Im Fitnessraum sollte eine Kühldecke her. Im Weinkeller wäre die Kühlung durch ein Kleingerät zu erzeugen. Für die Massage in der Dusche sollte - wenn möglich -ein fertiges Element verwendet werden. Der Pool wiederum wäre entweder durch eine Solaranlage oder durch eine Luftwärmepumpe zu heizen. In den Bügelraum gehört ein Entfeuchtungsgerät, und natürlich muss auch eine ansprechende Sauna eingebaut werden.

Wer es sich leisten kann, wohnt eben schön. Die Probleme beginnen allerdings dann, wenn für die noble Bleibe - zumindest zum Teil -jemand anderes aufkommen soll. Seit Monaten tobt bei der Linz Textil AG, die unter anderem Vossen-Handtücher herstellt, ein heftiger Streit. Eine Aktionärsgruppe, in der der Wiener Rechtsanwalt Ingo Kapsch maßgeblich aktiv ist, stößt sich an einem Villen-Deal des Unternehmens mit der Gattin des damaligen Chefs Dionys Lehner. Die Familie Lehner steht hinter rund 60 Prozent der Aktien. Mitte 2009 kaufte die Linz Textil ein Grundstück und begann, darauf eine Villa zu bauen -quasi als Dienstwohnung für den Chef. Ende 2011 verkaufte man an Lehners Frau. Zu dem Geschäft gibt es einen aktienrechtlichen Sonderprüfbericht, der News vorliegt. Darin steht, dass durch die Transaktion ein Buchverlust von rund 1.017.000 Euro entstanden sei. Während die Unternehmensführung gerne Gegenrechnungen anstellt, die den Verlust in einen Gewinn umkehren würden, steht laut Prüfer dem Buchverlust nur ein Vorteil von 300.000 Euro gegenüber, plus ein Buchgewinn aus dem Verkauf des Vorgänger-Diensthauses von rund 214.000 Euro.

Weniger wert?

Laut Sonderprüfung wurden Anschaffung und Umbau der Immobilie im Aufsichtsrat ohne Vorlage von Projektkosten besprochen. Und vor dem späteren Verkauf an die Ehefrau seien die Wertgutachten dem Aufsichtsrat nicht vorgelegt und von diesem auch nicht verlangt worden. Einer der Gutachter zog in seiner Berechnung rund 200.000 Euro als "wirtschaftliche Wertminderung ( ) aufgrund des zweckgebundenen Grundrisses und fehlender Stiege in das Untergeschoß" ab. Dabei war Frau Lehner bereits vor dem Kauf in die Detailplanung involviert. Dies zeigen unter anderem Mails und Aktenvermerke in Bezug auf die eingangs dieses Artikels zitierten Geräte und Einrichtungen. Aus Grundrissplänen ergibt sich zudem, dass drei Kinderzimmer eingeplant waren. Das ist nicht überraschend, schließlich sollte die Chef-Familie darin wohnen. Überraschend wäre es aber, würde dafür beim Verkauf an jene Frau, auf deren Bedürfnisse das Haus zugeschnitten ist, unter Umständen eine Wertminderung zum Tragen kommen. Ins Untergeschoß führt übrigens zwar keine Stiege, aber ein Lift.

»"Der Verkauf ist ganz exakt nach Anweisung des Aufsichtsratspräsidenten durchgeführt worden"«

Ex-Chef Lehner bestreitet auf Anfrage alle Vorwürfe. Das Haus sei nicht für ihn, sondern als Konzernsitz - nicht zuletzt für Repräsentationszwecke -gebaut worden. Die Aufforderung zum Kauf im Jahr 2011 sei gegen seinen Wunsch gewesen und "ganz exakt nach Anweisung" des damaligen Aufsichtsratspräsidenten erfolgt. Zum Hintergrund: Wäre das Haus nicht verkauft worden, hätten der Firma steuerliche Nachteile gedroht, da die Kostengrenze, ab der die Finanz von einer "Luxusimmobilie" ausgeht, überschritten worden wäre. Dass seine Frau beim Bau beratend gewirkt habe, könne die Firma nur danken, meint Lehner. Vielleicht habe seine Frau den Fehler gemacht, keine Rechnung zu legen.

Kommende Woche findet eine außerordentliche Hauptversammlung statt. Da legt Lehner sein Mandat im Aufsichtsrat zurück, das er -entgegen heutigen Gepflogenheiten -rasch nach Ende seiner Vorstandstätigkeit angenommen hatte. Nachfolgerin im Aufsichtsrat wird: seine Frau.