"Links, kritisch und laut": Grüne Liste GRAS will mit Fanny Rasul Uni-Politik umjäten

Will sich für geschlechtergerechte Sprache einsetzen Koalitionen mit FP- und VP-Studenten ausgeschlossen

"Links, kritisch und laut": Grüne Liste GRAS will mit Fanny Rasul Uni-Politik umjäten

Einen Mandatszuwachs sowie die Fortsetzung der "linken, kritischen und lauten" Linie der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH) statt eines "Kuschelkurses" gegenüber der Regierung wollen die Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) bei den ÖH-Wahlen vom 22. bis 24. Mai erreichen. Als GRAS-Spitzenkandidatin geht die 22-jährige Politikwissenschaftsstudentin Fanny Rasul ins Rennen. Wahlkampf-Schwerpunkte sind Anti-Diskriminierung, Feminismus, Bildungsexpansion, Soziales sowie die ersatzlose Abschaffung der Studiengebühren.

Beim Thema Uni-Zugang forderte Rasul Bundeskanzler Alfred Gusenbauer bei einer Pressekonferenz auf, die ÖVP-Strategie bei der Erbschaftssteuer anzuwenden. Da die Zugangsbeschränkungen in den acht Fächern Human-, Zahn- und Veterinärmedizin, Psychologie, Biologie, Pharmazie, BWL und Publizistik nur befristet bis zum Wintersemester 2007/08 eingeführt wurden, solle die SPÖ diese einfach auslaufen lassen. Der SPÖ müsse das Thema Hochschulzugang mindestens so viel Wert sein wie der ÖVP das Thema Erbschaftssteuer.

Beenden will Rasul auch die Diskriminierung von Studenten aus dem Nicht-EWR-Raum. Sie müssten freien Zugang zum Arbeitsmarkt bekommen, in das Beihilfensystem eingebunden werden und bei ÖH-Wahlen auch kandidieren dürfen. Außerdem müssten die Visumsbestimmungen und die Vorlage eines Vermögensnachweises fallen, ebenso das Fremdenrechtspaket 2005.

GRAS will sich auch für geschlechtergerechte Sprache einsetzen
Weitere Forderungen der GRAS: Die Stärkung der Senate an den Unis zu Lasten von Rektorat und Uni-Rat, die Erhöhung der öffentlichen Ausgaben für Bildung auf zwei Prozent des BIP, Feminismus und Genderfragen als Querschnittsmaterie in allen Studienrichtungen sowie die Verwendung geschlechtergerechter Sprache an den Unis - von der Vorlesung bis zum Skriptum.

Im Sozialbereich verlangte Rasul eine Erhöhung der Bezugsdauer von Stipendien, die Entkopplung der Studienbeihilfe vom Eltern-Einkommen sowie deren Anpassung an die Inflationsrate. Abgelehnt wird von ihr der von der Regierung geplante Sozialdienst zur Rückerstattung der Studiengebühren. Nötig sei eine ersatzlose Abschaffung der Gebühren statt "chaotischer Legitimationsversuche von gebrochenen Wahlversprechen".

Rasul wurde am 29. April 1984 in Suleimania, einem von Kurden besiedelten Gebiet im Nord-Irak, geboren und kam über den Iran 1987 als Flüchtling nach Österreich. Seit 1993 ist sie österreichische Staatsbürgerin. Politisches Engagement zeigte sie bereits als Schulsprecherin in der AHS Hegelgasse in Wien-Innere Stadt und Aktivistin der SP-nahen Aktion Kritischer SchülerInnen (AKS). Jetzt sei sie aber eine "kritische Studentin und daher Aktivistin der GRAS". In der ÖH engagiert sich Rasul seit 2005, seit dem Vorjahr ist sie in der Bundesvertretung Referentin für Bildungspolitik. In ihrer Freizeit spielt sie Theater und ist "passionierte U-Bahn-Leserin".

Koalitionen mit FP- und ÖVP-Studenten ausgeschlossen
Die GRAS kandidiert an nur 13 Universitäten. Keine Kandidaten stellt sie an der Medizin-Uni Wien, an der Veterinärmedizinischen Universität, an der Montanuni Leoben sowie an den Kunstunis mit Ausnahme der Musik-Uni Wien. Nach den Wahlen werden Koalitionen mit dem Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) und der VP-nahen AktionsGemeinschaft (AG) ausgeschlossen. Derzeit verfügt die GRAS über 14 Mandate in der 62 Sitze umfassenden Bundesvertretung und stellt gemeinsam mit dem Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) die ÖH-Spitze.

(APA/red)