Lindner schlägt zurück: Verschiebung des BZÖ-Sommergesprächs rückgängig gemacht

Westenthaler entsetzt: "Putsch im Auftrag der ÖVP" BZÖ-Chef will heute dazu brisante Details enthüllen

Das ORF-"Sommergespräch" mit BZÖ-Chef Westenthaler wird nun doch nicht auf heute vorverglegt, sondern findet wie geplant Dienstagabend parallel zur Champions League statt. Die amtierende ORF-Chefin Lindner hat sich damit in einem Machtkampf gegen den neugewählten ORF-Generaldirektor Wrabetz und Programmdirektor Draxler vorerst durchgesetzt. Das BZÖ schäumt über die Entscheidung.

Unter Stiftungsräten der so genannten Regenbogenkoalition wird bereits die Einberufung einer Sondersitzung des obersten Aufsichtsgremiums überlegt. "Was sich da abspielt, ist ein Putsch der abgewählten Frau Lindner im Auftrag der ÖVP", so Westenthaler. Er kündigte an, heute in einer Pressekonferenz alle Vorgänge vor der Wahl des ORF-Generaldirektors zu veröffentlichen sowie "alle Hintergründe über den Krieg der letzten 48 Stunden im ORF".

Wrabetz hatte auf Wunsch Westenthalers Programmdirektor Gerhard Draxler angewiesen, wegen der Champions League- Übertragungen einen anderen Programmplatz für das "Sommergespräch" vorzusehen. Zugleich gab es von ORF-Chefin Lindner eine schriftliche Weisung - die erste ihrer Amtszeit und auch die erste seit der Novelle des Rundfunkgesetzes von 2001, mit der der ORF-Chef das direkte Weisungs- und Durchgriffsrecht erhalten hat. Draxler gab dennoch die Vorverlegung des "Sommergesprächs" via Aussendung bekannt.

Anschließend kam es zu einem mehrstündigen Krisengespräch zwischen Lindner, Wrabetz und Draxler, das zunächst ergebnislos endete. Sonntag machte Draxler schließlich auf Grund der Gesetzeslage - Lindner hat bis zur Amtsübergabe am 31. Dezember die letzte Verfügungsgewalt - einen Rückzieher.

Draxler: Keine "Lex Westenthaler"
"Programm- und Publikums-Interesse" nennt ORF-Informationsdirektor Gerhard Draxler als Beweggründe seiner Entscheidung zur angekündigten und wieder rückgängig gemachten Verlegung des "Sommergesprächs". Ergebnisse der ORF-Publikumsforschung hätten gezeigt, dass Politik und Fußball die gleiche Zielgruppe ansprechen würden. Keinesfalls hätte es sich um eine "Lex Westenthaler" gehandelt. Die Regelung mit dem "Sommergespräch" oder auch den TV-Duellen Fußball auszuweichen, hätte auch "für alle anderen" gegolten, so Draxler.

Die näheren Umstände, in deren Verlauf es eine Empfehlung des gewählten ORF-Generaldirektors Alexander Wrabetz für eine Vorverlegung und danach eine schriftliche Weisung der amtierenden ORF-Chefin Monika Lindner gab, wollte Draxler nicht kommentieren. Nur so viel: "Ich bin Journalist, nicht Jurist."

(apa/red)