Lincoln von

Spielberg-Drama jetzt auf DVD

Zweifach Oscar-prämierte Handlungsanleitung über amerikanischen Übervater

  • Lincoln Blu-ray
    Bild 1 von 3 © Bild: 20th Century Fox

    Lincoln

    Das Spielberg-Drama gibt es ab 24. Mai auf DVD, Blu-ray und VoD.

  • Lincoln DVD
    Bild 2 von 3 © Bild: 20th Century Fox

    Lincoln

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Der Begriff Historiendrama wird "Lincoln" nur bedingt gerecht. Es ist vielmehr eine politische Handlungsanleitung, die US-Regisseur Steven Spielberg gemeinsam mit seinem Drehbuchautor Tony Kushner gestaltet hat - vor dem Hintergrund des US-Sezessionskrieges und mit dem amerikanischen Übervater Abraham Lincoln als Dreh- und Angelpunkt, aber mit jenen taktischen und rhetorischen Manövern ausgestattet, die sich viele Demokraten auch für den amtierenden Präsidenten Barack Obama wünschen würden. Jetzt erscheint der mit zwei Oscars - unter anderem für Daniel Day-Lewis als bester Hauptdarsteller - ausgezeichnete Film auf DVD.

Langweilig wird das teils recht didaktisch geratene Politstück eigentlich nie, was nicht zuletzt auf die eng gehaltene Prämisse und den grandiosen Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle zurückzuführen ist: Spielberg und Kushner konzentrieren sich auf die letzten vier Monate im Leben von Lincoln (1809-1865), in denen der Krieg zwischen Nord- und Südstaaten beendet und die Sklaverei abgeschafft wird. Der umstrittene 13. Zusatzartikel zur US-Verfassung stößt zwar auf heftige Ablehnung im Repräsentantenhaus und auch auf Gegenwehr in den eigenen Reihen. Doch mit politischem Geschick und taktischem Gespür kann sich Lincoln letztendlich durchsetzen.

Beeindruckende Dialoge - beeindruckender Day-Lewis

Die Abschaffung der Sklaverei als politisches Meisterstück, das in dunklen Räumen kammerspielartig mit pointierten Gesprächen abgehandelt wird - das ist nicht nur ein anderer Zugang zum Thema, als ihn Quentin Tarantino für "Django Unchained" gewählt hat, sondern bedarf vor allem auch einer dynamisch-intelligenten Dialogführung, wie sie Spielberg wie kaum ein anderer beherrscht, und hervorragender Schauspieler. Sally Field als Lincolns Frau und Tommy Lee Jones als Abgeordneter Thaddeus Stevens sind eine Klasse für sich, aber was Daniel Day-Lewis in der Hauptrolle auf die Leinwand bringt, ist schlicht beeindruckend - weshalb er auch mit dem Hauptdarsteller-Oscar sowie - Golden Globe prämiert wurde.

Bravourstück des Hollywoodkinos

Wie er als Lincoln seine abenteuerlichen Anekdoten erzählt, teilweise abwesend, müde und verständnisvoll wirkt, nur um im nächsten Augenblick auf den Tisch zu klopfen und seine Meinung wortgewandt zu vertreten, das ist ohne Zweifel Oscar-würdig. Sich in der Rolle Liam Neeson vorzustellen, der lange Zeit dafür vorgesehen war, ist kaum vorstellbar, so sehr prägt Day-Lewis das dargestellte Geschehen aus dem Jahr 1865. Spielberg selbst recherchierte zwölf Jahre lang für die Umsetzung und ließ das Büro von Lincoln bis ins Detail - von der Tapete über die Bücher in den Regalen bis hin zum Ticken der Uhr - originalgetreu nachbauen. Wenn er gegen Ende des Films die entscheidende Abstimmung inszeniert, dann ist alleine der Spannungsaufbau ein Bravourstück des Hollywoodkinos.

Die amerikanische Lichtgestalt

Der 16. Präsident der Vereinigten Staaten war bereits mehrfach im Kino zu sehen: 1930 inszenierte D.W. Griffith "Abraham Lincoln" mit Walter Huston in der Hauptrolle. Henry Fonda verkörperte 1939 in John Fords "Der junge Mr. Lincoln" den Helden in Lauerstellung. Zuletzt kam der Präsident im vergangenen Jahr im wenig gelungenen Genre-Crossover "Abraham Lincoln Vampirjäger" in die Kinos. Bei Spielberg ist Lincoln ein großer Politiker und ob seiner Fähigkeiten bereits zur lebenden Legende aufgestiegen. Dass seine Haltung zur Sklavenfrage historisch bei weitem ambivalenter als im Kino war, bleibt hier ausgespart, schließlich geht es um eine amerikanische Lichtgestalt. Und diese beschwört auch Barack Obama angesichts des gespaltenen Landes nur allzu gerne.

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